Schulnachrichten.
Durch Verfügung des Curatoriums vom 6. Juli 1881 ist bestimmt worden, daß in Zu- kunft den Programmen des Gymnasiums und der beiden Realschulen 1. Ordnung nur in jedem zweiten Jahre eine Abhandlung beigefügt werden soll und daß diese den Umfang von 6 Bogen nicht überschreiten darf; auch sollen die Schulnachrichten dadurch verkürzt werden, daß nur in jedem dritten Jahre eine ausführliche Veröffentlichung der Lehrpensen stattfindet. Deshalb ist in diesem Jahre das Gymnasialprogramm nicht wie sonst von einer Abhandlung begleitet. Die Lehrpensen dagegen geben wir diesmal noch in alter Ausführlichkeit; in den beiden nächsten Jahren werden sie in tabellarischer Form verkürzt erscheinen.
Mit dieser Einschränkung der Programme ist eine alte Sitte gebroehen. Denn daß eine Abhandlung erschien, war seit ungefähr anderthalb Jahrhunderten am hiesigen Gymnasium ein wesentliches Erforderniß, wenn Schulnachrichten dabei waren, waren diese meist kurz und unvollständig; man hielt früher solche Einzelheiten im Ganzen der Druckerschwärze nicht werth. Auch ich folgte darin noch oft meinen Vorgängern und gab erst als mir ein Wunsch in dieser Beziehung geäußert war, den Schulnachrichten stets eine größere Ausführlichkeit. In der Zeit der Photographie, wo jedes noch so unbedeutende Menschenantlitz Anspruch darauf erhebt, durch ein getreues, nur allzu getreues Conterfei auf die Nachwelt gebracht zu werden, darf man sich nicht wundern, daß die Neigung des Publicums mehr dahin geht, jedes kleine Schulereigniß von ephemerer Bedeutung durch den Druck verewigt zu sehen, als dahin, daß von dem auf der Anstalt herrschenden geistigen Leben durch wissenschaftliche Beiträge Zeug- niß abgelegt wird. Diese vom Frankfurter Gymnasium gelieferten Beiträge waren gewiß selten populär, mögen auch hin und wieder allzuweitläufig und abstrus gewesen sein, waren aber der Welt der Gelehrten und wirklich Gebildeten im Allgemeinen doch stets willkommen. Sie trugen zum guten Rufe der Schule bei und noch jetzt vergeht kaum ein Monat, daß nicht eins oder das andre von auswärts begehrt wird. Da wir nun von dem früheren Gebrauch Abschied zu nehmen haben, sei es erlaubt, Einiges darüber in Erinnerung zu pringen.*
Die ältste bekannte Dissertation, welche vom Frankfurter Gymnasium ausgegangen ist, stammt aus dem Jahre 1682; in ihr handelt der kaiserliche Pfalzgraf und Prorector Gymnasii M. Joh. Simon Franc von Lichtenstein über das Studium der Dialektik. Bald nach der Er- richtung des Lutherischen Consistoriums(1728) mit dem Frühjahr 1737 hören die früher bei dem
*) Die Uebereinstimmung des Folgenden mit den Angaben bei Wiese, das höhere Schulwesen in Preussen, II. pag. 484, erklärt sich daraus, daß ich in einer„kurzgefaßzten Geschichte des Gymnasiums« vor 13 Jahren dem Verfasser zu dem dort Gesagten die Notizen geliefert habe.
Gymnasium 1882.— 1


