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1904. 8. Oktober. Der Aushilfs-Oberlehrer Dr. Pfeffer ist dem Goethe-Gymnasium bis zum Ablauf der Beurlaubung des Oberlehrers Dr. Ziehen zur vollen Beschäftigung überwiesen.
1904. 22. Oktober. Herr Dr. Jul. Schmedes, zur Zeit Oberlehrer in Schleswig, ist vom 1. April 1905 ab zum Oberlehrer am Goethe-Gymnasium ernannt.
1904. 2. November. Das Kuratorium erklärt sich mit der Trennung der Primen und Sekunden im katholischen Religionsunterricht von Ostern 1905 ab einverstanden.
1905. 8. Februar. Das Kuratorium erklärt sich mit der Beurlaubung des Herrn Oberlehrer Dr. Prigge auf 14 Tage im Anschluß an die diesjährigen Sommerferien zum Zwecke eines sechswöchigen Aufenthalts im französischen Sprachgebiet einverstanden.
III. Chronik.
I. Lehrerkollegium.
Als das neue Schuljahr begann, wußten Lehrer und Schüler bereits, welcher Verlust der Anstalt bevor- stehe: daß ihr Begründer und bisheriger Leiter, Herr Geheimrat Dr. Reinhardt, einem ehrenvollen Rufe als vortragender Rat ins Kultus-Ministerium folgen werde. Schon am 15. Mai verließ er uns, um seine Tätigkeit in Berlin zu beginnen; im Laufe des Sommers erfolgte seine definitive Ernennung, und nur wenige Tage waren uns im Herbste noch gegönnt, um von ihm Abschied zu nehmen.
22 Jahre hat Herr Geheimrat Dr. Reinhardt als Lehrer und Direktor in Frankfurt gewirkt. Zunächst als Oberlehrer Ostern 1880— Ostern 1884; dann berief ihn Ostern 1886 vom Direktorat des fürstlichen Gymnasiums zu Detmold das Vertrauen der Behörden als Nachfolger Tycho Mommsens hierher, und 18 Jahre hat er alsdann zunächst das städtische Gymnasium, dann das allmählich von diesem sich loslösende Goethe-Gymnasium geleitet.
Alle diese Jahre brachten dem Lehrer wie dem Direktor Arbeit die Fülle, am meisten die Ent- wicklungsjahre des Goethe-Gymnasiums, dessen erste Sexta 1892 eröffnet wurde und dessen erste Reifeprüfung Ostern 1901 stattfand; galt es doch durch den Versuch festzustellen, ob es möglich sein werde, die Endziele des Gymnasiums in den klassischen Sprachen in 6 und 4 Jahren, statt in 9 und 6 Jahren zu erreichen. Herr Geheim- rat Dr. Reinhardt, hat es stets dankbar anerkannt, wie objektiv und doch wohlwollend der langjährige Dezernent für unsere Anstalt, Herr Geh. und Ober-Regierungsrat D. Dr. Lahmeyer, jetzt Ehrenmitglied des Königlichen Provinzial-Schul-Kollegiums zu Kassel, die Leistungen des werdenden Reformgymnasiums beurteilte; aber selbstverständlich muften öfter, als es unter normalen Umständen der Fall ist, die Schüler durch Prüfungen und Revisionen beunruhigt werden, und ein falscher Schritt auf dem neuen Wege konnte dem ganzen Plan schwere Gefahr bringen. Erschwerend wirkte doch auch das allgemeine Interesse, das der neue Versuch bei Freunden und Gegnern hervorrief, und das immer neue Gäste in den Unterricht führte und so das ruhige, stille Wachstum zu stören drohte..
Was Herr Geheimrat Reinhardt während dieser Jahre als Organisator geleistet hat, soll, soweit es über den Kreis unserer Anstalt hinaus wirkte und noch wirkt, hier nicht dargestellt werden; diese Zeilen gelten nur unserem Direktor. Der Berichterstatter hat nicht zu seinen Mitarbeitern während der Werdezeit unserer Anstalt gehört, aber oft genug hat er es von ihm vernommen, daß er es der Hingabe und Arbeitsfreudigkeit seines Lehrerkollegiums dankte, wenn es ihm gelang, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Solche Hingabe und Arbeitsfreudigkeit zu wecken war das eigentliche Charisma seiner direktorialen Begabung. Er war durchdrungen von der Überzeugung, daß ein tüchtiger Mann seine Kraft nur dann ganz zeige, wenn ihm Freiheit des Wirkens vergönnt sei. Und so hat er denn, den die Verantwortung für jeden Mißerfolg treffen mußte, während jener Jahre des Werdens seinen Mitarbeitern stets vollste Freiheit in der Wahl des Weges gelassen, wenn sie nur über den Zielpunkt mit ihm einig waren, und wenn es notwendig war, daß die einzelne Individualität sich dem Wohl des Ganzen unterordnete, hat er diese Unterordnung nie durch herrischen Befehl, sondern immer auf dem Wege freundlicher Gverzeugung erzielt. Der Berichterstatter hat es, als er Michaelis 1901 in das Lehrerkollegium des Goethe-Gymnasiums eintrat, lebhaft empfunden, wie sehr solche Freiheit die Arbeitsfreudigkeit mehrte, wie gern man sich den freundlichen Ratschlägen und Mahnungen des Direktors fügte. Nicht treffender und kürzer ließe es sich aussprechen, wie das Lehrerkollegium seinem Direktor gegenüberstand, als durch die Worte Homers, welche wir in das dem Scheidenden überreichte Album schrieben: wær*³ρ d' †rios Nev.


