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An die Eltern unserer Schülerinnen!
Unter den in jedem Schuljahre zu bestimmter Zeit regelmäßig wiederkehrenden Pflichten ist eine der angenehmsten die, auf diesem Wege der schriftlichen Begrüßung Sie einzuladen, einen Einblick zu nehmen in die Geschichte eines neuen Lebensjahres der Elisabethenschule, welches, wie das gegenwärtige, seinem Abschlusse entgegeneilt.
Leider kann nur einmal des Jahres eine Gesamtübersicht Ihnen geboten werden. In diesem Gesamtbilde treten die Einzelzüge naturgemäß zurück. Tausend Dinge, welche zur Zeit des Geschehens berechtigt gewesen wären Ihr volles Interesse zu gewinnen, verblassen bald vor neuen Fragen und Ereignissen, welche sich in den Vordergrund drängen; was auf dem weiten Felde des frischaufstrebenden Schulwesens sich geltend macht und auch uns berührt, was in Einzelbesprechungen und Konferenzberatungen erwogen wird, muß Ihnen vorenthalten bleiben. Doch hoffen wir auf den folgenden Blättern Ihnen wiederum genug zu bieten, um den Eindruck zu erwecken, daß auch das abgelaufene Schuljahr ein für das Gedeihen der Elisabethenschule gedeihliches gewesen sei, an Wechsel reich, wohl mit Lichtpunkten erfüllt, doch auch von Schatten nicht frei, ein Jahr, welches uns das Zeugnis nicht versagen wird, daß unsere Arbeit nach wie vor bestrebt gewesen ist, neben der Gründlichkeit und Sorgsamkeit im einzelnen auch die letzten Fragen der Bildung des weiblichen Geschlechts fest im Auge zu behalten.
Ewig neu bleibt ja das Problem, jedes Kind, sei es Kuabe oder Mädchen, zu verstehen und zu leiten. So ähnlich auch die Blätter eines Eichbaumes einander zu sehen scheinen, es finden sich dennoch keine zwei, welche genau in allen Einzelnheiten übereinstimmten; und stellte man das ganze lebende Menschengeschlecht zur Vergleichung auf: auch nicht zwei Menschen würden gefunden werden, deren Nußeres absolut das gleiche wäre; könnten wir gar ihr inneres Leben, was Herz und Geist erfüllt, begreifen, ihre Anlagen und Neigungen, ihre Lebensanschauungen und Lebensansprüche, was unablässig in ihnen treibt und gährt, als eine von ihnen selbst kaum geahnte, viel weniger begriffene elementare Kraft und Gewalt, wir würden geblendet die Augen schließen vor dieser erdrückenden Mannigfaltigkeit der Gestaltungen, keins dem andern auch nur annähernd gleich, kaum verwandt, und doch alle gleich beanlagt, gleich berechtigt und gleich glühend in ihrem Streben nach Lebensgenuß, Lebensfreude und Lebensglück, und ebenso völlig voneinander abweichend in den Bildern, welche sie sich von diesen eifrig erstrebten Gütern entwerfen. Dazwischen hinein tritt sodann die erste grandiose Scheidung nach den beiden Geschlechtern, das alte psychologische Geheimnis, das ewig ver- schleierte Bild, das jeder Lösung spottet, und doch immerdar zu neuem Studium anreizt.
Geht die Thätigkeit der Schule wie jedes einzelnen zur Erziehung Berufenen an diesen Fragen nicht teilnahmlos vorüber, so kann ihnen auch der stets neue Reiz nicht verschlossen bleiben, welcher bei dem Vorüberziehen der Generationen uns erfüllen muß; auch den Frühling


