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IlI. Zur Geſchichte der Eliſabethenſchule.
Das neue Schuljahr begann am Dienstag, dem 20. April, mit Aufnahmeprüfungen. An demſelben Tage, nachmittags, fand die feierliche Aufnahme der für Klaſſe X angemeldeten Schülerinnen ſtatt, bei der der Chor mitwirkte. Am Freitag, dem 21. April, bei der Feier der Eröffnung des neuen Schuljahres, wurden die in die Klaſſen IX— l neu eintretenden Schülerinnen aufgenommen und auf die Schulſatzungen durch Handſchlag verpflichtet. In ſeiner Anſprache gedachte der Direktor der in den Oſterferien jäh aus dem Leben geſchiedenen Schülerin der Klaſſe Va, Erna Mannheimer, eines liebenswürdigen, begabten und fleißigen Kindes, und der durch den Verluſt des einzigen Kindes ſchwer geprüften Eltern.
Am Dienstag, 9. Mai, fand anläßlich der 40. Wiederkehr des Friedensſchlußtages(1871) in der Aula eine ſtimmungsvolle Feier ſtatt, bei der Herr Profeſſor Dr. Froning in markigen Worten der Bedeutung des Tages gerecht wurde. Der folgende Tag, der Friedenstag ſelbſt, war zugleich Kornblumentag. Es war ſo Gelegenheit geboten, an Feſtgottesdienſten und auch an dem fröhlichen feſtlichen Treiben in den Straßen teilzunehmen.
Am 24. Mai machten die Klaſſen ihre Frühlingsausflüge, die den ſchönſten Verlauf nahmen.
Am 9. Juni wohnte die ſchwediſche Lehrerin Frau Dagmar Joſefſohn dem Unterricht in den unteren Klaſſen bei.
Nach den großen Ferien wurde infolge der ungewöhnlichen Hitze der Unterricht eine ganze Reihe von Tagen ganz, an anderen Tagen in einzelnen Stunden ausgeſetzt. Bei der Sedanfeier am 2. September gedachte Herr Oberlehrer Florin des Grafen Moltke als eines Vorbildes deutſcher Tugenden.
Für Herrn Oberlehrer Dr. Hinſtorff, der Oſtern 1911 die Leitung der Herderſchule übernommen hatte, trat während des Sommerhalbjahres als Erſatz die Hülfslehrerin Fräulein Sophie Moſer ein. Bei der feierlichen Eröffnung des Winterhalbjahres in der Aula führte der Unterzeichnete den Nachfolger des Herrn Dr. Hinſtorff, Herrn Oberlehrer Dr. Wilibald Strasdas,“ in ſein Amt ein.
Die am 19. und 20. Dezember veranſtalteten Weihnachtsfeiern fanden freudigen Anklang; ganz beſonderes Wohlgefallen erregte die Aufführung der Weihnachtsſinfonie von A. Rentſch.
Bei der Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaiſers, die zugleich eine Gedächtnisfeier für Friedrich den Großen war, wies Herr Dr. Strasdas in ſeiner feinſinnigen Anſprache auf den Heldenkönig und ſeine geſchichtliche Größe hin. Bei der Feier übergab der Direktor auf Veranlaſſung Sr. Maj. des Kaiſers 15 Exemplare der Reinhold Koſerſchen Feſtſchrift über Friedrich den Großen(zum 200. Geburtstage des Königs) an würdige fleißige Schülerinnen.
Fräulein Sophie Moſer und Fräulein Minna Lang, die beide während des
laufenden Schuljahres— die eine als Vertreterin, die zweite als Volontärin zur Vorbereitung auf den Univerſitätsbeſuch— der Anſtalt wertvolle Dienſte geleiſtet haben, ſei auch an dieſer Stelle
herzlichſt gedankt. Mit Schluß dieſes Schuljahres verläßt uns Fräulein Roſi Kunreut her, um einer Berufung an die hieſige Liebfrauenſchule zu folgen. Für ihre der Eliſabethenſchule gewidmete erſprießliche Tätigkeit ſei ihr verbindlichſt gedankt; zu ihrem neuen Amt rufen wir ihr ein fröhliches „Glückauf“ zu.
*) Dr. phil. Wilibald Strasdas, geboren am 16. Mai 1883 zu Berlin, evangeliſcher Konfeſſion, beſuchte das Falk⸗Realgymnaſium in Berlin und widmete ſich dann an den Univerſitäten Jena, Bonn, Heidelberg und Freiburg, ſowie in Rom und Paris germaniſtiſchen, geſchichtlichen und kunſtwiſſenſchaftlichen Studien. Nach Ablegung des Staatsexamens im Frühjahr 1908 trat er in den Schuldienſt, und zwar zunächſt an der Mannheimer Höheren Mädchenſchule und Mädchen⸗Oberrealſchule, war dann bis zu ſeinem Amtsantritt hierſelbſt an der Höheren Mädchenſchule in Höchſt a. M. tätig.


