19 erlitt der regelmässige Gang des Unterrichts, abgesehen von den am Kgl. Gymnasium herkömmlichen Dispensationen der katholischen Lehrer an ihren Festtagen, mehr durch Krankheit als durch Beurlaubung der Lehrer. Am ersten Schultage erkrankte Lehrer Mauck und wurde während des ganzen Sommersemesters vertreten. Von Pfingsten ab übernahm den(esangunterricht der Lehrer am Hochschen Konservatorium Herr Gelhaar, den Unterricht in Religion und Deutsch Herr Kandidat Dr. Müller, Mitglied des Seminars am Goethe-Gymnasium, und die Geographiestunden Fierr Oberlehrer Dr. Orth. Im Winter fühlte Herr Mauck sich soweit gekräftigt, dass er seinen Unterricht bis auf die Gesangstunden wieder übernahm und vom Januar ab auf der unteren Stufe auch im Singen wieder unterrichtete. Die übrigen Gesang- stunden gab an seiner Statt Lehrer Sauer. Sämtlichen zu der Vertretung berufenen Herren sei auch an dieser Stelle für ihr bereitwilllges Eintreten zu Gunsten unserer Anstalt herzlichst gedankt. Ausserdem wurden durch Krankheit an Erfüllung ihrer Berufspflichten gehindert: Oberlehrer Wiegandt an 0 Tagen, Hülfslehrer Wenderoth an 6 Tagen, die Lehrer Jünemann, Schultheis und Oberlehrer Degenhardt an 2 Tagen, der letztgenannte daneben durch Krankheit in seiner Familie an 13 Tagen. Beurlaubt war an 3 Tagen Professor Dr. Müller zum Zwecke des Besuches einer Versammlung von Lehrern der Mathematik in Düsseldorf.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen befriedigend. An- steckende Krankheiten veranlassten keine Schulversäumnisse in grösserem Umfang Dagegen mussten wir leider in diesem Jahre den Tod von drei lieben Schülern be- klagen. Am 12. Juni verschied nach längerem Leiden, das ihn schon seit Anfang des Schuljahres von dem Ünterricht fern gehalten hatte, Erich Degenhardt, der ein Jahr unserer Vorschule angehörte, ein äusserst liebenswürdiger Knabe, der die Freude aller war, die ihn kannten. 14 Tage später geleiteten wir zur Gruft den Oberprimaner (Qustav Fried, den einzigen Sohn seiner Eltern, einen Jüngling, dessen Charakter und Begabung zu den besten offnungen berechtigte, und der durch sein ebenso frisches und angeregtes, wie treuherziges Wesen sich in gleichem Masse die Liebe und Anhänglichkeit seiner Lehrer und Mitschüler erworben hatte. Auch er starb nach längerem Siechtum, über dessen Ursache und Beschaffenheit selbst seine Aerzte bis zuletzt im Dunkel geblieben sind. Einem plötzlichen Unfall dagegen erlag in seiner Heimat während der Weihnachtsferien der Quartaner Ronald Skinner, der erst seit Ostern ein Zögling unserer Anstalt war, sich aber ungeachtet seines lebhaften Temperaments schon recht gut in die ihm ungewohnten Schulverhältnisse— sein Vater ist Ingenieur an der Mekkabahn— hineingefunden hatte.
2. Veränderungen im Lehrerkollegium.
Am 1. Oktober schied Professor Dr. Orth aus langjährigem Wirken an unserem Gymnasium, dem er seit seiner Gründung seine Kraft gewidmet hatte, um einem Rufe als„technische Hülfskraft“ in das Provinzial-Schulkollegium zu Cassel zu folgen. Wir verloren an ihm einen Lehrer von umfassender wissenschaftlicher Bildung, der seinen Schülern nicht nur Kenntnisse vermittelte, sondern sie auch nach verschiedenen Seiten anzuregen suchte. Auch zeigte er sich stets gern bereit, da, wo es das Interesse der Anstalt wünschenswert machte, neben seinen regelmässigen Berufs- pflichten noch andere mühevolle Arbeiten zu übernehmen. Sein Andenken wird an unserer Anstalt fortleben.


