Jahrgang 
1911
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Zur Geſchichte der Eliſabethenſchule.

Noch im Schuljahre 1910,11 iſt Herr Ludwi g Hefermehl, der von 18681876 an der Muſterſchule, von 1876 bis 1. April 1903 an der Eliſabethenſchule als Lehrer gewirkt hatte, verſtorben. An ſeinem Hinſcheiden hat die Anſtalt aufrichtigen Anteil genommen. Die ganze päda⸗ gogiſche Tätigkeit dieſes trefflichen Mannes gehörte der Frankfurter Jugend. Weit über 40 Jahre wirkte er hier, zunächſt an privaten, dann an öffentlichen Schulen. Sein raſtloſes Streben nach Erweiterung ſeines Geſichtskreiſes, verbunden mit großer pädagogiſcher Begabung und liebens würdigen Umgangsformen, machte ſein Wirken an der Muſter⸗ und Eliſabethenſchule überaus fruchtbar, und in der Geſchichte beſonders unſerer Anſtalt bleibt ihm ein ehrenvolles Andenken geſichert.

Das neue Schuljahr begann am 4. April mit Aufnahmeprüfungen. Der Unterricht wurde am folgenden Tage, nach der feierlichen Aufnahme der neu eintretenden Schülerinnen, eröffnet.

Herr Prof. Dr. Bernhardt konnte zu unſerer großen Freude vom 19. Mai ab ſeine berufliche Tätigkeit wieder ganz aufnehmen; nur in einigen Stunden wurde er durch die Schulamts bewerberin Frl. Agnes Buſſe vertreten.

Am 28. April trat Miß Bridie aus Jeignmouth S. Devon, England, auf Weiſung des Herrn Unterrichtsminiſters als Lehramtsaſſiſtentin bei uns ein. Für die ausgezeichnete Förderung, welche die liebenswürdige Kollegin unſeren Schülerinnen leider nur bis zum Herbſt in der engliſchen Konverſation hat zu teil werden laſſen, ſei ihr auch an dieſer Stelle nochmals herzlichſter Dank ausgeſprochen.

Am 13. Mai wurde die Lehrerin Frl. Käte Dehnhardt, die aus dem Kollegium ausſchied, um ſich mit Herrn Oberlehrer Sommerlatt zu verheiraten, in der Aula feierlich entlaſſen. Für ihr tüchtiges und treues Wirken an der Schule ſprechen wir auch hier den wärmſten Dank aus und wünſchen ihr von Herzen an der Seite ihres trefflichen Gatten reichſtes Glück.

Die von Frl. Dehnhardt verſehenen Unterrichtsſtunden wurden der Schulamtsbewerberin Emma Schaefer übertragen.

Am 1. und 2. Juni fanden die Frühlingsausflüge der Klaſſen XV, bezw. IV I ſtatt Sie waren vom ſchönſten Wetter begünſtigt und erweckten bei allen, die daran teil nahmen, bei Lehrenden und Lernenden, die hellſte Freude.

Am Freitag, dem 1. Juli, wurde in der Aula, aus Anlaß des 100 jährigen Todestages der edlen Herrſcherin, eine ſtimmungs- und eindrucksvolle Königin Luiſe⸗Feier veranſtaltet. Herr Prof. Dr. Froning rief in ſchöner und warmer Anſprache die Erinnerung an die herrliche Königin wach. Nach der Feier wurden die Schülerinnen in die Ferien entlaſſen.

Am 5. Auguſt wurde der Zeichenunterricht durch Herrn Profeſſor Jung aus Caſſel einer Reviſion unterzogen.

Am 11. Auguſt wohnte Herr Stadtrat Dr. Ziehen dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.

Bei der Sedanfeier am 2. September gedachte Herr G. Dilcher in zu Herzen gehender Rede der aufopfernden Tätigkeit deutſcher Frauen während des großen Krieges.

Am 7. November wurde der 100. Geburtstag des großen Humoriſten Fritz Reuter in recht anſprechender Weiſe gefeiert. Herr Oberlehrer Dr. Hinſtorff, ein Landsmann des Dichters, ſchilderte in klarer und packender Weiſe die Bedeutung des Schriftſtellers und belebte ſeine Ausführungen durch treffliche Rezitationen aus Reuters Dichtungen.

Der am 19. November zum Beſten der Ausſchmückung der Aula, des Singſaals und des Elternſprechzimmers veranſtaltete Chorliederabend fand lebhafteſte Anerkennung und lieferte einen ſchönen Ertrag.

Auch im laufenden Schuljahr feierten wir mit unſeren Schülerinnen unter zwei mächtigen Chriſtbäumen in der Aula das Weihnachtsfeſt; Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte wurden jubelnd geſungen und freudig vorgetragen.