Jahrgang 
1912
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des Flures ein neuer Raum gleich denen in den darunterliegenden Stockwerken geschaffen und außerdem in dem Naturalienkabinett selbst der Raum über den linksstehenden Schränken durch einen zweckentsprechenden Aufbau mit Treppenzugang ausgekauft wurde. Mit dem gebührenden Dank für den neuen Fortschritt, der gemacht ist, verbinden wir die Hoffnung, daß auch die noch übrigen Anliegen unserer Anstalt tunlichst baldige Berücksichtigung finden möchten, zu denen in erster Linie die beantragte Neuherrichtung des Unterrichts- zimmers für Physik mit der dazu gehörigen Einführung der elektrischen Starkstromanlage zu rechnen ist.

Zu gemeinsamer Andacht versammelten sich wie üblich die Schüler am Anfang und Ende eines jeden Vierteljahres in der Aula, wo der Direktor zugleich die der Gesamt- heit geltenden Mitteilungen machte. Eine eindrucksvolle Feier wurde aus der Ver- sammlung am 9. Mai, die der festlichen Begehung der vierzigjährigen Wiederkehr des Frankfurter Friedens galt. Der 10. Mai, der Tag des Friedens selbst, war diesmal in der Stadt Frankfurt zu einer besonderen Ehrung unserer Veteranen, der alten noch lebenden Krieger aus dem Jahre 1870, ausersehen, und die Feier in der Schule war als Vorfeier dazu gedacht. Herr Professor Otto Morin nahm den würdigen Anlaß wahr, um über die Verdienste zu sprechen, die sich die zu feiernden Kriegsveteranen für alle Zeiten um das deutsche Vaterland erworben haben, um Verständnis und Interesse bei unseren Schülern zu wecken oder zu vertiefen für die vielen, durch die kriegerischen und ruhmreichen Er- eignisse vor 40 Jahren bedingten Friedenswerte der nachfolgenden Zeit. Wir an der Adler- flychtschule zumal hatten ja allen Grund hier mitzufeiern: hatte doch der älteste Lehrer der Schule, Herr Gustav Jasper, den Krieg mitgemacht und also am eigenen Leibe erfahren, wie hoch diese Friedenswerte zu stchen gekommen waren. Daß er und alle seine Kriegskameraden dann aber das so teuer Errungene auch um so verständnisvoller und bewutter genießen konnten, das liegt auf der Hand. In diesem Sinne brachte der Direktor ein Hoch auf den allseits geschätzten und beliebten Kriegsveteranen der Adler- flychtschule aus, der ja nun, wie oben berichtet wurde, unterdessen schon aus dem Leben geschieden ist, und Lehrer wie Schüler stimmten damals begeistert ein. Gesang zu An- fang und am Ende und Vortrag ausgewählter Dichtungen erhöhten die festliche Stimmung der erhebenden Stunde.

Der Frühlingsausflug, das sogenannte Maifest, nahm bei schönstem Wetter am 23. Mai einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf.

Am 10. Juni versammelte der Direktor alle Angehörigen der Anstalt in der Aula, um in Gegenwart des Lehrerkollegiums den Schülern darzulegen, in welchem Maße, in welcher Weise und in welcher Absicht die Schüler nach den vorausgegangenen Beratungen und Beschlüssen ihrer Lehrer von nun an selbst an der Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung in der Adlerflychtschule beteiligt werden sollten. Die Ausführungen leiteten schließlich zu dem frohmütigen Ausblick hin, daß wir gern einer Zeit entgegensähen, in der die Schüler durch ihr Verhalten zu erkennen geben, daß ihnen alles, was zu Zucht und Ordnung gehört, mehr und mehr zur eigenen Angelegenheit wird, daß der Wille zum Guten bei ihnen immer breiter und tiefer Wurzel schlägt, daß in allen Dingen jener gute Wille herrscht, ohne den Ruhe, Freude und Friede in einer Lebensgemeinschaft nicht denkbar ist. Das wäre dann eine bessere Zeit, in der somit schon in der Schule sich das Verständnis dafür Bahn bräche, daß es in ihr doch im Grunde nicht anders ist als auch

Andachten.

Der 10. Mai.

Maifest.

Einführung der sog. Selbst-

verwaltung.