Jahrgang 
1911
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S. Reifeprüfung. Die schriftliche Prüfung fand in der Zeit vom 20. bis 25. Februar statt.

Die mündliche Reifeprüfung fand am 15. Mär, unter dem Vorsitz des Direktors als Kgl. Kommissar statt. Als Vertreter der städtischen Schulbehörde wohnte Herr Stadtrat Dr. Ziehen der Prüfung bei. Sämtliche 9 Prüflinge bestanden die Prüfung.

Themate der Prüfungsarbeiten. 1. Deutsch: Woraus erklärt sich der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands seit 1870/71 5 2. Französiscl: a) Uebersetzung: Eine Geschäftsfrau;

b) Korrespondenz:

Léon GOriffaut, Chartres, bestätigt der Buchhandlung Desforges et Cie., Orléans,(8. Dez. 1910) sein Schreiben vom 15. Nov., worin er eine Auswahl von Werken für den Weihnachtsverkauf bestellte. Er hat bisher noch keine Versandanzeige erhalten und ist beunruhigt über die lange Ver zögerung, die ihm nachteilig sein, vielleichtdas Weihnachtsgeschäft verderben kann. Er bittet um schleunigste Erledigung seiner Bestellung per Eilgut und umgehende Benachrichtigung über die Absendung. Er hofft ausserdem, dass sie die Mehrkosten des Versandes per Eilgut übernehmen wer den, da sie doch die alleinige Ursache der Verspätung der Sendung sind. Er wiederholt noch einmal, dass er die Bücher unbedingt bis zum 18. Dezember spätestens braucht und bittet um Be nachrichtigung, wenn sie sich nicht verpflichten können, sie bis zu diesem Zeitpunkte zu schicken, da er sich alsdann anderswo versorgen wird. Desforges et Cie. antworten am 9. Dezember 1910, bedauernd die Verspätung im Empfang der Werke, die Griffaut bei ihnen bestellt hatte. Sie hatten sich beeilt, ihm seine Bestellung in kürzester Frist zugehen zu lassen. Sie sind daher sehr erstaunt zu erfahren, dass er bis jetzt nichts empfangen hat. Sie haben sich sofort an.den Bahnhofs- vorstand gewandt, der ihnen zugesagt hat, eine Umfrage zu veranstalten. Sobald ihnen Nachricht zugegangen sein wird, werden sie ihm die Auskunft übermitteln. Entschuldigung, dass die Ver sandanzeige aus Versehen unterblieben ist.

3. Engliseh: a) Uebersetzung: Richard Arkwright; b) Korrespondenz:

a) Fritz Neumann in Frankfurt a. M. erhält am 2. Februar 1011 von der ihm bislang unbekannten Firma Seymour& Co. in Birmingham einen beträchtlichen Auftrag und ersucht daher am gleichen Tage seine Ceschäftsfreunde Burley Pros. in Birmingham um sofortige möglichst ge naue Auskunft über die Zahlungsfähigkeit der genannten Firma. Er versichert Burley Bros. seiner Verschwiegenheit und seines Dankes und erklärt sich zu Gegendiensten gern bereit.

b) Purley Bros. in Birmingham teilen Frit? Neumann in Frankfurt a. M. am 5. Februar mit, dass die in Frage stehende Firma vor zwei Jabren infolge Konkurses eines befreundeten Bank- hauses in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei, sich aber infolge der Umsicht, Ehrenhaftigkeit und des Fleisses der beiden noch jungen Prinzipale wieder emporgearbeitet habe. Sie glauben daher, dass man der Firma ohne Gefahr einen Kredit bis zu 5000 M. einräumen könne.

4. Kaufmännisches Rechen:

a) Berlin schuldet nach London M. 25,875 per 1. März; es beauftragt seinen Bankier, diesen Betrag in langem London zu remittieren. Der Auftrag wird am 1. März ausgeführt und dabei dem Bestande entnommen: Lstr. 375 per 1. Mai, Lstr. 320 per 15. Mai, Lstr. 316.15.6 per 25. Mai. Auf welchem Betrag per 16. Mai lautet der Wech'sel, den der Bankier auf London zieht, wenn ein Dreimonatkurs von 20.35(3%) zu Grunde gelegt wird?

b) In Frankfurt werden 100 Stück Kredit aktien(1 St.= 160 fl. ö. W.) 1./1. per ultimo Januar(0./1.) gekauft und in London auf den gleichen Termin verkauft. Welchen Gewinn macht Frankfurt, wenn der Scheckkurs auf London 20.50 ist? Kurs in Frankfurt: 209.50 i. D., Spesen in Frankfurt ½% Ctg., ½ Steuer, Kurs in London 28 30 per Stück; Spesen in London: Schlussnoten stempel ½, Ctg. 1¹⁄16%.

c) Langes Amsterdamer Papier ist in Berlin zu 168.45(2 M.) 3%, in Paris zu 208.55(vue), in Wien 190.20(2 V.) 3% notiert. Wo soll Berlin dieses Papier kaufen und wo verkaufen, wenn der Ausgleichskurs auf Paris 81.20(8 T.) 3% und auf Wien 85(8 T.) 5% beträgt?