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wenn die reine Geschichte, d. h. das Gebiet der politischen und sozialen Ideen von ihm erfaßt werden soll. Seiner Natur entspricht es, die Sympathie zu lokalisieren; es kann sich begeistern für eine hervorragende historische Persönlichkeit, auch wohl für ein einzelnes historisches Ereignis; aber die treibende Idee, welche den Sinn einer Zeit erfüllt und ihre Kräfte in Anspruch nimmt, das Entstehen einer neuen Epoche auf den Trümmern einer zusammengebrochenen Welt, ist ihr zu abstrakt; ein solcher Umschwung an sich ist für sie kein Gegenstand, an welchem sie sich begeistern könnte. Und dennoch muß auch diese Seite des historischen Verständnisses gepflegt werden. Nur unter dieser Voraussetzung bekommt jeder sprachliche Unterricht erst seinen vollen erziehenden Einfluß. Dazu kann und darf sich die Schule nicht mehr verstehen wollen, daß sie nur einer gewissen Fertigkeit des Ausdrucks im fremden Idiom ihre Dienste leiht; diese mehr mechanische Beherrschung der fremden Sprache enthält so gut wie gar keinen erziehenden Wert, wenn sie nicht auf dem Fundamente einer gründlichen grammatischen und literari- schen Unterweisung ruht. Nur unter diesem Gesichtspunkte gewinnt die Sprache ihre Bedeutung als nationales Unterscheidungs- und Bindemittel, gewinnt alles sprachliche Wissen den rechten Zusammenhang, wird auch die Ueberschätzung des Fremdländischen verhütet, wird die Kenntnis der fremden Sprache nicht Selbstzweck, sondern Mittel, das Wesen der fremden Nation zu ergründen. Hier lenken wir also wieder in historische Bahnen ein, welche ebensowohl das Verständnis für Einheimisches und Fremdes erwecken, wie insbesondere auch der Pflege der berechtigten Seite des Nationalgefühls dienen sollen.
Wir weisen also entschieden die Zumutung von uns ab, solche Zweige des Unterrichts begünstigen zu wollen, welche später in der Gesellschaft die Frau in den Stand setzen, ihre Vielseitigkeit glänzen zu lassen. Wir können und dürfen uns nicht dazu verstehen, diese Rücksicht anzuerkennen, auf Kosten von Nötigerem und Nützlicherem, zum Schaden der Klarheit des Wissens; Wir dürfen jener schillernden Vielwisserei keinen Vorschub leisten, die sich gern breit macht unter dem Schutze der Unwidersprechlichkeit, mit welchem die gesellschaftliche Sitte das weibliche Geschlecht umgibt. Ziehen wir der weiblichen Jugend lieber die Kreise etwas enger und bieten ihr nicht ein sinnverwirrendes Vielerlei, sondern ein mit den Wurzeln zusammen- hängendes Ganzes, das in seiner Geschlossenheit den Gesichtskreis wirklich erweitert und für Geist und Herz eine belebende und stärkende Nahrung enthält. Die alte müßsige Frage, ob die männliche Jugend der weiblichen an Begabung voraus sei, trübt immer wieder das unbefangene Abwägen. Beide Geschlechter sind eben verschieden beanlagt, bedürfen darum zu ihrer geistigen Ernährung verschiedener Speise. War die weibliche Jugend bisher in ihrem Rechte verkürzt worden dadurch, daßz man ihr die Nahrung bot, welche bei dem anderen Geschlecht erprobt erfunden war, so hat man nunmehr mit Ernst begonnen, der Besonderheit ihrer Natur Rechnung zu tragen. Hier liegt der Angelpunkt der zukünftigen Entwickelung der öffentlichen Mädchen- schulen. Es wäre noch verfrüht, jetzt schon die Grundlinien mit zweifelloser Sicherheit ziehen zu wollen, aber die Frage ist in Fluß gebracht und die Erfahrungen werden mit Eifer gesammelt. Daran halten wir fest, daßz ein zehnjähriger Schulkursus Spielraum genug bietet, um die Schule verpflichten zu können, der weiblichen Jugend ein Wissen mit hinaus zu geben, das sie zwar nicht befähigt, über Alles mitreden zu können, dafür aber als ein unverlierbarer Schatz in Geist und Herz übergegangen ist.
Denn darin erkennen wir drittens das Wesen der wahren Bildung, daß die menschliche
Natur von Innen heraus umgestaltet wird.


