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UÜbungsbücher von Perthes für Sexta und Quinta, aber doch durchaus selbständig ausge- arbeitet hat, als ausgezeichnetes Hilfsmittel erwiesen. Jeder, der nach diesen Büchern zu unterrichten hat, wird empfinden, wie planvoll und durchdacht hier alles angeordnet ist und wie bedächtig jeder Schritt geschieht, so daſs man sich ohne Uberstürzung und Über- eilung und ohne die Schüler zu sehr anzustrengen zur rechten Zeit an das Ziel geführt sieht. Auch der Inhalt ist durchaus dem Standpunkt des Tertianers angemessen und wohl geeignet, in die Geschichte und Anschauungsweise des Altertums propädeutsch einzuführen. Zahlreiche kernige Sprüche, Sentenzen und Dichterstellen würzen den Unterricht.
Das Lesebuch bietet keine deutschen Stücke zum Übersetzen ins Lateinische, aber es liegt in dem befolgten System begründet, daſs die Obung des Ilerübersetzens nicht nur durch Retrovertieren, sondern auch durch fortwährendes Umbilden der lateinischen Sätze und durch Nachbilden ähnlicher Sätze reichlich getrieben wird. Hand in Hand hiermit gehen unabläſsige UÜbungen in der Anwendung der Deklinations- und Konjugationsformen. Hierbei ist planmäſsig darauf hinzuwirken, dafs alle wichtigeren Formen, die früher eingeübt sind, von Zeit zu Zeit innerhalb des fortschreitenden Unterrichts in immer neuen Verbindungen vorgeführt und zur Anwendung gebracht werden. Wo sich irgend ein Mangel und Schaden, etwas Un- verstandenes oder ein Halbverstandenes bei einzelnen Schülern zeigt, darf sich der Lehrer Zeit und Mühe nicht verdrieſsen lassen, in eingehender Erklärung und Ubung das Ver- lorene und Halbverlorene neu zu gewinnen und zu befestigen. Wenn nach dieser Weise verfahren wird, so sind wir sicher, dafs nicht nur bei den ersten Versuchsklassen hier in Frankfurt, sondern allenthalben, wo man sich zu dieser Schulform entschliefst, der Gewinn die Mühe lohnen wird.
Es war Ilerrn Oberlehrer Dr. Wulfi nicht mõglich, das in Aussicht gestellte Ubungs- buch zum Übersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische bereits jetzt herzustellen. Auch scheint es besser, dies Buch allmählich aus dem Unterricht hervorwachsen zu lassen. Wir werden deshalb mit Genehmigung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums in Obertertia zunächst das lateinische UÜbungsbuch von Ostermann-Müller benutzen, und zwar den vierten Teil, der auch für die Tertia nach dem allgemeinen Lehrplan bestimmt ist. Wir haben bereits seit einigen Wochen dies Buch in Benutzung genommen, und die Schüler finden bei dem Ubersetzen dieser Aufgaben keine erheblichen Schwierigkeiten.
Ein Anfang mit der Einführung in die Lektüre Càsars ist gemacht worden, aus dem jedenfalls so viel hervorgeht, daſs alle Vorbedingungen für ein flottes Vorwärtsschreiten in diesem Schriftsteller in der Obertertia gegeben sind. Wir legen jedoch keinen besonderen Wert darauf, daſs diese Einführung schon in Untertertia geschieht und halten es im all- gemeinen für richtiger, mit der Cäsarlektüre erst in Obertertia zu beginnen; wir werden bei den folgenden Klassen auch voraussichtlich dem entsprechend verfahren.
Die lateinische Satzlehre, die von dem Unterzeichneten nach dem im Programm von 1894 dargelegten Plane in Werbindung mit der französischen Satzlehre des Herrn Oberlehrer Dr. Banner ausgearbeitet ist, ist im Drucke fertig gestellt und wird noch vor Beginn des Sommerhalbjahrs erscheinen.
Von dem l. Kursus des Bannerschen französischen Lese- und UÜbungsbuches wird die 2. Auflage in diesen Tagen ausgegeben.


