ses und gegen die Wünsche der Eltern lernt es zum ersten Mal die Achtung vor den Gesetzen einer Gemeinschaft, im Ausführen kleiner Aufträge die Pflicht zu dienen und zu helfen.
Die Erziehung zur Volksgemeinschaft wird fortgesetzt in der Schule, in den Klassen- und Schul- gemeinschaften. Immer wieder bietet sich hier den Schülern Gelegenheit zu erkennen, daß ein wirkliches Gemeinschaftsleben sich nur erreichen läßt, wenn der Einzelne seine persönlichen Wün- sche zurückstellt um gemeinsamer Ziele willen.
Nach diesen Vorbereitungen im Elternhaus und in der Schule sollen wir dann als Erwach- sene im Beruf sowohl als außerhalb desselben weiterarbeiten an der Einigung unseres Volkes. Be- sonders dem Gebildeten erwachsen hierbei Pflichten. Er soll nicht hochmütig auf den weniger Ge- bildeten herabsehen, sondern gerade er soll bemüht sein, berufliche, politische, religiöse und Bil- dungsgegensätze zu überbrücken. Wir alle, die wir da sind, Handwerker, Bauern, Kaufleute, Beamte, Gelehrte, Besitzer wie Nichtbesitzer, wir alle bilden eine Einheit, die Gemeinschaft des Staates. Diese Einheit zu erhalten, zu festigen und zu fördern, sei unser gemeinsames TZiel.
4. und 6. 9. Besichtigung der Schule durch Herrn Oberschulrat Dr. Grau.
5. 9. Schulfrei wegen der Rückkehr des Luftschiffes Graf Zeppelin. Am Tage vorher Feierstunde im Festsaal, bei der der Direktor der Leistung und Bedeutung dieses Weltfluges und dieses Erfolges deutscher Arbeit dankbar gedachte.
7. 9. Sommerfest in Wilhelmsbad. Bei schönem Wetter verlief der Tag unter guter Beteiligung mit Sportkämpfen und musikalischen Darbietungen. Eine Tombola wurde stür- misch ausverkauft, eine Schießbude, in Plan und Ausführung das Werk einiger Unterpri- maner unter Führung von J. Schmitz, eifrig besucht. Die UI führte auf selbstgezimmer- ter Freilichtbühne, in selbstentworfenen Gewändern, mit einem eigenen Geräuschorchester, unterstützt von einigen perfekten Flektrikern und Feuerwerkern der OII die technische Gro- teske Futurrummel auf, die starken Beifall fand. Der Tag schloß mit einem fröhlichen Tanz im Kurhaus, in den Fräulein Gudrun Hummel einige ausgezeichnete Charaktertänze einflocht.
20. 10. Die Klassen UII— Ol besuchten fast geschlossen die Aufführung der Perser des Aischylos(Griechisch) im hiesigen Schauspielhaus. Am Tage vorher gab Dr. Volk- mann eine Einführung in das Werk.
Am 24., 25., 30. 10. besuchten die Oberklassen berufskundliche Filmvorführungen.
31. 10. Die evangelischen Schüler besuchten den Reformationsgottesdienst.
11. 11. Die Schule geleitete ihren früheren Lehrer, Prof. Dr. h. c. Wolft zu Grabe. Dr. Sinning sprach für die Anstalt dem Gelehrten von europäischem Ruf, dem unvergeßli- chen Lehrer, dem vornehmen, gütigen Menschen die Grabrede. Die Zeitschrift Altfrankfurt gibt in der ersten Nummer des Jahrgangs 1930 mit 2 Beiträgen von Prof. Dr. Drexel und Custos R. Welcker einen starken Eindruck von der Bedeutung dieses Mannes. Das Kaiser Friedrichs-Gymnasium wird ihn nicht vergessen.
19. 11. Schubertabend im Festsaal. Die gutbesuchte Veranstaltung ergab einen erfreu- lichen Reinertrag für die Schülerkasse. Im Mittelpunkt standen 6 Lieder gesungen von Mar- kowski Ol, dem wir auch zu Dank verpflichtet sind für das meisterhafte Orgelspiel bei allen Schulfesten. Er übte auch mit dem Chor eine Bach'sche Motette ein für die Feier der Abi- turientenentlassung.
20. 12. Weihnachtsfeier. Unsere Kleinsten führten(von Primanern angeleitet) mit Hingabe ein Krippenspiel auf, das von Darbietungen des Orchesters und Chores umrahmt war.
8. 3. Volkstrauertag. Nach Orchester- und Chordarbietungen und dem Gedicht von W. Bartels„In einer Stunde“ las der Direktor ein Stück aus dem Kriegstagebuch seiner Kompagnie vor, das ein Beispiel kameradschaftlicher Treue bis in den Tod gab.
20. 3. Feierliche Entlassung der Abiturienten. Der Abiturient Thimme redete über die Aufgabe der Bildung. Der Direktor sprach über die Bildung zum Verstehen und das sitt- liche Gebot der Toleranz.
9. 4. Schluß des Schuljahres.
Während dies gesetzt wird, kommt die Nachricht, daß am 7. 3. der frühere Leiter der Anstalt, Geheimrat Professor Dr. Alfred Biese unerwartet, aber sanft in Bonn entschla- fen ist. Er leitete die Schule von 19013—1910. Ueber seine wissenschaftliche und pädagogi- sche Bedeutung braucht hier nichts gesagt zu werden. Der Verfasser zahlreicher Bücher und Abhandlungen ist in Fachkreisen rühmlich bekannt. Mit seiner dreibändigen Literatur-
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