12
Lehramtsassistent Joseph Loussert der Anstalt zugewiesen. Herr Loussert hielt den Winter über mit 8¹ Schülern der Prima und Sekunda, die in 12 Gruppen verteilt waren, französische Sprech- und Leseübungen ab. Für jede Gruppe war eine Wochenstunde bestimmt. Im Winterhalbjahr war auch noch der anstellungsfähige Kandidat Herr Heinrich Lomb mit einigen Stunden an der Anstalt beschäftigt-
Am 1. April wird an der Anstalt eine Oberlehrerstelle eingezogen. Infolgedessen geht Herr Oberlehrer Kühlewein in gleicher Eigenschaft an das Königliche Gymnasium zu Hanau über. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis.
Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde durch eine öffentliche Feier in der Aula festlich begangen. Eröffnet wurde die Feier mit dem Choral:„Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ Nach der Verlesung eines Psalms durch den Direktor folgte der Chorgesang:„Wilhelmus von Nassauen“ aus den Altniederl. Volksliedern von E. Kremser. Hierauf hielt Herr Professor Dr. Müller die Festrede über Wilhelm von Oranien und die Beziehungen unserer Hohenzollern zu dem Hause Oranien. Der Gesang des Chors: Salvum fac Regem von J. H. Lützel leitete über zu dem Hoch auf Seine Majestät, das der Direktor ausbrachte. Hieran schloß sich die Verteilung von Prämien. Die von Sr. Majestät gestiftete Prämie erhielt der Obersekundaner Alfred May. Bevor die Feier mit dem von dem Chor vorgetragenen„Gebet für Kaiser und Reich“(Joh. Seb. Bach) schloß, brachte der festliche Pag der Anstalt noch eine besondere Freude. Die Unterprimaner überreichten ein schönes, geschmackvoll eingerahmtes Bild Sr. Majestät, das jetzt einen her- vorragenden Schmuck ihrer Klasse bildet. Außerdem durfte der Direktor der Festversammlung bekannt geben. daß aus Anlaß der Feier des fünfzigsten Geburtstags Sr. Majestät Frau Freifrau von Bethmann dem Gymnasium 2000 M. als Grundstock einer Stiftung überwiesen hat, die im Sinne der Allerhöchsten Kundgebungen v. 18. Januar 1896 und v. 17. November 1906 an der Anstalt zu wirken bestimmt ist. Die Stiftung soll zum ehrenden Gedächtnis Sr. Majestät hochseligen Frau Mutter, Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, den Namen „Kaiserin-Friedrich-Stiftung“ führen. Das Lehrerkollegium wird in aufrichtiger Dankbarkeit diese bei einem so schönen Anlaß und zu so edlem Zwecke ins Leben gerufene Stiftung nach Kräften zu fördern suchen.
Am Geburtstage Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, an dem die Vermählung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen August Wilhelm gefeiert wurde, versammelte der Direktor vor Beginn des Unterrichts die Schüler der Gymnasialklassen in der Aula. In einer Ansprache wies er auf die hohe Bedeutung des Tages hin, und mit den innigsten Wünschen für unser geliebtes Herrscherhaus verband er das Hoch auf Seine Majestät, mit dem die kurze Feier schloß.
Den Sedantag beging die Anstalt diesmal wegen ungünstiger Witterung nicht im Freien, sondern durch eine Feier in der Aula, bei der der Direktor die Ansprache hielt.
Der übliche Maiausflug(20. Mai) sowie die Turnfahrt am 16. September und die Sängerfahrt am 25. September waren vom besten Wetter begünstigt und führten die Schüler in die nähere oder weitere Um- gebung von Frankfurt.
An den turnerischen Vorführungen der Frankfurter Schüler und Schülerinnen beim XI. Deutschen Turnfest beteiligten sich von der Austalt 98 Schüler. während 10 Primaner als Führer der Turngäste bei Be- sichtigung der hiesigen Sehenswürdigkeiten dankenswerte Dienste leisteten.
Am 9. und 10. Februar fand in der Aula eine musikalische Abendunterhaltung statt. Die Angehörigen der Schüler sowie eine Anzahl Ehrengäste hatten zu unserer Freude an beiden Abenden den Saal bis zum letzten Platz gefüllt und nahmen die Vorträge der Schüler mit freundlichem Beifall auf. Der Erfolg wurde besonders der sorgfältigen Vorbereitung und kunstgerechten Leitung des Herrn Döpfer verdankt.
Am 18. Februar beehrte der Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums Herr Ober- und Ge- neimer Regierungsrat Dr. Paehler die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte einer Unterrichtsstunde bei. Am 19. August besichtigte Herr Professor Jung aus Cassel den gesamten Zeichenunterricht.
Am 18. März fand unter dem Vorsitz des Direktors die mündliche Reifeprüfung statt. Sämt- liche 15 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Reife und zwar 6 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.


