Jahrgang 
1927
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f) Die Einrichtung des künstlerischen und technischen Unterrichtes.

I. Zeichen.

Im Sinne der neuen Richtlinien wurde in der Unterstufe hauptsächlich dem Phantasieleben und dem Spieltrieb des Kindes durch frei erzäh- lendes Zeichnen Rechnung getragen. Dabei wurde auch die Verbindung mit dem wissenschaftlichen Unterricht gepflegt. Zur Darstellung kamen Mär- chen, Sagen, Naturereignisse, Träume, alltägliche Ereignisse und dergl. mehr. Aber auch Gebilde mehr geometrischer Natur, runde und eckige Formen, die teilweise aus Naturbeobachtung und dem Erleben abgeleitet wurden, fanden in Linien, Flächen und Farben ihren Niederschlag.

Die Mittelstufe brachte die Weiterführung des freien Vorstellungszeichnens untersteigenden Anforderungen an die einheitliche Raum- und Körperdarstellung, wobei auch die Formelemente der Landschaft ebenso Berücksichtigung fanden wie die der Blumen.

Auf der Oberstufe: Pflege der Kunstbetrach- tung unter Benutzung der zeichnerischen und malerischen Erkenntnisse. Dargestellt wurden die Grundformen bekannter Gebäude und Ge- bäudeteile, Kirchen usw.; ferner einfache Still- leben unter Beachtung der harmonischen Form und der Farbzusammenklänge. Uberhaupt wurde jetzt immer stärker auf die Vertiefung und Aus- breitung des gesamten Arbeitsstoffes und des zeichnerischen und malerischen Ausdrucks hin- gearbeitet, wobei kunstgeschichtliche Uberblicke und Gegenüberstellungen die darstellende Tätig- keit stützen und beleben.

Auf allen Stufen wurde der künstlerischen Schriftbehandlung volle Aufmerksamkeit gewid- met und auf der Mittel- und Oberstufe auch die neuzeitliche Reklame als geschmackbildendes Element herangezogen.

II. Musik.

Durch die neuen Lehrpläne wurde der Musikunterricht aus dem Rahmen des engen Gesangunterrichts herausgehoben und zum Pflichtfach für alle Schüler gemacht. Nach den gen. Lehrpl. konnte jedoch nicht ohne weiteres unterrichtet werden, da der grösste Teil der Schüler seit Quarta ohne diesen Unterricht war. Es wurden darum nur solche Stoffe ausgewäht, die dem Verständnis der Schüler entsprachen- VI. Notenkenntnis, Tonleiter, Taktarten, Vorzei- chen, melodische undrhythmische Diktate, Haupt- dreiklänge, Liedformen.

V. Fortsetzung des Sextastoffes, Vierklang, Moll- geschlecht. In beiden Klassen ein- und zwei- stimmige Lieder. Xus der Instrumentalmusik wurden kleine Klavierstücke von Kirchner, Tau- bert und Schumann dem Verständnis der Schüler erschlossen. Die Schüler der VI, V und V machten glückliche Versuche, sich Text und Melodie selbst zu bilden. Es entstanden hier- durch mehrere sangbare Klassenlieder.

In diesen, sowie in allen folgenden Klassen wurde das Ziel verfolgt, den Schülern zu einem allgemeinen Musikverständnis zu verhelfen.

Neben ein- und mehrstimmigen Liedern (V Ol!) wurden die Formenlehre(einfache, zusammengesetzte Liedform, alte Tanzformen, Suite, Sonate, Quartett, Symphonie, Oratorium, Oper) und die Entwicklung der Notenschrift behandlt. Besonders eingehend wurden K. M. v. Weber(Freischütz, Preciosa), W. Kienzl (Evangelimann) und Beethoven(I., III. und VIII. Symphonie) und zuletzt noch Parsifal besprochen. Im Chor wurden vierstimmige gemischte Chöre, auch solche mit Instrumentalbegleitung, gesun- gen, u. a. K. M. v. Weber: Preciosa.

Das Orchester in der Besetzung von mehr- fach geteilten Violinen, Bratsche, Cello, Klavier und Harmonium spielte Stücke von Dittersdorf, Händel, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann und Mendelssohn.

III. Werkunterricht

Zu Beginn des Schuljahres konnten wir die neuen Räume beziehen: die Pappwerkstatt und die Dunkelkammer im Dachgeschoss und die Schreinerei im Kellergeschoss des Anbaus. Der für Metallarbeiten vorgesehene Raum wurde vorläufig noch nicht eingerichtet bezw. in Be- nutzung genommen. Der seither behelfsmässig für die Schreinerei benutzte Kellerraum im Alt- bau wurde frei und für Modellieren eingerichtet.

Dank der grossen Energie, mit der sich Herr Direktor Dr. Oehlert für die von den Werk- stattleitern eingereichten Pläne betr. Einrichtung einsetzte, hat die Bauleitung uns mustergültige Räume geschaffen, die immer wieder den Beifall der Besucher finden und die uns an die Spitze der Frankfurter Schulen gesetzt haben-

Im Berichtsjahr stieg die Zahl der Kurse auf 8. Die Vorkurse in V kamen in Wegfall, dafür wurde wieder Modellieren eingerichtet,

und zwar 2 Kurse für VI bis IV(Zeichenlehrer