Jahrgang 
1927
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H. Studientage.

Die seit 1906 bestehenden, in der Nachkriegszeit abgekommenen Studientage wurden von Ostern 1926 an wieder eingeführt. Ihre Zahl wurde entsprechend der Zahl der Wandertage auf 9 festgesetzt. Ich drucke die bei der Einführung aufgestellte Ordnung dieser Studientage mit einigen Veränderungen hierunter ab:

1. Den Schülern der Prima wird gestattet, sich an 9 Vormittagen im Klassenzimmer mit einer Arbeit zu beschäftigen, deren Gegenstand von einem Lehrer ihnen vorgeschlagen oder von ihm genehmigt ist-

2. Nur bei schwierigerer fremdsprachlicher Lektüre wird die Präparation eines bestimmten Abschnittes genügen; sonst ist tunlichst danach zu streben, daß die Arbeit nicht nur rezeptiver, sondern auch produktiver Art und ihr Ergebnis mindestens eine einfach gegliederte Stoffsammlung sei.

3. Die Bearbeitung eines Themas kann in mehrere Teilaufgaben zerlegt werden, deren jede Stoff für einen Studientag bietet. Auch die durch die neue Reifeprüfungsordnung eingeführten Jahres- arbeiten können an den Studientagen bearbeitet werden.

4. Zu Wiederholungen für die Reifeprüfung sollen die Studientage nicht benutzt werden.

5. Wieweit der Lehrer, der die Aufgabe stellt oder genehmigt, ihre Bearbeitung kontrollieren will, bleibt ihm überlassen.

6. Sollte sich einer der Schüler dieser Freiheit unwert zeigen, so würden ihn ohne Rücksicht auf seine Wünsche Schulaufgaben zu stellen sein, die, wie alle sonstigen Schulaufgaben, kontrolliert würden.

2. Bericht über die Lehrer.

A. Die Veränderungen im Lehrerkollegium.

Mit Schluß des verflossenen Schuljahres schied Herr Oberschullehrer Hermann Thielmann aus dem Kollegium aus. Der Direktor widmete ihm nach der Entlassung der Abiturienten folgende

Abschiedsworte:

Sie, meine lieben Abiturienten, gehen leichten Fußes heute zum letzten Mal über die Schwelle dieses Hauses; ernster ist ein anderer Abschied, dessen wir heute auch zu gedenken haben: unser lieber Kollege Hermann Thielmann verläßt uns jetzt nach fast dreißigjähriger Tätigkeit am Goethe-Gymnasium. Als jugendkräftiger Mann nahm er diese Arbeit auf. Nicht die wolkenhohen Ziele moderner Zeichendidaktik und-pädagogik schwebten ihm vor, sondern das wollte er erreichen, daß seine Schüler sehen und das Gesehene treu wiederzugeben lernten, aber nicht nur im Zeichensaal, auch in der freien Natur; gern leitete er auf Zeichenausflügen begabtere Schüler an, einen schönen Bau, einen traulichen Hauswinkel zum Motiv zu wählen und im Skizzenbuch festzuhalten. Unsere Schüler dankten ihm seine Lehre; auch wenn der pflichtmäßige Zeichen- unterricht für sie zu Ende war, haben sie gern am freiwilligen Zeichenunterricht teilgenommen. Aber sie verehrten und liebten auch den Menschen, der sich menschlich ihnen gegenüber gab. Bei den schönen mehrtägigen Herbstwanderungen, die wir in der Zeit vor dem Kriege jedes Jahr unternahmen, war unser Thielmann stets ihr froher Wandergenosse. Und nicht minder schätzten seine Kollegen den schlichten treuen Mann, der echt war bis in die letzte Faser seines Wesens, wahrhaft liebenswürdig, nicht in dem flachen Sinn, den der Alltag diesem Wort gegeben hat. Dann kam das Leid. Seine treue Lebensgenossin lähmte ein Schlaganfall, der sie jahrelang, der Sprache beraubt, ans Bett fesselte, bis der Tod sie von ihrem Leiden befreite; die schmerzliche Erregung darüber löste bei ihm ein Gallenleiden aus, für das er Linderung an Heilquellen suchen, das schließlich durch eine Operation behoben werden mußte. Das Schwerste stand ihm noch bevor: der einzige hoffnungsvolle Sohn fand im Kriege als U-Bootskommandant, wohl durch Versagen irgend eines Maschinenteiles, seinen Tod, und diesen Verlust hat er innerlich nie verschmerzt. Nun versagte ihm zuletzt die treue Hand ihren Dienst; er mußte die Arbeit, die seines Lebens Freude war, niederlegen, noch ehe die gesetzlichen Bestimmungen ihn nötigten, von seinem Amte