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II. öur Schulgeschichte. 1. Schulzeit und Unterbrechung des Unterrichts. Gesundheitszustand.
Das Schuljahr wurde am 20. April nachmittags, nachdem morgens die Auf- nahmeprüfung stattgefunden natte, in herkömmlicher Weise mit einer gemeinsamen Andacht und darauf folgender Verlesung der wichtigsten Bestimmungen der Schul- ordnung eröffnet. Auch in diesem Jahre fiel der Morgenunterricht zwischen den Pfingst- und Herbstferien in die Stunden von 7—12 Uhr, sonst in die Zeit von 8—1 Uhr. Der Nachmittagsunterricht wurde nach Möglichkeit auf die technischen und die wahlfreien Fächer beschränkt und am Montag und Donnerstag der Nach- mittag für die Klassen Untersekunda bis Quarta der Konfirmanden wegen freige- lassen. Die seitherige Ferienordnung blieb in Kraft. Doch wurden die Pfingstferien wegen des vom 4— 6. Juni unter Teilnahme Sr. Majestät des Kaisers hier abge- haltenen Wettstreites um drei Tage verlängert. Bei diesem Feste hatte der Unter- sekundaner Bindernagel und der Obertertianer Rupp die Ehre, den Kaiserlichen Majestäten als Pagen zu dienen.
Unterbrechungen bezw. Vertretungen im Unterricht wurden abgesehen von der wegen Augenleidens erfolgten Beurlaubung des Lehrers Mauck durch Erkrankung der Lehrer nur in geringem Omfang veranlasst. Wegen Krankheit wurden vertreten rofessor Dr. Werner und Oberlehrer Wedemann an je 3 und Oberlehrer Dr. Peters und Lehrer Schultheis an je 2 Tagen. Ausserdem waren beurlaubt der Direktor 11 Tage zu einer Kur und 1 Tag, weil er von Sr. Majestät dem Kaiser zu einem Festmahl in Cassel befohlen war, und Professor Dr. Müller an 2 Tagen.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im Allgemeinen befriedigend. Doch hatten die Schüler der unteren Klassen unter einem epidemisch auftretendem Keuchhusten zu leiden. Glücklicher Weise war in diesem Jahre, zum ersten Mal seit dem Jahre 1808, der Tod keines unserer Schüler zu beklagen.
2. Veränderungen im Lehrkörper.
Am Schlusse des vorigen Schuljahres verliess der wissenschaftliche Hülfslehrer Dr. Eichelkraut unsere Anstalt, an der er seit ferbst 1000 mit treuem pflichteifer und in erfolgreicher Tätigkeit gewirkt hatte, um als Oberlehrer einem Rufe an die städtische Realschule zu Ems zu folgen. An seine Stelle trat Dr. Pfeffer, der bis dahin sein Seminarjahr an dem hiesigen Goethegymnasium absolviert hatte und nun unserer Schule zur Ablegung des Probejahrs in voller Beschäftigung als Hülfslehrer überwiesen wurde. Leider wird er uns mit Schluss dieses Schuljahres schon wieder verlassen, um in den, wie er glaubt, aussichtsvolleren Städtischen Schuldienst zurück zu kehren. Die noch immer unbesetzte Lehrerstelle des im vergangenen Jahre an das Provinzial-Schulkollegium in Cassel berufenen Professors Dr. Orth wurde in


