zweien die Versetzungsreife zuerkannt werden. Für die eine Abteilung Ie hatte die Schluß- prüfung unter dem Vorsitz des Herrn Oberregierungs- und Geheimrats D. Dr. Lahmeyer stattgefunden.
Zwei Ereignisse, die für das Leben unserer Schule von Bedeutung sind, dürfen zum Schluß hier nicht unerwähnt bleiben: Nachdem noch am Anfang des Schuljahrs der Direktor die Ehre gehabt hatte, von Herrn Oberregierungs- und Geheimrat Lahmeyer persönlich in sein neues Amt eingeführt zu werden, wurde die Schule zum 1. Oktober durch die ganz unerwartete Nachricht überrascht, daß dieser um ihre Fortentwicklung in so hohem Grade verdiente Vertreter der staatlichen Behörde zu seinem lebhaften Bedauern sich habe entschließen müssen, das unmittelbare Dezernat in betreff der städtischen Schulen in Frankfurt und somit auch der Adlerflychtschule aufzugeben und für unsere Anstalt an Herrn Geheimrat Dr. Paehler zu übertragen. Seit dem 1. April 1885 hatte Herr Oberregierungsrat Lahmeyer unausgesetzt die Geschäfte der Adlerflychtschule bei dem Königlichen Provinzial- schulkollegium zu führen gehabt. Was er während der langen Reihe von Jahren für die Schule gewesen ist, was diese seiner allzeit ruhigen, sachgemäßen, zielbewußten Leitung und wohlwollenden Fürsorge zu verdanken hat, wie er bei seinen Besuchen die Berufs- freudigkeit ihrer Lehrerschaft stets hochzuhalten und zu erhöhen wußte, wird sie ihm nie vergessen. Die gleich ehrenvollen und wohlmeinenden Worte der Anerkennung aber, die er bei seinem Abschied der Arbeit und den Arbeitern an der Adlerflychtschule zollte, lassen uns hoffen, daß auch ohne die unmittelbaren Beziehungen zu unserer Anstalt dieser in Zukunft seine Wohlgeneigtheit erhalten werde, so daß wir vertrauensvoll der Ubernahme seiner segensreichen Arbeit durch Herrn Geheimrat Dr. Paehler entgegensehen können und um das fernere Wohlergehen der Adlerflychtschule nicht zu bangen brauchen.
Dieses Wohlergehen der Adlerflychtschule wurde freilich einigermaßen in Frage gestellt durch das zweite Ereignis, das uns im Laufe dieses Schuljahrs überraschte: Das Kuratorium der höheren Schulen sah sich gezwungen, um an der Klinger-Oberrealschule Raum für weitere Oberklassen zu schaffen, den Beschluß zu fassen, die eine Hälfte der Vorschulklassen dieser Anstalt im Zeitlauf von drei Jahren nacheinander an die Adler- flychtschule überzuführen und somit unsere Vorschule zu verdoppeln. Hoffen wir, daß die Bedenken gegen dieses Vorgehen, die von dem unterzeichneten Direktor im Interesse der ihm anvertrauten Schule geltend zu machen waren, sich im Laufe der Zeit als unbegründet erweisen, daß alle Schwierigkeiten sich werden überwinden lassen, und daß die Adler- flychtschule sich auch in Zukunft den guten Ruf zu erhalten vermag, dessen sie sich bis heute in Frankfurt zu erfreuen hat. Eine Folge der Neuerung wird sich schon am Ende dieses Schuljahrs für das Elternhaus fühlbar machen: Auf Anordnung der staatlichen Be- hörde wird bei der Versetzung aus der Vorschule in die Realschule von nun an mit größerer Strenge verfahren werden müssen. Es liegt darin aber in Wirklichkeit nur eine scheinbare Strenge. Denn es ist grundverkehrt, einen Schüler an eine Fremdsprache heranzubringen, solange Ohr und Auge in der Muttersprache noch nicht die genügende Vorbildung erreicht haben. So stellt sich das uns vorgezeichnete Verfahren vielmehr als eine wahre Wohltat dar, wie denn überhaupt der sachgemäße Beurteiler leicht die Uberzeugung gewinnen wird, daß auf allen Stufen nur solche Schüler zurückgehalten werden, welche die nõtige Ver- setzungsreife für die nächsthöhere Klasse nicht nachgewiesen haben und zugleich ihre Lehrer zu dem Urteil haben kommen lassen, daß sie das Fehlende im nächsten Jahre nicht werden nachholen können.


