Jahrgang 
1929
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kunftssicheren und zukunftswilligen Staats- bürger zu erziehen.

Dazu soll und mag an ihrem bescheidenen Teile auch die Unterrichtsmethode mithelfen, zu deren Wesen es gehört, die frisc he Luft der Gegenwart in die Schulstube einzulas- sen, damit nicht Moder und Stickluft des ewig Gestrigen zur einzigen Lebensluft der Jugend werde.

Dann wird sich auch die Sehnsucht und Hoff-

mung vergangener Geschlechter erfüllen, die Carl

Henckell etwa 1912 also zusammenfaßte: Wenn nicht alles trügt, dämmert auch für das deutsche Schulleben eine neue Zeit ganz allmählich herauf, die Fenster öff nen sich, und eine Jugend, wie sie un- serer Jugend Sehnsucht war, steckt den Kopf in frischere reinere Lüfte des Lebens.

3. DIE PHOTOGRAPHIISCHEN UBUNGEN.

Mit Beginn des Schuljahres 1928/29 wurde eine neue Arbeitsgruppe an der Schule gebildet. Unter Leitung von Studienrat Dr. Schneider be- gann derPhoto-Kurs. Zuerst wurden die Schüler theoretisch mit der Photographie ver- traut gemacht. Durch diese theoretische Vorbe- reitung wurde es uns leichter, die Ursachen der Fehler, die bei der praktischen Arbeit auftraten, zu erkennen und so gerade aus den Fehlern wieder zu lernen. Die gemeinsam betriebene Bildkritik förderte die technische Arbeit und das photographisch-ästhetische Empfinden des einzelnen. Besonders lebhaft konnte die Kritik einsetzen, als nach den Sommerferien Aufnah- men von den verschiedensten Gegenden und Ge-

genständen vorgelegt wurden. Die schönsten Ferienbilder wurden für die nun anschließen-

den Vergrößerungsarbeiten ausersehen. Im Win- terhalbjahr brachten Schneeaufnahmen und Ar-

beiten mit künstlichem Licht neue Lehraufgaben. Nach eigenem Wunsch konnte jeder Schüler Aufnahmen mit künstlichem Licht vornehmen. So kamen technische Aufnahmen, Weihnachts- bilder, Portraits und Gruppenbilder zustande. Das Arbeitsjahr fand seine Krönung in der Lehre und praktischen Ausführung von Farben- photographien. Die Ergebnisse des Photo-Kurses wurden vor den Osterferien ausgestellt, sodaß auch die Elternschaft einen Einblick in die ge- leistete Arbeit nehmen konnten. Vielleicht hat auch diese Ausstellung neue photographische Kräfte unter den Schülern angeregt und man- chen davon überzeugt, daß man sich auf dem Gebiet der Photographie künstlerisch ausleben kann, auch wenn es einem versagt ist, dies mit dem Bleistift oder Pinsel zu tun.(W. Balon OIIa.)

4. ESPERANTO.

Zur Einführung in die Welthilfssprachenbewe- gung und insbesondere in Esperanto wurde ein Lehrgang mit einer Wochenstunde im Winter- halbjahr eingerichtet. Zugrunde gelegt wurde das Lehrbuch von Degen(Verlag Hirth). Von der ersten Stunde an wurde auf das Sprechen in Esperanto der größte Wert gelegt. Daneben wurde die Erschließung des Verständnisses für

strenge Gesetzmäßigkeit in Grammatik und Wortbildung der Hilfssprache erstrebt. Hier-

durch wurde dem Erlaß des Preußischen Mini-

sters für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 10. III. 24 Rechnung getragen, der erwartet, daßdurch das Erlernen dieser Sprache das Studium der lebenden Sprachen in keiner Weise in den Hintergrund gedrängt, sondern im Gegen- teil dadurch gefördert werden soll. Ganz in die- sem Sinne wurde der kulturkundliche und sprachliche Zusammenhang der einzelnen Wort- stämme mit den entsprechenden Nationalspra- chen nutzbar zu machen gesucht.(Dr. Kreutzer.)

7. Aus der Schulgeschichte

Das 53. Schuljahr begann mit einer Eröffnungsfeier am 24. April 1928. Am 23. Mai ist der langjährige Dezernent der Schule, Herr Geheimer Re gie- rungsrat Oberschulrat Dr. Ger- stenberg, jäh und unerwartet durch den Tod uns entrissen worden. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen wohlwollenden, er- fahrungsreichen Vorgesetzten, dessen tat-

kräftige Mitarbeit der Entwicklung der An- stalt von großem Segen war.

Herr Oberschulrat Dr. Deiters hat an seiner Stelle das Dezernat unserer Schule übernommen.

Anläßlich des Verfassun gstages am 11. August fand eine Feier statt, die gleichzeitig dem Gedächtnis Jahns dienen sollte. Studienrat Dr. Cranz behandelte in

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