Jahrgang 
1907
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Beziehung in nachteiliger Weise für den Stand des Kaufmannes bemerkbar. Es mut mit Recht beklagt werden, daß dem Handel Kräfte zugeführt werden, die nicht hineingehören: unwissende, gleichgültige, jedes Ehr- geizes bare Elemente, obgleich das kaufmännische Gewerbe mehr denn je fähige, gediegene und fachlich gut vorgebildete Köpfe verlangt. Nun ist es ja richtig, daß die moderne Arbeitsteilung zu den mehr mechanischen Arbeiten in Kontor, Lager, Packstube eine Menge von Hilfskräften nötig hat, die ohne weiter gehende Kenntnisse ihr bescheidenes Dasein fristen können. Diese jungen Leute nennen sich aber auch Handlungs- lehrlinge und-gehilfen. Sie haben für manches Geschäft scheinbar einen großen Vorzug; sie sind billig und legen dem Prinzipal keine große Sorge um die Ausbildung auf. Auf diese Weise wird ein bedenkliches Proletariat großgezogen, das seiner Bildung und seinen Kenntnissen nach sich auf die einfachsten, die niedrigsten kaufmännischen Dienste beschränken und daher auch mit den niedrigsten Gehältern zufrieden sein muß. Dadurch wird aber nicht nur die soziale Stellung, sondern auch das Einkommen der tüchtigen kaufmännischen Angestellten beeinträchtigt. In der Heranziehung einer übergroßen Masse von handelsgewerblichen Arbeitskräften unter der Flagge eines kaufmännischen Lehrverhältnisses muß mit Recht der bedauerliche Beginn des Verfalles unserer kaufmännischen Lehre befürchtet werden. Die Prinzipale sollten in ihrem Interesse und in Ansehung ihres Standes darauf achten, nur tüchtige Knaben und Mädchen mit guter Vorbildung in die Lehre aufzunehmen und dafür Sorge tragen, daß diesen die Gelegenheit zu einem erfolgreichen Besuch der Fort- bildungsschulen nicht geschmälert wird.

Ein Bild über die Vorbildung der in die Fortbildungsschule ein- getretenen Schüler ergibt sich aus den nachfolgenden Zusammenstellungen. Sie unterrichten uns nicht nur über die Vorbildung des gesamten Schüler- materials eines Jahrgangs, sondern auch über das einzelner Berufe. Es können und sollen aus den Tabellen keineswegs Schlüsse über die Vor- bildung der in das Erwerbsleben Eintretenden überhaupt gezogen werden. Das wäre auch nicht möglich, weil sich die Erhebungen ja nur auf einen Teil der Lehrlinge erstrecken, da die Besucher der Handelslehr- anstalt und der Gewerbeschule unberücksichtigt bleiben mußten. Die Tabellen sind aber nichtsdestoweniger beachtenswert, weil sie nicht nur auf die Schwierigkeit hinweisen, die der Fortbildungsschule in unterricht- licher Beziehung aus dem Schülermaterial erwachsen, sondern auch den Beweis liefern, wie notwendig eine weitgehende Scheidung der Schüler nach Befähigungsstufen ist. Weite Schulwege, deren Notwendigkeit viel- fach nicht verstanden wird, müssen in Kauf genommen werden, weil nicht darauf verzichtet werden kann, möglichst viele Schüler desselben Berufs an derselben Stelle zu vereinigen.

Vorbildung.