Jahrgang 
1907
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Städt. Handelslehranstalt mit ihr vereinigt wurden, trat er in ihren Dienst über und führte den gesamten italienischen Unterricht weiter; später übernahm er auch einen Teil des spanischen. Seine gediegenen Kenntnisse, seine Erfahrung und Befähigung als Lehrer, seine hervorragenden Charaktereigenschaften als Mensch sichern ihm bei Kollegen wie Schülern ein dauerndes, ehrendes Angedenken. Eine Abordnung des Lehrkörpers erwies dem Verschiedenen die letzte Ehre.

Seine Stunden übernahmen bis zum Schlusse des Schuljahres Herr Kreher(Spanisch) und Herr Gius. Campanelli, Sekretär des italienischen Generalkonsulats.

Herr Dr. Vahle und Herr Dr. Redell, bisher Hilfslehrer für Handelsfächer, wurden mit Beschluß der städtischen Behörden am 1. April 1906 definitiv angestellt und in die II. Gehaltsklasse der akademisch gebildeten Lehrer(Oberlehrer) eingewiesen. In die zwei Jahre lang durch Vertreter besetzte Oberlehrerstelle für Religion, Deutsch und Geschichte wurde für den gleichen Termin Herr Dr. Friedr. Schwarzhaupt berufen; als Ersatz für Herrn Leitner wurde probeweise Herr Kreher angestellt. An den Mädchenabteilungen trat als Oberlehrerin Fräulein Meta Reichow ein. Ueber ihren Bildungsgang berichten die Herren Dr. Schwarzhaupt, Dr. Vahle und Dr. Redell, sowie Fräulein Reichow folgendes:*)

1. Friedrich Schwarzhaupt, geboren am 20. August 1866 zn Schlüchtern, besuchte die Gymnasien zu Hanau und Fulda und studierte nach abgelegter Reifeprüfung Theologie und Philologie. Im Herbst 1890 be- stand er die theologische Fakultätsprüfung an der Universität Marburg und 1891 das Examen pro ministerio. Von 18931899 war er Pfarrer und Kreisschulinspektor in Gersfeld a. d. Rhön, wurde 1899 von dem Herrn Minister mit der Kommissarischen Verwaltung der Kreisschulinspektion Lennep(Rheinland) beauftragt und 1900 zum Königl. Kreisschulinspektor daselbst ernannt. Inzwischen bestand er die Rektoratsprüfung sowie die wissen- schaftliche Staatsprüfung für das höhere Lehramt, war einige Zeit an dem Kgl. Lehrerseminar in Rheydt tätig und promovierte auf Grund einer Dissertation:Ueber die Auswahl der Bildungsstoffe mit Beziehung auf das Erziehungsziel. Am 1. April 1906 schied er aus dem preussischen Staatsdienst, um in die Dienste der Stadt Frankfurt einzutreten.

2. Wilhelm Vahle, geboren am 12. Februar 1870 zu Hollen Kreis Bielefeld, besuchte die Rektorats- schule in Bünde i. Westf., wurde auf der Präparandenanstalt in Schildesche und dem Lehrerseminare zu Hilchenbach für den Lehrerberuf vorgebildet und bestand 1890 die erste und 1893 die zweite Lehrerprüfung. Zuerst war er in Buer i. Westf. als Lehrer tätig. Ostern 1893 erhielt er eine Anstellung in Herford. Nach bestandener Mittelschullehrer- und Rektoratsprüfung wurde er an die Landwirtschafts- und Realschule in Herford berufen. Im März 1897 erwarb er nach halbjährlichem Besuche der Turnlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin die Lehrbefähigung für den Turnunterricht. Ostern 1900 wurde er zum Studium der Handelswissenschaften an der Handels- hochschule zu Leipzig beurlaubt, wo er Februar 1902 das Examen als Handelslehrer ablegte. Hierauf setzte er seine nationalökonomischen und staatswissenschaftlichen Studien an der Universität Tübingen fort und wurde zu Beginn des Wintersemesters 1903/04 auf Grund einer DissertationDas mittlere und niedere landwirtschaftliche Fachschulwesen in Preußen und einer mündlichen Prüfung zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Ostern 1905 trat er als Hilfslehrer in den Lehrkörper der städtischen Handelslehranstalt in Frankfurt a. M. ein, und am 1. April 1906 wurde er fest angestellt.

3. Leopold Redell, geboren am 21. Dezember 1874 in Labenz im Kreise Schivelbein(Pommern), besuchte bis 1888 die Volksschule, von 1889 92 die Präparandenanstalt und von 1892 95 das Lehrerseminar zu Dramburg, war von 1895 1900 Volksschullehrer, die letzten vier Jahre in Köslin. Im März 1899 erwarb er nach sechsmonatlichem Besuche der Königl. Turnlehrerbildungsanstalt die Lehrbefähigung für den Turnunterricht an höheren Schulen. Von Ostern 1900 bis Herbst 1902 studierte er an der Handelshochschule zu Leipzig. Die

*) Anmerkung: Im Berichte des Vorjahres haben sich infolge der ernsten Erkrankung von Frl. Köper in die Angaben über ihren Bildungsgang einige Irrtümer eingeschlichen, die wir hiersnachträglich berichtigen. Sie erhielt ihre berufliche Vorbildung auf der Lehrerinnen-Bildungsanstalt von A. Kippenberg in Bremen und bestand dort im Oktober 1890 das Examen für Volksschulen und die Mittelklassen höherer Mädchen- schulen, Ostern 1891 die Prüfung in der englischen und französischen Sprache. Von Ostern 1891 bisOstern 1893 war sie Hauslehrerin in Alexandria in Aegypten. Nach Bremen zurückgekehrt, legte sie Ostern 1894 die Prüfung in Deutsch und Geschichte für die Oberklassen höherer Mädchenschulen ab. Vonk Ostern 1894 bis Ostern 1895 studierte sie an der Ecole Normale d'Institutrices zu Vesoul(Hte Saône) und machte größere Studienreisen durch Mittel- und Westfrankreich. Von Ostern 1895 bis Herbst 1898 war sie als wissenschaftliche Lehrerin im Institut Singer in Frankfurt a. M. tätig, ging dann bis Ostern 1899 zur Vertretung san die höhere Mädchenschule von H. Sieg, Altona a. E., bis Herbst 1899 als Sprachlehrerin an die 1. Bürgerschule zu Reichen- bach i. V. Im Sommer desselben Jahres nahm sie an phonetischen Kursen in Marburg a. L teil. Von Herbst 1899 bis Herbst 1901 war sie Seminarlehrerin für Englisch in Colmar i. E. und ging im Sommer 1900 zum Studium nach England. Nach Frankfurt zurückgekehrt, war sie von Herbst 1901 bis Ostern 1903 an der Peters-Mittelschule und von Ostern 1904 zugleich an der kaufmännischen Abteilung der Städtischen obligatorischen Fortbildungsschulen tätig. Im Mai 1902 bestand sie die Sprachlehrerinnen-Prüfung in Englisch und Französisch in Coblenz.