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wurde noch vor den Weihnachtsferieu von den Masern befallen und war erst im Februar, nach heftiger Erkrankung, im Stande ihren vollen Unterricht wieder zu übernehmen; Fräulein von Holbach hat in Folge von acutem Gelenk- Rheumatismus während des ganzen letzten Quartals auf ihre Thätigkeit verzichten müssen.
Khnlich gestaltete sich der Gesundheitszustand unter unseren Schülerinnen. Derselbe war während des Sommers und bis gegen Weihnachten ein ungewöhnlich günstiger; da wurde auch uns die herrschende Masernepidemie zugetragen und griff in den unteren Klassen mit er- schreckender Schnelligkeit um sich; bei Beginn der Weihnachisferien waren in der untersten Klasse von 55 Schülerinnen deren noch 17 zur Stelle. Als die Masern sich zu verlieren begannen, traten die Erkältungen ein und veranlaßten auferordentlich zahlreiche Versäumnisse; unsere Arbeit wurde hierdurch sehr gehindert.
Gegen solche Störungen besitzen wir keine Mittel; ihre Verhinderung steht außer unserer Macht; um So stärker müssen wir dafür gegen andere Hinderungen unserer Arbeit uns verwahren, welche sich, zum Teil wenigstens, sehr wohl vermeiden ließen. Als die Sommerferien begannen, schlossen wir mit einem Defizit von 86 Schülerinnen. Nicht wenige derselben waren schon bis zu 5 Wochen vorher verreist, ohne daßz wir die zur Motivierung beigebrachten Gründe hätten an- erkennen können. Wir begannen den Unterricht mit einem Minus von 92 Schülerinnen; erst nach vier Wochen trafen die letzten Nachzügler wieder ein. Die Störungen, welche durch Ferien und Ferienreisen hervorgerufen wurden, erstrecken sich also auf mindestens drei Monate. Nehmen wir hierzn die Versäumnisse des Winters, so liegt es klar auf der Hand, daß dabei die Arbeit nicht gedeihen kann. Weil indessen die Krankheiten zur Winterzeit sich mehr oder weniger regelmäßig einstellen werden, müssen wir um so bestimmter gegen die willkürlichen Unter- brechungen im Sommer Verwahrung einlegen Es soll gewiß nicht unerwähnt pleiben, daß in manchen Fällen die Ausdehnung der Ferien auf 4 Wochen nicht ausreichend erscheint, namentlich dann nicht, wenn regelmäßige Badekuren vorgenommen werden sollen; auch wir können uns eine günstigere Verteilung der Ferien über das ganze Jahr wohl denken; eine solche herbeizu- führen, steht jedoch nicht in unserer Macht; darum müssen wir mit dem Gegebenen rechnen. Den Schaden, welcher aus solchen Störungen entsteht, tragen freilich zumeist die Urheber selbst; doch auch die regelmäßigen Besucherinnen des Unterrichts werden mitbetroffen; eine dezimierte Klasse wird in der Regel in ihrem Unterrichtsgange langsamer vorwürts schreiten, aus der nahe liegenden Rücksicht auf die Abwesenden.
Auch der Tod forderte seine Opfer aus unserer Mitte.
Am 2. Februar starb nach langen und schweren Leiden Fräulein Emma Vogel. Acht Jahre hatte sie unserem Kollegium angehört; Ostern 1881 war sie in den Ruhestand versetzt worden, um den schwachen Schimmer einer Hoffnung auf ihre Wiedergenesung zu pflegen; es war vergebens gewesen; am 5. Februar bestatteten wir sie zur ewigen Ruhe. Alle, welche in den Tagen der Gesundheit ihr nahe gestanden hatten, das Kollegium und die Schülerinnen, trauerten tief um die Heimgegangene.
Auch der Kreis unserer Schülerinnen wurde gelichtet. Am 31. August v. J. starb zu Dillenburg Johanna Rauch, Schülerin unserer Seminarklasse C. an den Folgen des Scharlach- fiebers. Nicht das Erschrecken allein über das so plötzliche Scheiden einer körperlich und geistig reich geschmückten jugendlichen Erscheinung versetzte uns in tiefe Trauer, sondern eben- sosehr bewegte uns das Mitgefühl mit der Mutter, welche eine treue und vielversprechende Tochter


