Jahrgang 
1907
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jahr ebenfalls in den Dienst der speziellen Berufsbildung, indem den Uebungen kaufmännische Formulare(Kontorarbeiten) zu Grunde gelegt werden. Umfangreich ist die Aufgabe, die dem deutschen Unterrichte gestellt ist: er soll durch schriftliche wie mündliche Uebungen sowie durch geeignete Lektüre die Schüler in dem richtigen und flietenden Gebrauche der Mutter- sprache fördern, ihren Gedankenkreis erweitern, ihren Charakter festigen und im Gegensat⸗ zu den Unterrichtsgegenständen, die den leicht in Selbstsucht ausartenden praktischen Sinn bilden, in ihnen das Verständnis für die idealen Güter der Menschheit pewahren.

Wahlfreie Kurse bieten Gelegenheit zur Erlernung der englischen und franzö- sischen Sprache, und bisher hat eine recht große Anzahl von Schülern von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht. Dagegen war bisher die Zahl derjenigen, die sich an dem stenographischen Unterrichte beteiligen wollten, aus den bereits im vorjährigen Berichte dargelegten Gründen gering. In diesem Schuljahr erreichte sie zwar 42. so daß zwei Abteilungen gebildet werden Kkonnten, aber sie behaupteten sich im Winterhalbjahr nicht, sondern schmolzen zu einer zu- sammen, obwohl der Unterricht am Abend erteilt wurde, um die Beteiligung zu erleichtern.

Das Schulgeld ist niedrig bemessen; es beträgt für die Pflicht- fächer jährlich 20 M., bei Hinzunehmen eines Wahlfachs erhöht es sich auf 30 M. und bei Hinzunehmen zweier auf 40 M.

In der Verteilung der Unterrichtszeiten trat keine Aenderung ein; nur wurde, um vielfach geäußerten Wünschen zu entsprechen, eine Parallelabteilung der III. Klasse auf die Zeit von 24 Uhr verlegt.

Der Schulbesuch war ebenso befriedigend wie im Vorjahre; doch war andrerseits auch gegen dieselben Uebelstände: Verspätungen und ungerechtfertigte Versäumnisse oder Ver- säumnisse aus geschäftlichen Ursachen zu kämpfen. Verspätungen kommen besonders bei den Morgenstunden vor, und für diese trägt allein das Elternhaus die Verantwortung, das sich seiner Pflicht gegen die Schule und gegen die Kinder nicht genug bewußt ist. Bei der günstigen Lage des Schulhauses im Mittelpunkte der Stadt können junge Leute im Alter von 1417 Jahren um 7 Uhr im Sommer, um 8 bezw. 8 ¼ Uhr im Winter pünktlich zur Stelle sein und müssen es sein, und es ist bedauerlich, daß besonders seitens mancher Mütter durch Entschuldigung der Verspätungen mit plötzlich eingetretenem Unwohlsein und ähnlichem die Fehler der Söhne beschönigt werden. Mit gleichen Gründen werden seitens des Elternhauses mitunter auch Ver- säumnisse entschuldigt, die nur darauf beruhen, daß der Sohn die Schulzeit verschlafen hat.

In allen diesen Fällen haben wir uns zunächst mit dem Elternhause in Verbindung gesetzt, um Abhilfe zu schaffen. Strafanträge haben wir auf solche Fälle beschränkt, in denen entweder eine Besserung trotz aller Ermahnungen nicht erzielt wurde, oder in denen grobe Pflichtverletzung vorlag.

Was die Versäumnisse aus geschäftlichen Ursachen anbetrifft, so können wir mit Be- friedigung feststellen, daß die Zahl derer, die ohne vorheriges Ansuchen um Beurlaubung erfolgte, ganz beträchtlich zurückgegangen ist, und bei fortschreitender Festigung der Be- ziehungen zwischen Schule und Lehrherrn in ihrer gemeinsamen Arbeit zur Ausbildung der kaufmännischen Jugend dürfen wir für die Zukunft auf ein noch günstigeres Verhältnis hoffen.

Leider unterschätzt zur Zeit ein wenn auch geringer Teil der Lehrherrn noch immer die Bedeutung des Schulunterrichts und gibt seiner Ansicht, aus Unmut über die Störung, die ihres Erachtens nach der Geschäftsbetrieb durch diesen erleidet, nicht selten in kräftigen Worten, auch in Gegenwart der Lehrlinge Ausdruck, nicht bedenkend, daß sie damit den Keim der Mißachtung gegen die Schule auch in diese legen und mit der Achtung vor der Schule gleichzeitig die Disziplin untergraben und den Unterrichtserfolg schädigen.

Das Betragen der Schüler war im allgemeinen gut; weniger dagegen der Fleiß. Mit Rücksicht auf die geschäftliche Tätigkeit der Schüler und die damit verbundene Ermüdung werden Hausaufgaben auf das unumgänglich notwendige Maß beschränkt und auf diejenigen Fächer, in denen Fortschritte ohne Hausfleiß unmöglich sind.