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4. 1899, 13. August. Mitteilung eines Magistratsbeschlusses vom 4. August, daß Herr Prof. Gillhausen vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt wird.
5. 1899, 12. September. Mitteilung, daß der Konfirmanden- und Communion-Unterricht der Herren Geistlichen künftighin für Knaben am Montag und Donnerstag zwischen 3 und 5 Uhr stattfinden wird, diese Nach- mittage also für die in Betracht kommenden Klassen vom Schulunterricht frei zu halten sind.
6. 1899, 24. November. Durch Magistratsbeschluß vom 17. November sind zwei neue Oberlehrerstellen für das Goethe-Gymnasium geschaffen worden.
7. 1899, 13. Dezember. Der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Theobald Endemann wird vom 1. April ab in gleicher Eigenschaft an die Adlerflychtschule berufen.
8. 1900, 14. Februar. Mitteilung einer Verfügung des Köngl. Provinzial-Schulkollegiums vom 12. Februar, wo- durch die Errichtung von 4 Aushilfslehrerstellen für sämtliche städtische höhere Schulen genehmigt wird.
9. 1900, 14. Februar. Herr Dr. Ludwig Ziehen ist vom 1. April ab zum Oberlehrer am Goethe-Gymnasium ernannt. Magistratsbeschluß vom 19. Januar, bestätigt vom Königl. Provinzial-Schulkollegium durch Verfügung vom 6. Februar.
III. Chronik.
l. Veränderungen im Lehrerkollegium.
Der erste Tag des verflossenen Schuljahres, der 10. April 1899, brachte der Anstalt eine ernste Nachricht und eine harte Enttäuschung. In den Berichten der letzten 14 Jahre hat wiederholt auf das schwere körperliche Leiden des Herrn Professor Waldemar Gillhausen hingewiesen werden müssen. Um diesen hervorragenden Lehrer der Anstalt und dem städtischen Schulwesen zu erhalten, hatten die Behörden ihm seit einer Reihe von Jahren eine dauernde Unterrichtserleichterung bewilligt. Nachdem er in den Jahren 1889 und 1890 einen ernsten und kritischen Anfall seines Leidens glücklich überwunden hatte, schien sich seine Gesundheit langsam zu bessern, und wenn er auch im Winterhalbjahr 1898/1899 mehrere Wochen seine Thätigkeit aussetzen mußte, so fühlte er sich doch am Schlusse des Semesters frisch genug, um für das neue Schuljahr eine bedeutende und schwere Aufgabe zu übernehmen.
Unsere Anstalt ist seit Ostern 1892 in einer doppelten Umwandlung begriffen. Abgesehen von der Einführung des Frankfurter Lehrplans hatte sie eine weitere Veränderung der Organisation durchzumachen. Die auslaufenden Klassen nach dem allgemeinen Lehrplan sind Michaelisklassen und entlassen ihre Abiturienten im Herbste, während die neu entstehenden Klassen nach dem Frankfurter Lehrplan sich bereits Ostern konstituieren. So entstand im Sommerhalbjahr regelmäßig eine über den Normalbestand überschießende Klasse, deren Unterricht besondere Hilfskräfte erforderte und die mancherlei Verschiebungen in der ganzen Unterrichts-Verteilung mitten im Schuljahre herbeiführte. Je weiter die Umgestaltung vorschritt, um so nachteiliger erwiesen sich jene Schiebungen für den Gesamtorganismus der Schule, besonders nachdem die neuen Klassenteilungen von Untertertia aufwärts den fortwährenden Zuzug von Lehrkräften nötig machten; die alten und die neuen Klassen wurden gleichmäßig in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem nun die letzte der alten Klassen in die Prima eingetreten war, wurde beschlossen, um der Anstalt endlich die nötige Stätigkeit wiederzugeben, von Ostern 1899 ab die Michaelis-Unter- und Oberprima zu einer Gesamtprima von 35 Schülern zu vereinigen. Für die beteiligten Lehrer erwuchs hieraus allerdings eine starke Mehrbelastung; indessen erklärten sich alle im Interesse der Anstalt gerne zur Übernahme der größeren Arbeit bereit, insbesondere Herr Professor Gillhausen, der mit 13 Stunden den Hauptanteil an dem Unterrichte der Klasse hatte.
Zu seinem schweren Kummer konnte er sich an der Lösung der Aufgabe nicht mehr beteiligen. In den Osterferien wurde er von seinem schmerzhaften Leiden wieder so heftig befallen, daß er nach tapferer Gegen- wehr vor dem Feinde kapitulieren und sich außer stand erklären mußte, in die Arbeit des Sommerhalbjahres ein- zutreten. Nicht lange danach sah er sich gezwungen, um seine Versetzung in den Ruhestand einzukommen.
Herr Professor Gillhausen ist Ostern 1876 in unsere Anstalt eingetreten, er hat ihr also 23 Jahre lang angehört, und er hat in dieser Zeit stets einen hervorragenden Einfluß auf die ganze Schule ausgeübt. Er war


