Jahrgang 
1902
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2. Veränderung im Lehrerkollegium.

Die Durchführung der neuen Lehrpläne, welche dem Unterricht im Lateinischen und im Französischen durch Erhöhung der Stundenzahl eine kleine, immerhin aber recht erwünschte Verstärkung brachten, machte entsprechende Erweiterung des Unter- richtsbetriebs notwendig. Der seither unbesoldete Hülfslehrer Dr. Warth wurde mit vier Unterrichtsstunden beauftragt. Im Herbst trat ein Lehrerwechsel im katholischen Religionsunterricht ein, indem Kaplan Dr. theol. Quirmbach die Stunden des nach St. Goarshausen versetzten Kaplans Zengerle, der seit Januar 1800 in treuer pflicht- erfüllung an unserer Anstalt gewirkt hatte, übernahm.

3. Schulfeste.

Ausser den Geburtstagen der Kaiser Wilhelm und Friedrich, die in herkömmlicher Weise in der Aula von Lehrern und Schülern der Gymnasialklassen gefeiert wurden, sind folgende Tage festlich begangen worden. Am 22. Mai machten sämtliche Klassen zur Feier des Maifestes unter Leitung ihrer Lehrer Ausflüge an den Rhein oder in die benachbarten Wälder. Eine Turnfahrt unternahm Lehrer Jünemann mit den Schülern der Spielabteilung am 25. September in den Spessart. Der Sedantag wurde auch in diesem Jahre unter lebhafter Beteiligung der Angehörigen unserer Schüler bei herrlichem Wetter in Wilhelmsbad, wohin man mit Sonderzug gefahren war gefeiert. Nachdem der Direktor in einer Ansprache, in der er einen Vergleich zog zwischen dem Leben des deutschen Volkes vor und nach den Einheitskriegen, der Bedeutung des Tages gerecht zu werden versucht hatte, und vaterländische Lieder gesungen waren, begannen die Turn- und Wettspiele der Jugend, welche mit einer Preisausteilung abgeschlossen wurden.

Das Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers wurde am 27. Januar in einem Schulakt begangen. Oberlehrer Degenhardt sprach in der Festrede überPreussische Zucht. Zu der Feier konnten diesmal wieder die Angehörigen unserer Schüler und die Freunde der Anstalt eingeladen werden, da in der Ausmalung der Aula durch Herrn Professor Steinhausen ein gewisser Abschluss erzielt war, insofern die Darstellungen aus dem Gebiete christlicher Weltanschauung von ihm kurz vorher zu Ende geführt waren. Um diese Bilder, die von kunstverständiger Seite bereits hohe Anerkennung gefunden haben, auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen, wurde am Sonntag, dem 2. März, eine kleine Schulfeier veranstaltet, in der nach einer kurzen musikalischen Aufführung und einigen einleitenden Worten des Direktors ein eigens für diesen Zweck von Frau Dr. Orth verfasstes stimmungsvolles Gedicht vorgetragen und hierauf der Dank der Schule von dem Primus omnium bei Oberreichung eines Lorbeerkranzes dem Künstler in poetischen Worten dargebracht wurde.

Nach bestimmter von massgebender Seite gemachter Zusage dürfen wir hoffen, dass die anderen Wände der Aula von derselben Künstlerhand mit griechischen ldeal- gestalten geschmückt werden und so auch die humanistische Bildung ihre Ver- tretung findet.

4. Prüfungen und Besichtigungen.

Im Herbst unterzog sich ein Oberprimaner der Reifeprüfung, und zwar der schriftlicnen vom 12. bis 16. August, der mündlichen am 26. September unter