Jahrgang 
1926
Einzelbild herunterladen

20

II. Ende des Lehrerinnenseminars und Ablösung der Seminarübungsschule.

Ostern 1926 fand die letzte Lehramtfsprüfung unserer Schule statt. Der von der Stadt zur Ver- fügung gestellte Druckraum erlaubt nur ein kurzes Eingehen auf diese überaus wichtige Tatsache.

Die Lehrerinnenausbildung hatte der letzte Direktor der alten Musterschule, Herr Geheimrat Eiselen, dessen roojähriger Geburtstag auf den 25. August 1925 fiel, ins Leben gerufen; sie war unter seinen Nachfolgern, den Direktoren Weismann, Rehorn und Keller, den sich andernden Verhaltnisson entsprechend ausgebaut worden. Das Frankfurter Lehrerinnenseminar erfreute sich weit und breit eines guten Rufes. Über 1150 Lehrerinnen hat die Schule herangebildet; die überwiegende Mehrzahl der Lehrerinnen Frankfurts und Umgegend verdanken der Elisabethenschule ihre Ausbildung. Auch Hlandarbeits-, Turn- und Sprachlehrerinnen wurden bis 1908 an der Schule geprüft. Diese schöne Entwicklung ist nun abgebrochen. Den Pädagogischen Akademien wird in Zukunft die Lehrerinnen- bildung übertragen sein.

Mit dem Wegfall der Lehrerinnenbildung hat die mit uns verbundene Volksschule ihre Bestimmung als Obungsschule verloren; sie löst sich Ostern 1926 ab und wird in ZukunftHolz- hausenschule heißzen.(Mag.-Beschl. vom 3. Mai 1926 Nr. 292.) Die Staatliche Aufsichtsbe- hörde, das Provinzialschulkollegium in Cassel, hat durch Verfügung vom 18. Mai 1926 Tgb. Nr. 6135 der Schule folgendes mitgeteilt:Nachdem die letzte Lehramtsprüfung stattgefunden hat, ist es uns ein Bedärfnis, allen denen au frichtigst zu danken, die an dem alten Oberlyzeum tätig waren und in treuer und einsichtsvoller Arbeit der Lehrerinnenbildung wertvolle Dienste geleistet haben.

Die Seminarübungsschule erfreute sich im Berichtsjahr wiederum größter Beliebtheit bei den Eltern. 95 Abe-Schützen wurden Ostern 1925 eingeschult. Die 4. Klasse mußte freilich

aufgelöst werden. da fast alle Kinder in höhere und Mittelschulen eintraten. Dafür waren die Klassen 7 und 8 doppelt vorhanden. Entlassen wurden Ostern 1926 aus Klasse 1: 26 Schülerinnen,

aus 2: 8, aus 3: 1 Schülerin, zusammen 25 Kinder. Fast alle haben sich einem Beruf zugewandt, 6 traten in die städtische Handelsschule ein. Während des Schuljahres 1925/26 war die Schulamts- bewerberin Fräulein Elisabeth Scheib der Anstalt als Hospitantin zugeteilt.

I. Der Kindergarten.

In den ersten Wochen des Sommerhalbjahres 1925 waren 60 bis 70 Kinder angemeldet. Nach Ostern fand eine Umgestaltung in der Zusammensetzung der einzelnen Abteilungen statt. Es werden im Gegensalz zu der vorher üblichen Lehrweise nun nicht mehr alle gleichaltrigen Kinder in beson- deren Räumen zusammengefaſst, sondern die einzelnen Gruppen vereinigen Kinder verschiedenen Alters. Diese Anderung war eine natürliche Folge, durch die Durchführung der freien Arbeits- methode bedingt.

Mitte Mai wurde ein Elternabend abgehalten, der die Eltern über die Notwendigkeit dieser Um- gestaltung aufklärte und somit vorschiedentlich erhobenen Einspruch widerlegte.

Der Nachmittagsbesuch war im Sommnerhalbjahr ein verhältnismäßzig geringer, weil einem Teil der Kinder durch die Jugendberatungsstelle Luftbäder empfohlen waren, von denen guter Gebrauch gemacht wurde. Im allgemeinen war der Gesundheitszustand befriedigend. Es sind im Berichtsjahr keine ansteckenden Krankheiten aufgetreten.

Aus dem Kindergärtnerinnenseminar waren im Sommer ꝗ9 Schülerinnen des 2. Ausbildungshalb- jahres im Kindergarten praktisch lätig. Von 4 Jugendleiterinnen, die ebenfalls bei uns arbeiteten, legten 3 die Prüfung ab. Eine Yeuerung hinsichtlich der zu lösenden Aufgabe bestand darin, daß die Prüflinge die durchzuführenden Aufgaben selbst wählen durften.

Nach den lerbstferien setzte eine starke Nachfrage nach Plätzen ein, sodaß die vorgeschrie- bene Aufnahmezahl bald erreicht, zeitweise überschritten war. Ihren Höhepunkt erreichte sie im Pebruar mit einem Tagesdurchschnitt von 102 Kindern.

Das Winterhalbjahr brachte 14 Schülerinnen des Kindergärtnerinnenseminars, denen sich An- fang Februar noch 3 weitere hinzugesellten; dazu kamen noch 5 angehende Jugendleiterinnen.

Die Vorweihnachtszeit wurde wie alljährlich besonders gepflegt und fand ihren Abschluß in der Bescherung am 20. 12. Der zweite Adventsonntag hatte die Eltern zu ein paar stimmungsvollen Feierstunden zusammengeführt.