Jahrgang 
1930
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Fahrt und Wanderung durch die Holsteinische Schweiz lernte sie deren Schönheit kennen; den Abschluß bildete der Besuch von Lübeck und Lüneburg. So brachten unsere Schülerinnen aus der Nordmark eine Fülle unvergeßlicher Eindrücke mit nach Hause; überall waren sie von ihren V. D. A.-Kameraden aufs freundlichste aufgenommen worden.

Eine besondere Freude hatte der Gruppe die Oberprimanerin Klara Ufert gemacht: sie hatte ihr eine stattliche seidene Fahne nach eigenem Entwurfe angefertigt und die hierzu erforderlichen nicht unerheblichen Mittel zum größten Teile selbst aufgebracht. Der hessische Dichter Gut- berlet widmete dazu folgenden Fahnenspruch:

Heraus aus der Enge, der lähmenden Haft, Wir wollen dem Lichtgeist vertrauen!

Frisch auf, du blühende Jungmannschaft,

Die Herzen sonnauf und die Sehnen gestrafft! Du sollst mit freudiger Siegfriedkraft

An Deutschlands Zukunft bauen!

DasFest der Deutschen Schule besuchten 267 Schülerinnen unserer Anstalt. Zu Weih- nachten erfreute unsere Gruppe die Insassen des V. D. A.-Schülerheimes in Crossen a. O. mit zwei stattlichen Paketen, deren Inhalt von unserer Jugend z. T. selbst genähte Wäsche und sonst noch manches Nützliche und Erfreuliche bildete. 7 silberne Ehrennadeln und ein Dank- schreiben des Hauptvorstandes bekundeten unserer Gruppe dessen Anerkennung für den bewie- senen Eifer.

Auch in diesem Jahre suchten unsre Primanerinnen zu Weihnachten das Heim der Gehirn- verletzten auf, diesmal unter Führung von Frl. Werthmann und Frl. Wittges(OIb) und überbrachten Geschenke für die Kranken und deren Kinder.

zum Weihnachtsfest sammelten unsere Schülerinnen, wie in den früheren Jahren, gebrauchte Spielsachen, Kleider und Schuhe, womit wir bedürftige Familien beschenken konnten.

Zusammen mit der Fürstenberger Mittelschule veranstalteten wir einen Abend für Berufs- beratung, in dem Frl. Loewe vom städtischen Berufsamt den Vortrag hielt. Fräulein Loewe kam in der darauffolgenden Woche in die Oberprimen, um mit den jungen Mädchen die Be- rufsaussichten zu besprechen. Die allgemeine Berufsberatung war unsrer Oberstudienrätin Barth übertragen.

Die gesundheitliche und zahnärztliche Fürsorge lag in den Händen von Herrn San.-Rat Dr. Rothschild und Frau Dr. Levi. Der Gesundheitszustand unsrer Schülerinnen war im ganzen ein guter; doch erkrankten in einer Klasse mehrere Kinder an Diphtherie. Herr San.- Rat Dr. Rumpf nahm am 7. Nai die öffentliche Impfung vor. Alle Schülerinnen waren bei der Frankfurter Allg. Versicherungsgesellschaft gegen Unfälle versiche rt; die Einrichtung hat sich weiter bewährt.

Die Schulkinderspeisung versorgte eine große Anzahl Schülerinnen mit warmem EFrüh- stück. Mit der Hilfsbücherei wird trotz aller Mahnungen auch weiter Mißbrauch getrieben. Bedürftigen Schülerinnen konnten wir aus städtischen Mitteln Turnanzüge und-schuhe liefern, den Besuch von Theatern und Konzerten ermöglichen und die Eisenbahnunkosten bei Wanderungen vergüten, während wir in allen anderen Notfällen unsre Unterstützungs- Kkasse in Anspruch nahmen. DieJubiläumsstiftung der Elisabethenschule wird im nächsten Jahresbericht Rechnung ablegen. Die Stiftung will ehemaligen Schülerinnen der Elisabethenschule zur Erlangung eines praktischen oder wissenschaftlichen Berufes Bei- hilfen gewähren. Eine solche Aufgabe kann sie aber nur dann erfüllen, wenn dem kleinen Kapi- taistock durch freiwillige Spenden neue Nittel zugeführt werden.

Die Zusammenarbeit mit der Elternschaft erleichtert uns auch der Elisabethenschul- Verein(gegründet 1909). Er nimmt als Mitglieder nicht nur ehemalige Schü- lerinnen auf, sondern auch Mütter unserer jetzigen Schülerinnen. Der Verein will durch wissenschaftliche und gesellige Veranstaltungen die persönlichen Beziehungen der Mitglieder unter einander und zur Schule pflegen, und Schule und Schülerinnen durch ge- eignete Unterstützung fördern.(Es fließt ein Teil der Einnahmen der Jubiläumsstiftung zu.) Unsere Schulentlassenen sollen im Elisabethenschul-Verein eine Stätte sehen, wo sie ihre früheren Klassenkameraden stets treffen können (Plaudernachmittage), so daß sie immer untereinander verbunden bleiben. Der jähr- liche Mindestbeitrag beläuft sich auf 3 RM. Vorsitzende ist Frau Dr. Friedrich Haag, Friedrich- straße 37, wohin die Anmeldungen zu richten sind. Nähere Auskunft durch die Damen Welter, Pfeifer und Küchler.

Unser Elternbeirat trat im Laufe des Jahres zu mehreren Sitzungen zusammen. Wir danken ihm für seine wertvolle Unterstützung bei den Aufgaben der Schule.

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