Jahrgang 
1910
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Es ist den Schülern verboten, bei den Turnspielen mit Fahrrädern auf dem Rasen umherzufahren, sowie auch Papier auf die Spielplätze zu werfen. Flaschen und andere zerbrechliche Gegenstände dürfen zu den Turn- spielen nicht mitgebracht werden, da durch die liegenbleibenden Scherben und Bruchstücke leicht gefährliche Verletzungen hervorgerufen werden können.

6. Es ist leider wiederholt vorgekommen, daß die in der Radhalle und im Radkeller abgestellten Räder der Schüler mutwillig beschädigt wurden, was nur von Mitschülern geschehen sein kann. Der Täter würde im Falle der Entdeckung sofortige Verweisung von der Anstalt zu gewärtigen haben; anderseits ist die Schule nicht in der Lage, für die im Schulgebäude abgestellten Räder Gewähr zu leisten.

7. Unter dem Namen Präparationen ist seit einer Reihe von Jahren eine große Anzahl von Hilfs- mitteln für die häusliche Vorbereitung der Schüler auf die griechischen und lateinischen Schriftsteller erschienen, die ihnen die Mühe sparen will, unbekannte Vokabeln im Lexikon aufzuschlagen. In der Tat machen diese Hilfs- mittel für den Augenblick die Arbeit sehr bequem; auf die Dauer aber können sie den Schüler nur schädigen. Ich nenne von vielen Gründen nur einen: ehe der Schüler zum Lexikon greift, um eine Vokabel darin nachzu- suchen, wird er unzweifelhaft, schon um sich die Mühe des Nachschlagens zu ersparen, überlegen, ob er die Vokabel nicht vielleicht doch keunt oder ihre Bedeutung aus einer anderen ihm bekannten Vokabel erschließen kann; und durch jedes solche Besinnen befestigt und sichert er den Besitz der Vokabeln, deren er sich dabei wieder bewußt geworden ist, während die durch Benutzung der Präparationen erlangte Vokabelkenntnis wie gewonnen so zerronnen ist. Aus diesem Grunde hat das Lehrerkollegium beschlossen, die Benutzung solcher Präparationen zu verbieten und ihren Gebrauch in Zukunft dem von gedruckten Übersetzungen gleich zu achten. Anderseits werden die Schüler diejenigen Hilfen, deren sie wirklich bedürfen und die ihnen unnützes Vokabel- aufschlagen ersparen können, von ihrem Lehrer vor der häuslichen Vorbereitung erhalten.

8. Von einer Einrichtung, die schon seit einer Reihe von Jahren an unserer Anstalt besteht, geben wir entsprechend einer Verfügung der Aufsichtsbehörde auch an dieser Stelle Kenntnis:

Um ein gedeihliches Zusammenwirken von Schule und Haus zu fördern, haben sämtliche Lehrer der Anstalt bestimmte Stunden angesetzt, in denen sie zu Bespre- chungen mit den Eltern ihrer Schüler bereit sind. Diese Sprechstunden werden zu Be- ginn jedes Halbjahres in dem Flur des Schulgebäudes und in den Klassenzimmern bekannt gegeben. Die Eltern werden gebeten, sich in allen besonderen Angelegenheiten zunächst an die Herren Fach- und Klassenlehrer zuwenden, so zwar, daß sie die Absicht ihres Besuches den Lehrern, die sie zusprechen wünschen, spätestens einen Tag vorher mitteilen.

Die Eltern werden ferner gebeten, schriftliche Mitteilungen, die ihnen von seiten der Schule zugehen, mit einer Empfangsbestätigung dem Direktor zurückzusenden.

9. Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 21. Dezember 1909 ist auf Antrag der hiesigen Direktoren die sogenannte Kurzstunde eingeführt, d. h. es wird die Dauer der Schulstunden auf 45 Minuten gekürzt und der Unterricht auf die Vormittage derartig zusammengelegt, daß in der Zeit von 5 ½ Stunden sechs Lektionen erteilt, die Nachmittage aber möglichst frei gehalten werden. Es werden demnach in Zukunft die Vormittagsstunden im Sommerhalbjahr von 7 ½ bis 1 Uhr, im Winterhalbjahr von 8 ½ bis 2 Uhr dauern.

Die Direktoren der höheren Schulen haben die Einführung der Kurzstunde beantragt, damit auch die Schüler der Oberklassen mehr Zeit als bisher zu körperlicher Erholung in frischer Luft und zu geistiger Selbstbetätigung erhalten; ich bitte die Eltern unserer Schüler dringend, dafür zu sorgen, daß die gewonunene freie Zeit in diesem Sinne verwendet wird.

Sodann ist noch eines zu beachten. Die Endziele der einzelnen Schulen sind nicht verändert; sie müssen auch bei der verkürzten Unterrichtszeit erreicht werden. Damit ist zunächst uns Lehrern eine neue schwere Aufgabe gestellt worden; anderseits aber dürfen wir nun auch in erhöhtem Maße die Unterstützung des Elternhauses bei unserer Arbeit erbitten. Die Hausarbeit wird nicht vermehrt werden, aber natürlich ist es jetzt besonders wichtig, daß sie sorgfältig geleistet wird, weil jede Feststellung eines Versäumnisses hierin den ganzen Unterricht aufhält. Sodann ist den Direktoren vom Königl. Provinzial-Schulkollegium ausdrücklich aufgegeben worden, dafür zu sorgen, daß die auf 45 Minuten festgesetzte Unterrichtszeit keinerlei Verkürzung erfährt. Wenn eine solche Verkürzung für die erste Unterrichtsstunde des Vormittags vermieden werden soll, so genügt es nicht,