Jahrgang 
1882
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Actus Oratorius, den Prüfungen, Progressionen und Schulkomödien üblichen gedruckten An- schlagebogen(Patente)*) auf, und im Herbst 1737 beginnen die früher nur einzeln bei be- sonderen Gelegenheiten herausgegebenen regelmäßigen Programme des Gymnasiums. Zu Anfang waren es jährlich zwei, verfaßt von dem Conrector Albrecht(dem Lehrer Goethe's im Hebräischen), dann, seit 1747, als dieser Rector geworden war, jährlich vier, nämlich zwei Deutsche(ad Examina) und zwei Lateinische(ad Progressionem). Die Sitte der vier Programme, welche bis 1804 bestanden hat, beruht darauf, daß die Prüfungen sowohl im Frühling wie im Herbst vor der Messe, die Schulfeierlichkeiten aber(Reden, Preisverteilung, Bekanntmachen der Versetzungen, d. i. die sogenannte»Progression«) nach. der Messe stattfanden, und also die Behörden und das Publicum zu jedem dieser Acte besonders eingeladen werden mussten. Der»Sextuse hatte noch 1784 die Obliegenheit, die Programme herumzutragen, nümlich an die»Schöffen, Consistoriales, Bürgermeister und Syndicos.- Ein»Pauper« trug sie über die Straße. Später(wohl erst durch den Rector Matthiä) wurde auch dieser Zopf abgeschnitten. Seit 1805**) wurden Prüfung und Progression zusammengelegt, und es erschienen von da an bis zum Herbst 1853 jährlich zwei Programme; seit 1854 nur eins jährlich zu Ostern. Demnach kommen auf 9 ½ Jahre von Herbst 1737 bis Herbst 1746 je 2 Progr. jährlich,

58» Ostern 1747» 1804» 4» » 49 1805» 1853* 2 28 1854» Ostern 1881» 1

zusammen auf 144 bis 145 Jahre regelmäßig 377 mit Abhandlungen versehene Programme, von denen nur wenige ausfielen. Auch bei außerordentlichen Veranlassungen, namentlich bei den Krönungen und dem Ableben der Kaiser und bei kirchlichen und anderen Jubiläen, erschienen Programm-Abhandlungen. Nur selten fielen bei Kriegszeiten(z. B. Herbst 1796) oder»weil die Kasse nicht zureichte« die regelmäßigen weg, so daß die Gesammtzahl der Frankfurter Gymnasialprogramme sich auf über 390 belaufen mag. Vollständige Sammlungen sind sehr selten, eine der vollständigsten besitzt unsere Stadtbibliothek. In der Gymnasialbibliothek fehlen mehrere der älteren Nummern. Uebrigens sind sie fast alle in älterer Zeit von dem Rector selbst oder von dem Conrector geschrieben. Später kam die Sitte auf, daß ein neu angestellter Lehrer statt einer Antrittsrede auch eine Programm-Abhandlung schreiben konnte. Die»Schul- nachrichten« werden erst von 1805 an ausführlicher und regelmäßiiger, früher bestanden sie fast nur in der Veröffentlichung der Namen der zur Universität abgehenden Schüler. Doch behandeln auch einige ältere Programme die Geschichte oder die Verfassung des Gymnasiums, z. B. Herbstpr. 1747(ad Ex.), Herbstpr. 1772(ad Progr.), Herbstpr. 1779(ad Progr.), beide letztere von dem Rector Purmann.***) Es ist wohl kaum ein Gymnasium in Deutschlaud, das zahlreich ere Schulschriften zu Tage gefördert hat als das hiesige. Möge die Kasse der Stadt bald wieder zureichen, damit wenigstens jährlich nach altem Brauch ein vollständiges Programm

erscheinen kann.

*) Siehe darüber Osterpr. 1869, p. 6. 65 f.; Osterpr. 1870 p. 43; Osterpr. 1872 pag. 106. Sie sind in Folio; so auch die drei ältsten Programme von 1737 und 1738.

**) Siehe Osterpr. 1805 p. 38.

***) Siehe das»Verzeichniss der Frankfurter Gymnasialprogramme von 1737 pis 1837« von dem sel.

Roctor Vömel, in dem Herbstpr. 1837.