Jahrgang 
1928
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Es ist einleuchtend, daß alle diese mit dem Mathematikunterricht zu erstrebenden bildenden und erziehe- rischen Ziele nur von dem erreicht werden können, der nicht nur genügendes, sondern gutes und ausgezeich- netes Interesse für die Mathematik hat. Erst dann wird der Lehrer mit ihm die hohen Aufgaben, die jedem Fach gestellt sind, erreichen können: freies, produktives Schaffen des selbständig arbei- tenden jungen Menschen..

Was aber soll mit denjenigen Schülern geschehen, die für die Mathematik und die naturwissenschaft- lichen Fächer nur geringes Interesse haben, weil ihre Neigungen mehr auf dem sprachlich-historischen Gebiet liegen? Sie laufen heute bei der vertieften Auswertung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Stoffgruppen auf der Oberrealschule Gefahr, zu verflachen. Auf keinen Fall wird der Unterricht den formgebenden Einfluß auf ihre Persönlichkeitsbildung ausüben können, wie wir ihn durch fruchtbaren

Betrieb des Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterrichts auf der Oberrealschule erstreben müssen.

Auf dem Reformrealgymnasium aber kommen alle diejenigen Schüler zu ihrem Recht, deren besonderes Interesse den sprachlich-historischen Fächern zugewendet ist(Französisch, Englisch, Latein, Geschichte, Erd- kunde). Diese Fächer bilden hier neben Deutsch und Religion die Hauptfächer. Es ist klar, daft ich z. B. mit einem sprachlich besonders interessierten Schüler die groften Linien in der Entwicklung des englischen oder französischen Volkscharakters so erfassen kann, daf dieser Unterricht eine gewaltige geistige Bereicherung und eine fortschreitende Entwicklung der geistigen Fähigkeiten bis zum Pro Laeeuts Schaffen, zur Synthese, zur Lurammenschau ermöglicht. Die Fähigkeit zum Zusammenschauen ist aber das Endziel eines jeden Unterrichts.. So haben wir mit der Errichtung des reformrealgymnasialen Zuges an unserer Schule fortan die erfreuliche Möglichkeit der Gabelung nach den verschiedenen Interessenrichtungen. Das kann der Schule, den Schülern und den Eltern nur zum Segen gereichen.

Dr. Richard Oehlert.