Jahrgang 
1908
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Ernst Rexrodt vertreten werden. Auch nach den Weihnachtsferien bedurfte Herr Müller bis zu den Osterferien in einem Teile seines UInterrichts der Vertretung. die Herr Rexrodt wieder mit dankenswerter Bereitwilligkeit übernahm. Vom 4. 6. November war Herr Döpfer durch einen schweren Krankheitsfall in seiner Familie an der Erteilung des Uinterrichts verhindert. Nach Neujahr fehlten wegen Krankheit Herr Jünemann vom 7. Jannar bis 29. Februar. Prof. Wiegandt vom 3.14. März, Prof. Degenhardt vom 11.14. März. Vom 1. 11. April muß Oberlehrer Dr. Bieber wegen Einberufung zu einer Offiziersübung vertreten werden.

Die Witterung des letzten Sommers machte eine Verküůrzung des Unterrichts wegen großer Hitze nur an wenigen Tagen notwendig.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde durch eine öffentliche Feier in der Aula festlich begangen. Eröffnet wurde die Feier mit dem Gesang des altniederländischen D)ankgebets Wir treten zum Beten. Nach der Verlesung eines Psalms folgte die Motette:Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet(für vierstimmigen gemischten Chor von K. Stein). Hierauf hielt der Direktor die Festrede über Fichtes Reden an die deutsche Nation, die er mit dem Hoch auf Seine Majestät schloß. Den letzten Teil der Feier pildete der von Orgel und Klavier begleitete Gesang des ChorsDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre-(L. von Becthoven) und die Verteilung der von Sr. Majestät gestifteten Prämie: Wislicenus, Deutschlands Seemacht, die der Oberprimaner Theodor Dörstling erhielt.

Die Gedenktage Kaiser Wilhelms des Großen und Kaiser Friedrichs wurden den Schülern in gebührende Erinnerung gebracht.

Den Sedantag feierte das Gymnasium und die erste Vorklasse durch Ausflüge in die nähere oder weitere Umgebung, die 2. und 3. Vorklasse durch Spiele auf dem Turnplatz. Am Sonnabend vorher hatte der Direktor auf die Bedeutung des Tages in einer gemeinsamen Andacht hingewiesen.

Am 16. Mai unternahmen die einzelnen Klassen, von gutem Wetter begünstigt, unter Führung ihrer Ordinarien die üblichen Ausflüge.

An dem am 18. August veranstalteten Wettschwimmen und Wettrudern der hiesigen höheren Lehranstalten nahmen unsere Schüler mit Ehren teil. Beim Stafettenschwimmen cerrangen sie den zweiten, beim Wettrudern mit einem Achter den ersten Preis.

Bei der Eröffnung des Winterhalbjahres gedachte der Direktor des Heimgangs Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich von Baden); er erinnerte dabei an die Worte. die der hochselige Großherzog am letzten Jahrestage der Begründung des neuen Deutschen Reichesan die Jugend des Badener Landes gerichtet hatte. In dieser Ansprache heißt es:Die Macht des Deutschen Reiches beruht. nicht allein auf der so notwendigen Verteidigungsfähigkeit. sondern auch auf der geistigen Ausbildung der gesamten Nation. Je mehr die geistige Kraft des Volkes erhöht werden kann, desto erfolgreicher werden alle seine linternchmungen und desto sicherer gestaltet sich der Ruf deutscher Arbeit anderen Nationen gegenüber. Bedenkt also, liebe Schüler, daß der Fleib und die Gewissenhaftigkeit in den Studien aller Altersklassen sich nur bewähren kann, wenn schon früh die iberzeugung feststeht, daß die Ausbildung des Geistes als eine nationale Pflicht erkannt werden mußbß.

Die Andacht am Samstag vor dem Totenfeste galt der Erinnerung an die im letzten Kirchen- jahr gestorbenen ehemaligen Angehörigen der Anstalt. Insbesondere gedachte der Direktor eines früheren hoch- verdienten Lehrers der Anstalt, des Professors Dr. Langsdorf, der als Direktor des Gymnasiums zu Dillenburg am 25. März aus dieser Zeitlichkeit abberufen worden war; ebenso eines chemaligen Schülers des Referendars Karl Goebel, 24. VII. 1907.

Am 9. März d. J. starb Dr. Joseph Guggenheim, Oberlchrer an der hiesigen israelitischen Realschule. einst einer unserer besten Schüler. Wir nahmen aufrichtigen Anteil an dem schweren Verlust. den die be- nachbarte Anstalt durch das Hinscheiden dieses trefflichen Lehrers erlitten hatte. Bei der Bestattung erwies Prof. Dr. Wolff im Namen der Anstalt dem Verstorbenen die letzte Ehre.