Jahrgang 
1880
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Dr. Böcker, mit warmem Gefühl und vollem Verständnis vorgetragen von einer Schülerin der obersten Seminarklasse, eröffnete die Feier; es folgten: 1. Stromfahrt, von Gteibel(Klasse IIIb); 2. Die Zueignung, von Goethe(Klasse Ib): 3. Blau Veilchen, von Fr. Förster(VIa); 4. Mutter- sprache, von Max v. Schenkendorf(Klasse Vb); 5. Erster Monolog aus Iphigenie(Seminar- klasse B); 6. Das Glück von Edenhall, von Uhland(IVa); 7. Erster Monolog aus der Jungfrau von Orleans(IIa); 8. Aus Iphigenie, Akt V, S. 3. Den Schluß machten einige herzige, von Herrn Dr. Kamp gedichtete Verschen, die eine kaum eingetretene Schülerin der untersten Klasse liberraschend klar und beherzt vortrug. Die Feier war eine wahrhaft erquickende, rührend durch die aufrichtige Zuneigung Aller, ermunternd und belohnend durch den in der That aus- gezeichneten Erfolg. Der Direktor sagt an dieser Stelle nochmals öffentlich und feierlich seinen lieben Kollegen und Kolleginnen, allen seinen Schülerinnen und den verehrten Eltern, die das Fest durch ihre Teilnahme unterstützten, herzlichen Dank.

Am Abend vor dem Festtage wurde der Direktor in seiner Wohnung durch eine Deputation von Damen, die in verschiedenen Jahren seine Schülerinnen gewesen, feierlichst mit herzlichem Glückwunsch begrüßt. Sie überreichten ihm im Namen von 463 ehemaligen Schü- lerinnen in kostbarem Schrein und mit einem herrlichen Kunstblatt von Allwine Schrödter in Karlsruhe, ein überreiches Geschenk mit der Bitte, dasselbe zu einer Reise nach Italien zu verwenden. Wahrlich, wem in so treuer Anhänglichkeit und Liebe die Herzen entgegen- schlagen, der segnet am Schluß seiner langen Laufbahn alle die Mühen und Sorgen und Schicksale, die sie begleitet haben, denn sie haben ihn stark gemacht in der Liebe und dem unermüdlichen Eifer in seinem heiligen Beruf, und mit innigem Dank gegen seinen himmlischen Vater, dem er in aller innern und äußern Not vertraut hat, kann er beruhigt dem Ausgang entgegen sehen.

Besuchstage hatten wir im Sommer am 17. Juni; im Winter am 15. November, 15. Dezember, 6. Februar 1880. Die Teilnahme der Eltern und Angehörigen an denselben war eine sehr rege; was uns zu wünschen pleibt, wenn dieselben als der Sache förderlich bestehen bleiben sollen, haben wir schon oben ausgesprochen und hoffen, daß unsre bescheidenen und berechtigten Wünsche nicht unberücksichtigt bleiben werden.

Unter Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrat Kretschel von Cassel und des Herrn Regierungs- und Schulrat Dr. Esser von Wiesbaden wurde die Lehrerinnen- und Handarbeits- lehrerinnen-Prüfung diesmal am 3., 6. und 7. Oktober abgehalten und ihr folgte am 8. Oktober die Prüfung einer Schulvorsteherin. An der mündlichen Prüfung der Aspirantinnen nahm Herr Konsistorialrat Pfarrer Dr. Ehlers als Mitglied des Schulkuratoriums teil. Sämtliche Schüle- rinnen der Seminarklasse hatten sich gemeldet und waren angenommen worden. Von außen waren noch 5 der Prüfung zugewiesen worden.

Unsere Schülerinnen waren:

1. Susette Kehl, geboren den 19. Januar 1861 zu Offenbach, Tochter des hiesigen Kaufmannes Herrn Wilhelm Kehl, evangelischer Konfession;

2. Amalie Müller, geboren den 7. November 1860 zu Frankfurt a. M., Tochter des Lehrers Herrn Philipp Müller, evangelischer Konfession;

3. Pauline Scheidel, geboren den 25. September 1860 zu Prankfurt a. M., Tochter des Kaufmanns Herrn Karl Scheidel, evangelischer Konfession;