Schulnachrichten.
Das laufende Schuljahr, welches nunmehr mit schnellen Schritten seinem Ende zueilt, werden wir nach mancher Seite hin zu den bewegten rechnen müssen. Wenn auch die Ereig- nisse und Erlebnisse, welche dasselbe erfüllten, nicht gerade so zahlreich oder so einschneidend waren, daßz sie eine Unruhe hätten erzeugen können, welche störend oder lähmend auf den frischen Pulsschlag unseres Schullebens hätte einzuwirken vermocht, so waren diese Anstöße in ihrer Gesamtwirkung doch mächtig genug, unsere Aufmerksamkeit in einer Weise zu fesseln, daß unsere Blicke der Tagesarbeit vielfach entzogen und sowohl der Außzenwelt, wie auch der Zukunft zu- gewendet werden mußten.
Mit Spannung folgten wir den Bewegungen, welche auf dem Gebiete des höheren Mäd- chenschulwesens in Preußen sich vollzogen.
Es ist in unseren Einladungsschriften der letzten Jahre wiederholt darauf hingewiesen worden, daß eine staatliche Regelung der inneren wie äußeren Verfassung der höheren Mädchen- schulen dringend zu wünschen sei. Es wurde nicht unterlassen zu begründen, warum diese Rege- lung von allen Seiten ersehnt wurde. Es liegt freilich den alten Anstalten nicht so nahe, von dem Wege abgedrängt zu werden, welchen die Überlieferung mehrerer Generationen einer jeden derselben vorschreibt, als es den jüngeren Schulen gleicher Art erwünscht sein muß, die aller- orts gesammelten Erfahrungen ebenfalls mit benutzen zu können, um in eine gemessene Bahn zu gelangen. Dennoch können alle Schulen nur auf das lebhafteste die Hoffnung aussprechen, daß in absehbarer Zeit allgemein gültige Grenzen gezogen werden möchten zu einer gleichmaäßigen Bestimmung sowohl des Lehrgangs und der Lehrziele der höheren Mädchenschule, wie auch der Schulverfassung, in soweit dieselbe die Schulstufen, Schulaufsicht und Zusammensetzung der Lehrer- kollegien betrifft. UÜber alle diese Fragen hatte eine Kouferenz von Fachgenossen, welche im August 1873 nach Berlin zusammenberufen war, nach Maßgabe des damaligen Standes der Erfah- rungen ihre Anschauungen im einzelnen ausgesprochen und begründet. An diesen grundlegenden Kufstellungen hatte man seitdem festgehalten und hatte gehofft, daß auf deren Boden sich der Ausbau des Mädchenschulwesens vollziehen würde. Nachdem die angeregten Fragen in den betei- ligten Kreisen mit Wort und Schrift weiteren und eingehenderen Erwägungen waren unterzogen worden, kam vor einigen Jahren die Nachricht, daßz in Berlin mit der Aufstellung eines Normal- lehrplanes für die höhere Mädchenschule sei begonnen worden. Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Frage der Normallehrpläne die nächstliegende war, welche einer Klärung bedurft hätte, da man doch naturgemäß erst das Gefäß untersucht, bevor man den Inhalt in dasselbe gießt; doch auch


