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Der plötzliche Tod des körperlich und geistig noch so wunderbar rüstigen Direktors der Wöhler- schule, Prof. Friedrich Kreyßig am 20. Dezember, führte auch Kollegen unsrer Schule an die stille Stätte der Toten. Härter noch wurden wir betroffen durch den, nach so entsetzlichen Leiden freilich zuletzt ersehnten Tod des vortrefflichen Direktors, Herrn Rudolf Jaeger, der am 8. Januar d. J. erfolgte. In vollster Manneskraft wurde er von einem unheilbaren Übel ergriffen und kämpfte über ein Jahr lang mit wahrer Riesenstärke gegen den tückischen Feind, immer noch denkend und wirkend für die Schule, die er in wenig Jahren aus einem chaotischen Zusammenfluß mehrerer Schulen zu einer, überaus blühenden Realschule II. Ordunung umgestaltet hatte. Wohl kann man sagen, er wurde das Opfer der schweren Aufgabe, die er mit fröhlichen Mut übernommen hatte. Wer den starken, von Gesundheit strotzenden Mann beim Unterricht in seiner früheren Stellung als Oberlehrer der Musterschule in nie ermattender Arbeit gekannt und dann in seinem Garten unter dem herrlichen Rosenflor, der die Bewunderung Aller erregte, wieder unermüdlich am frühen Morgen, wie am späten Abend- beobachtet hatte, mußte tief ergriffen werden, wenn er wenige Jahre nachher ihn als gebrochenen Mann wieder erblickte. Unsre älteren Kollegen, die mit ihm in der Musterschule tätig gewesen waren, und besonders der Direktor, der ihm innig befreundet war und zweimal mit ihm bei längerer Krankheit des früheren Direktors die Leitung der Musterschule übernommen hatte, betrauern in ihm einen treuen, durchaus redlichen und biedern Kollegen, und die ungewöhnliche Beteiligung bei seinem Begräbnisse bezeugte, daß die gesamte Bürgerschaft den hohen Wert seiner Berufsgaben und die Gradheit seines Charakters zu schätzen wußte. Ihm folgte bald darauf, am 21. Januar, sein Leidensgefährte, Herr Pfarrer Philipp Heinrich Roos. Er war uns viele Jahre hindurch ein gar lieber Kollege und siedelte mit uns noch in die neue Schule über, wiewohl ihm die Atmungsbeschwerden bald nachher den weiteren Gang beschwerlich machten und ihn zuletzt. vor nun bald zwei Jahren, dem Schulunterricht ganz entzogen. Wir fühlen uns gedrungen, ihm, der unsrer Mädchenschule so lange Jahre Kraft und Liebe gewidmet hat, in diesen Blättern ein Denk- mal der dankbaren Liebe zu setzen, indem wir den Nachruf aufnehmen, den wir, in innigster Freundschaft mit ihm verbunden, bei seinem Tode veröffentlichten.»Philipp Heinrich Roos. geboren in Frankfurt a. M. am 7. Juli 1816, machte seine theologischen Studien in Göttingen zur Zeit des hannövrischen Staatsstreiches, lebte dann einige Jahre als Hauslehrer einer deutschen Familie in Venedig und fand in dieser Stellung Gelegenheit, sich durch eigenes Anschauen vertraut zu machen mit den Stätten klassischer Bildung und ihren grossen Denkmälern. Zurückgekehrt in die Vaterstadt, trat er in die Reihe der Kandidaten des Pfarramts ein und widmete sich zugleich' mit großer Liebe und reichem Erfolg dem Lehrberufe. Vier Jahre lang, von 1847 bis 1851. verwaltete er an den oberen Klassen der Musterschule das Amt des Religionslehrers. Zu Ende des Jahres 1851 wurde ihm die Stelle eines Pfarrers in Niederrad übertragen; mit vollster Hin- gabe und rastloser, uneigennützigster Thatkraft wirkte er dort 8 Jahre hindurch, bis ihn 1859 die lutherische Gemeinde des Peterssprengels als Prediger und Seelsorger an ihre Kirche berief- Gleichzeitig nahm er auch wieder den Religionsunterricht an der Musterschule auf und wußte sich in peiden Stellungen die dankbarste Anerkennung und die aufrichtigste Verehrung zu erwerben. Als Geistlicher fest in seiner Ueberzeugung und klar in seinen Ansichten, aber mild in seinen Urteil und lauter gesinnt gegen alle seine Kollegen mit denen er gern in innigster Gemein- samkeit zusammen wirken wollte, faßte er seinen Beruf als Seelsorger in wahrhaft idealer Weise auf und widmete der gewissenhaften Erfüllung desselben alle Kraft seines Geistes und Körpers


