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Bei der Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers hielt Herr Oberlehrer Dr. Lange eine anziehende Feſtanſprache, in der er den Schülerinnen die großen Tugenden des Kaiſers Wilhelm I. ſchilderte.
Am 2. Februar wurde an einem gut beſuchten Elternabend ſehr anregend und lebhaft über zwei bedeutſame Punkte(a. Kurzſtunden und Schulbeginn, b. Schularbeit und Hausarbeit) verhandelt.
Am 16. Februar hatten wir die hohe Ehre, die Herren Geh. Ober-Regierungsrat Meyer, vortragenden Rat im Kultusminiſterium zu Berlin, Provinzialſchulrat Profeſſor Dr. Borbein aus Caſſel und Stadtrat Dr. Ziehen in unſerer Schule zu begrüßen; die Herren wohnten dem Unterricht in einer Reihe von Klaſſen bei und beſichtigten die Räumlichkeiten der Schule.
Am 23., 24. und 25. Februar fand in dem Feſtſaal des Lehrerinnenſeminars eine Schul⸗ aufführung der Eliſabethenſchule:„Waldmeiſter und Rebenblüte“, ein Elfenmärchen mit teilweiſer Benutzung eines Roquette'ſchen Werkes von Johanna Siedler, in Muſik geſetzt von Auguſt Klughardt, ſtatt. Die Darbietungen der Schülerinnen, die ſich unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Laepple ihrer Aufgabe friſch und fröhlich hingaben, fanden allſeitig den wärmſten Beifall. Wir durften die Herren Bürgermeiſter Geheimrat Grimm, Stadtrat Dr. Ziehen und Stadtſchulrat Dr. Lüngen als werte Gäſte begrüßen. Die Aufführungen lzeferten den ſchönen Reinertrag von 1168 Mk., wovon 100 Mk. der Witwen⸗ und Waiſenkaſſe der Muſter⸗ und Eliſabethenſchule, 600 Mk. als Grundſtock eines Fonds zur Beſchaffung eines Harmoniums für die Aula und der Reſt für die Schülerinnen-Unterſtützungskaſſe beſtimmt wurden. Herrn Laepple, dem verdienſtvollen Leiter der Aufführungen, zollt die Schule für ſeine opferfreudige Hingabe auch hier herzlichen Dank.
Am Schluſſe des Schuljahres ſcheiden aus dem Lehrkörper der Anſtalt aus die Schulamts⸗ bewerberin Frl Agnes Buſſe nnd Frl. Emma Schaefer, erſtere, um Univerſitätsſtudien obzuliegen, letztere, um einer Berufung als Lehrerin an der hieſigen Wallſchule Folge zu leiſten. Beide Mitarbeiterinnen haben während ihrer zweijährigen, bezw. einjährigen, von beſtem Erfolge gekrönten Wirkſamkeit ſich das Vertrauen ihrer Schülerinnen und die Hochachtung des Kollegiums erworben. Beiden wünſchen wir eine recht roſige Zukunft.
Einen ſchweren ueiläſt erleidet die Anſtalt durch das Ausſcheiden des Herrn Oberlehrers Dr. Hinſtorff, der am April die Leitung der neu zu eröffnenden Herderſchule l(einer höheren Mädchenſchule) im Dilond übernehmen wird. 11 Jahre hindurch hat Herr Dr. Hinſtorff der Eliſabethenſchule mit vorbildlicher Gewiſſenhaftigkeit und Treue die wertvollſten Dienſte geleiſtet, die ihm anvertrauten Schülerinnen unterrichtlich und erzieheriſch in reichſtem Maße gefördert, ſich ihre Verehrung und Webe erworben und im Lehrkörper ſich des höchſten Anſehens und der allgemeinen Wertſchätzung erfreut. Lehrende wie Lernende bedauern ſein Scheiden aufrichtig und lebhaft und wünſchen ihm in Aſeiner neuen verantwortungsvollen leitenden Stellung von Herzen Glück und den ſchönſten Erfolg. Seiner geſegneten Tätigkeit werden wir uns ſtets freudig und dankbar erinnern.
In dem Schulgebäude ſind im verfloſſenen Schuljahre eine ganze Reihe von baulichen Veränderungen vorgenommen worden, die im Intereſſe eines gedeihlichen Unterrichts notwendig waren. Ganz neu geſchaffen worden ſind: ein Elternſprechzimmer, ein naturwiſſenſchaftlicher Lehrſaal, ein Sammlungszimmer für Naturwiſſenſchaften, eins für Geſchichte und Kunſtgeſchichte, eins für den Zeichenunterricht, ein Fahrradraum. Eine neue, den modernen Anforderungen entſprechende Einrichtung haben das Phyſikzimmer und der Vorbereitungsraum zum Phyſikzimmer erfahren. Den ſtädtiſchen Behörden ſei für dieſe der älteſten höheren Mädchenſchule Frankfurts erwieſene fördernde Fürſorge verbindlichſter Dank dargebracht.
Eliſabethenſchulverein.
Auch in dem vergangenen Schuljahre hat der rührige Eliſabethenſchulverein die Anſtalt in hingebender Weiſe gefördert. Vorträge aus verſchiedenen Gebieten erfreuten ſich zahlreichen und dankbaren Zuſpruchs. Für die Zuwendung eines herrlichen Kaiſerbildes zum Schmucke der Aula bringen wir auch an dieſer Stelle dem trefflichen Verein den aufrichtigſten Dank dar.


