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Aber auch in euren Gedanken haltet euch treu, rein und frei von Falsch! So haltet
namentlich stets treu an dem Glauben fest,— und dies möchte ich euch in dieser Stunde ganz besonders ans Herz legen— daß nächst den Eltern die Lehrer eurer Jugend, wer
sie auch seien, eure treusten Freunde und Wohltäter sind, die alles, was sie für euch tun, nur immer aus innerstem Pflichtgefühl und zu eurem Besten tun, auch dann, wenn es einmal nicht so ausfällt, wie euer Herz begehrt, und wenn ihr in euren jungen Jahren noch nicht reif seid, das richtige Einsehen zu haben und die Gründe ihres Handelns von selbst zu begreifen. Auch dann also bleibet treu in eurer Gesinnung! Und wenn ihr wirk- lich je einmal irre werden und auf den Gedanken kommen solltet, es geschehe euch Unrecht, so schleichet nicht murrend und beschwerdeführend umher, sondern gehet auf dem geradesten Wege getreulich und getrost zu eurem vermeintlichen Verfolger und Peiniger hin und schüttet ihm euer Herz aus. So werdet ihr es schon dadurch selbst er- leichtert haben. Ihr werdet aber auch ferner von eurer Kurzsichtigkeit befreit und davor bewahrt werden, einen vergeblichen oder doch voreiligen Schritt nach meiner Türe hin zu tun.
Schüler, die es an der nötigen Treue fehlen lassen, werden bei mir niemals Gehör finden. Haltet ihr aber aus in der Treue, dann werden wir gut mit einander fertig, dann machet ihr euch selbst Ehre, Ehre auch eurem Elternhaus, eurer Schule, eurer Vaterstadt, und eurem weiten deutschen Vaterland; dann arbeitet ihr selbst mit an eurer immer weiter fortschreitenden Heranbildung zu tüchtigen, brauchbaren Männern, wie sie das Vaterland nötig hat mit seinem erhabenen Kaiser an der Spitze, der in der Treue seiner Arbeit und seiner Gesinnung uns allen als leuchtendes Beispiel voransteht.—
Auch in diesem Sinne haltet also den guten Ruf hoch, in dem diese unsere Schule bisher gestanden hat, stehet fest zu ihrem Banner, das einst eure Vorgänger in diesen Räumen aus freien Stücken gestiftet haben, dem ich damals die Weiheworte sprechen durfte, und das weithin sichtbar den Namen der Schule und den Adler eurer schönen Vaterstadt, der Stadt Frankfurt, trägt. Ein schlechter Soldat, der auf die Ehre seiner Fahne etwas kommen läßt!
Zu eurem guten Vorhaben aber, zum Ausharren in der Treue, gebe euch der All- mächtige Kraft und Vollbringen!— Und nun laßt uns zum Schluß Ihm die Ehre geben und alle miteinander das Dankeslied anstimmen: Nun danket alle Gott!
Zum Zwecke eines gedeihlichen Zusammenwirkens von Schule und Haus haben
sämtliche Lehrer der Anstalt bestimmte Stunden angesetzt, in denen sie, nach vorheriger Anmeldung von seiten der Eltern, Anfragen und Wünsche entgegenzunehmen bereit sind. Die Eltern wollen sich gefälligst spätestens einen Tag vorher anmelden, damit die Herren Klassenlehrer die erforderlichen Erkundigungen über die betreffenden Schüler rechtzeitig einziehen können. Die Sprechstunden werden zu Beginn jedes Halbjahres durch Anschlag auf dem Flur, sowie in den Klassenzimmern des Schulgebäudes bekannt gemacht. Die Eitern werden dringend gebeten, soweit es sich nicht um Auskünfte allgemeiner Natur handelt, zunächst mit den Herren Fachlehrern und Klassenlehrern in Verbindung zu treten, und ferner diese Verbindung nicht erst in den letzten Wochen vor der Versetzung zu suchen, sondern vielmehr während des ganzen Schuljahres zu pflegen.


