Berchtesgaden.
Ein wunderbares Landschaftsbild bot sich unseren Blicken in Berchtesgaden aus dem schmucken Bergbauernhaus, das außerhalb des Ortes auf der Höhe des steilen Wiesenbanges steht und uns für die kommenden Tage eine liebe Heimstätte sein sollte. Malerisch lagert der Ort am Fufe der Bergriesen, die unmittelbar hier emporwuchten, Unten im Tal ein stetes Rauschen: die Königseer Ache, die in schäumendem Brausen ihre weiß-zerquirlten Wellen gegen Schellenberg und Salzburg hinausträgt durch das Tor der Berge,
Ein herzerfrischend warmer Empfang war uns im Wandrerheim bereitet worden, Da war uns, als er unsere junge Schar bemerkt hatte, der Hausvater entgegengekommen, eine kernige Berglergestalt in ihrer kleidsamen Tracht, und hatte uns mit einem herzlichen„Grüß Gott’ willkommen geheißen., Welch echte Menschen lernten wir in ihm und seiner Familie kennen! Die stets hilfsbereite Gastlichkeit seines Hauses, das Verständnis dieses einfachen Mannes für uns und unsere Pläne, sein gutmütig kernhaftes Wesen und seine für uns ergötzliche Art zu plaudern hatten ihm bald unsere Herzen ganz zugewandt, Wir empfanden es in den folgenden köstlichen Tagen alle deut- lich: hier war es gut sein bei Land und Leuten!
Die Almbach-Klamm.
Der Nachmittag führte uns in die wildromantische Almbach-Klamm. Wild zerklüftete Felsengänge durchtost der Almbach, oft ist er tief in die Kalkwände eingerissen. Dann steilen sich die kahlen Wände fast senkrecht zu mächtigen, vielgestaltigen Höhen und lassen oben nur noch einen schmalen Streif des Himmels durchblicken, Dann sieht man nur den rasenden Lauf des Bergwassers, dem sich umherliegende Felsblöcke oft trotzig entgegenstemmen, Sturzfälle, die in brausenden Wasserkesseln enden, und zuweilen auf einem vorspringenden Felsschroffen eine dunkle Tanne, hört des stürzenden Wildbachs Zorngehämmer, überschreitet auf zitternden Stegen das entfesselte, doch oft gehemmte Element. Zuweilen neigen sich die steilen Wände zu sanfteren Hängen, von windzerwehten Bäumen bestanden, die über das Gestrüpp starren. Hier wölbt sich der Himmel breiter über uns, und der scheiden- den Sonne Rotschein kann alles mild umfluten. Doch dann jäh wieder starre, schwarz beschattete Gewände. Märchenhaft schön endlich der große Wasserfall, wo der Bach von seiner Alm an der Hochwand sich hinunter— stürzt, gleich in den kühnsten Sprüngen, um sein tolles Laufspiel zu beginnen! Wallenden weißen Schleiern gleichen in der Dämmerung die breiten gischtigen Wasserbänder, die in langen Zügen hinunterbrausen, manchmal von der zurücktretenden Wand weg frei durch die Luft, um dann wieder auf einem der Vorsprünge aufzutosen. Wir kehren auf demselben Wege zurück da wir vom Ende der Klamm ausgegangen sind, um die großartige Stei- gerung der Fälle zu erleben, Schon hüllt Dunkel die Schluchtenenge und ihre hohen Wände, von denen die leichten Nebelschwaden der Herbstabende hinunterbrauen, Lauter noch scheint uns jetzt das Brausen der Fälle und das Wüten der drängenden Wasser, Schweigend kehren wir alle, nachdem wir die Klamm verlassen, durch den abend-— stillen Wald heim, Schweigend— denn auf uns allen liegt der mächtige Zauber eines tiefen Erlebnisses, Über den Wipfeln des Waldes ein klarer Sternenhimmel, der einen neuen schönen Tag verspricht,
Hinauf zur Kneifelspitze.
Auch den Gipfel einer der Berge, die so trotzig in die Tiefe schauen, wollten wir erklimmen,
Durch schattige Wälder und über sonnige Wiesenhänge führt zunächst der Weg zur„Kneifelspitze“ aufwärts, Doch dem Gipfel zu, hören Wald und Wiese auf, Eine Alphütte hockt auf einer Felsstufe, auf der Grenze zwischen Grün und Grau. Ein Leben des Kampfes führen die letzten Bäume, die noch vereinzelt um den Gipfel stehen. Wirr zerweht stehen manche noch in die Höhe— verkrüppelte Kiefern aber klammern sich schon an die Felsen. Rauh gesteint und zerrissen führt der Weg nun steil bergan, Doch uns Jungen ist der Aufstieg ein wild- fröhliches Hinanstürmen zum Gipfel! Frei und laut schlagen die Herzen, als wir ihn bezwungen haben. Und manch einer aus unserer Schar treibt es mit seinem Klettern und hellem, übermütigen Jauchzen wie ein junger Hüterbub, dem der erste Blick von hohen Almen alle Freude seines jungen Lebens wie einen Rausch ins Blut gegossen,
Langsam sammelt sich alles um das schlichte Kreuz, das der Gipfel trägt. Welch ſeierliches Schweigen hier oben, vom Reize dieser herben Natur durchdrungen, welch erhebender Rundblick! Stumm liegt zu Füßen uns die Menschenwelt. Nur noch des Tannenwaldes Rauschen steigt verhallend hier hinauf, Das Kreuz in der Bergeinsam- keit aber verkündet uns, was wohl jeder schon empfindet: Die Ehre Gottes aus der Natur:„Vernimm's und siehe die Wunder der Werke, die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke, dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?“
Morgen müssen wir scheiden! Wehmütg fällt es uns allen jetzt doch aufs Herz. Und still ist die vorhin noch so übermütige Schar geworden, Doch versöhnt uns mit dem Gedanken an das baldige Scheiden das Bewußtsein: der Abschied, den wir hier oben vom Berchtesgadener Land, seinen unvergeßlichen Bergen und seinen romantischen Tälern, nehmen, kann wohl schöner und stimmungsvoller nicht sein! Karl Sauer Ola.
7. Verfügungen der Schulbehörden.
7. April: Ministerialerlaß: Die Schüler der Oberprima sind darauf hinzuweisen, daß für das tech- nische Studium durchweg eine praktische Ausbildung vorgeschrieben ist. 28. Mai: Ministerialerlaß: Die Fragen des Völkerbundes sind im Unterricht zu behandeln.
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