Schulfeier- lichkeiten.
Der 27. Januar.
Der 2. September.
— 24—
die zu und bei den langwierigen Herstellungsarbeiten mitgeholfen haben, der Schul- und der Baubehörde, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sei an dieser Stelle noch einmal öffentlich der Dank der Adlerflychtschule ausgesprochen. Sollte es in absehbarer Zeit gum Bedürfnis werden, dem Mangel an Räumen im Schulgebäude abzuhelfen, der sich von Jahr zu Jahr stärker fühlbar macht, so wird uns auch hierzu gewiß die nôtige Beihilfe nicht versagt bleiben.
Der äußere Verlauf des Schuljahres brachte nichts Außergewöhnliches mit sich. Zu gemeinsamer Erhebung versammelten sich wie üblich die Schüler am Anfang und am Ende jedes Vierteljahres in der Aula, wo der Direktor zugleich die der Gesamtheit geltenden Mitteilungen machte. Die vaterländischen Gedenktage wurden in herkömmlicher Weise in Erinnerung gebracht.
Bei der Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers hielt Herr Oberlehrer Löwe die Festrede. Mit sichtlicher Teilnahme folgten Lehrer und Schüler seinen wohl- qurchdachten, fesselnden Ausführungen über die Beteiligung Deutschlands an der Meeres- forschung, insonderheit die beiden großen Expeditionen zur Erforschung der Tiefsee und des Südpolargebiets, durch die das geeinte und seiner Kraft sich wohl bewußte Reich in friedlicher Arbeit bekundete, wie es die Herrschaft über die Meere versteht, wie es sich des Wortes eingedenk zeigt:„Will man die Meere beherrschen, so muß man sie kennen.“ Dem mächtigen Schirmherrn aller Werke des Friedens, dem eifrigen Förderer deutscher Kulturarbeit, Kaiser Wilhelm II., galt das Hoch der Versammlung, dem die Nationalhymne folgte., Für Treue in der Schule wurde auf Konferenzbeschluß dem Schüler der U. IIb Alfred Strauß das von Seiner Majestät zu diesem Zweck zur Verfügung gestellte Wislicenus'sche Werk„Deutschlands Seemacht“, das diesmal erst nach Beendigung der Feier eintraf, an einem spätern Tage vor versammelter Schule durch den Direktor mit kurzer Ansprache überreicht.
Auch die alljährliche Schulfeier der Adlerflychtschule, die an ihr eingebürgerte festliche Begehung des 2. September durch eine gusammenfassende Vorführung der turnerischen Leistungen der gesamten Realklassen, nahm wieder ihren gewohnten, aber stets von neuem herzerfrischenden Verlauf. Um 8 Uhf hatten die Schüler Aufstellung auf dem Hofe genommen. Es war ein wundervoller Herbsttag, und trotz der frühen Morgen- stunde hatten sich auch die zu der Feier eingeladenen Eltern wie in den früheren Jahren in großer Zahl eingefunden, um sich an ihren Kindern zu erfreuen und zugleich der Schule ihr Interesse zu bekunden. Auch manche Freunde der Turnsache beehrten uns mit ihrem Besuch. Der Direktor wies zunächst auf die Bedeutung des Tages hin und wandte sich mit folgenden Worten vornehmlich an die vor ihm stehende Jugend:
Mahnend— wie wir es im vorigen Jahre an dieser Stelle getan haben— könnten wir auch heute hier unserem Empfinden Ausdruck geben, wenn wir zurückdenken wollten an das überaus betrübende, für jedes deutsche Herz im höchsten Maße schmerzliche Endergebnis der Monde, die der gleichen Zeit vor hundert Jahren voraufgingen. Laßt uns aber diesmal in der Hauptsache unserem Denken eine andere Richtung geben. Es ist ja wahr, wir wollen nie aufhören, an der Geschichte zu lernen, und der Tilsiter Friede vom 9. Juli 1807 sollte uns niemals aus dem Gedächtnis schwinden! Vieles hätte anders ausfallen können damals, und vieles wäre auch anders ausgefallen, wenn die Deutschen, wenn die Preußen von damals— eben anders gewesen wären und vermocht hätten, alle die mancherlei Vorteile wahrzunehmen, die sich nach Jena und Auerstädt, wie wohl feststeht, trotz allem noch boten. Denn wahrlich nicht erst und nicht allein die Brandfackel von Moskau war es, die den großen Eroberer und seine große Armee klein gemacht und zu Boden geworfen hat.


