führen und in den Hauptfächern das vorgeschriebene Pensum glatt zu bewaltigen. Dabei blieb Zeit im deutschen und namentlich im Erdkundeunterricht auf die Ereignisse der großen Zeit näher einzugehen und sie den Schülern recht nahe zu bringen.
Zur Feier des Sieges in der lothringer Schlacht wurde am 22. August, zur Feier der Eroberung von Maubeuge am 9. September ein kleiner Spaziergang unternommen. Am Sedantag wurde eine kurze Feier abgehalten, wobei Oberlehrer Mensinger die Zeit von 1870 mit unserer heutigen Lage verglich. Anfang September wurde eine Sammlung für das Rote Kreuz veranstaltet, die 60 M. ergab.
Nach den Herbstferien konnte die Ubersiedelung der Anstalt in das neue Schulgebäude in der Rühlstraße in Eschersheim stattfinden.
Trotz des Krieges war der Bau rechtzeitig fertig geworden. Am 10. Oktober fand eine Besichtigung statt, an der unter anderen Oberbürgermeister Dr. Voigt und Stadtrat Dr. Ziehen teilnahmen; am Dienstag und Mittwoch, den 13. und 14. Oktober, erfolgte dann der Umzug. Der Einzug in unser schönes neues Schulhaus wäre gewiß Grund genug gewesen, ihn festlich zu begehen. Mit Rücksicht auf den Krieg und vor allem, weil unser geliebter Leiter, Prof. Nierhaus, nicht unter uns sein konnte, wurde jedoch von jeder Feierlichkeit abgesehen.
Professor Nierhaus, dessen tätiger Natur der Dienst als Landsturmoffizier nicht ge- nügte, hatte sich inzwischen freiwillig zur Truppenausbildung gemeldet und war zu dem neu- gebildeten Infanterie-Regiment Nr. 223 gekommen. Wäaͤhrend der Ubungszeit auf dem Truppen- übungsplatz in Oberhofen wurde die Anfrage an ihn gestellt, ob er die 1. Kompagnie des Regiments übernehmen und mit ins Feld ziehen wolle. Er erklärte sich dazu bereit, ließ sich vom Landsturm zur Landwehr zurückversetzen und wurde nach Übernahme der Kompagnie zum Oberleutnant befördert. Uber Metz., Namur, Charleroi, Lille kam das Regiment Ende Oktober an die Front. Bei einem Angriff in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober bei Fromelles, westlich Lille, auf die englischen Stellungen wurde Professor Nierhaus schwer verwundet und mußte beim Zurückgehen vor den englischen Gràben zurückgelassen werden. Auch in den nächsten Tagen gelang es nicht, ihn zurückzuschaffen. Erst 14 Tage spàter wurde seine Leiche gefunden; sie ruht jetzt fern in fremder Erde. Gerüchte von seinem Tode schwirrten schon bald durch die Stadt, ohne daß es gelingen wollte, irgend etwas Sicheres zu erfahren. Immer wieder kamen die Schüler mit neuen Nachrichten und neuen Fragen über das Schicksal ihres so sehr verehrten Lehrers. Nach langer Ungewißheit kam am Nachmittag des 18. November die sichere Nachricht von seinem Tode. Nach einigen kurzen Worten des Gedenkens gingen wir am 19. November still auseinander. Der Tod dieses so vornehmen Menschen, der Lehrern und Schülern gleich nahe stand, bedeutet für unsere junge Anstalt, deren Aus- und Aufbau er leiten sollte, einen schweren und schmerzlichen Verlust.
Das Schulleben ging inzwischen seinen gewohnten Gang. Am 23. Oktober wurde die Anstalt von Herrn Geh. Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser besucht, der dem Unterricht von Oberlehrer Mensinger und Dr. Schaedel beiwohnte. Am 27. Januar fand die erste Feier in der neuen Aula statt. Die Eltern und Freunde der Anstalt waren sehr zahl- reich erschienen. Oberlehrer Mensinger gedachte des gefallenen Leiters und sprach dann von unserem Kaiser, seiner bewunderungswürdigen Haltung bei Ausbruch des Krieges, seinen Verdiensten um Heer und Flotte. Am 1. Februar fand ein Rodelausflug in den Taunus statt, der viele Freude bereitete. Am 17. Februar wurde zur Feier des großen Sieges in der Winter- schlacht in Masuren wieder ein kleiner Spaziergang gemacht.


