Jahrgang 
1912
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II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden.

Davon seien folgende, deren Inhalt auch für die Schüler und deren Eltern Interesse haben dürfte, hier angeführt:

1911, 11. Mai. Der Ministerialerlaß, der die Jugendpflege betrifft, wird zur Kennt- nis und Beachtung mitgeteilt.

22. Sept. U.-M. Die Einführung der sogen. Kurzstunde wird für den Beginn des Winterhalbjahres angeordnet.

28. Okt. U.-M. Dem unzweckmäßigen Betrieb des lateinischen und griechischen Extemporales und der Klassenarbeiten überhaupt soll durch regelmäßige und vielfältige schriftliene Übungen abgeholfen werden, die möglichst in jeder Unterrichtsstunde anzu- stellen sind.

1912. 20. Jan. U.-M. Die Freiübungen in den Pausen sind beizubehalten bezw. fortzuführen, doch ohne daß die Unterrichtsstunden verkürzt werden.

III. Chronik.

Die Schlußfeier des Schuljahres 1910 am 5. April, über die erst hier be- richtet werden kann, empfing durch die Teilnahme sämtlicher Mitglieder des Kuratoriums ihre besondere Weihe; es war eine dreifache Abschiedsfeier. Nach der Entlassung der Realuntersekundaner, die die Schlußprüfung bestanden hatten, verabschiedete der Direktor den Senior des Lehrerkollegiums, Herrn Professor Dr. Pontani, der nach 40jähriger Tätigkeit an der Anstalt in den Ruhestand zu treten sich entschlossen hatte, um, im vollen Besitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte, sich wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen, zu denen sein Beruf ihm nicht die Zeit gegönnt hatte. Er schilderte den Scheidenden, mit dem ihm mehr als 30 Jahre zusammenzuarbeiten vergönnt gewesen war, als einen kenntnisreichen, pflichteifrigen, anregenden Lehrer, der seine Schüler in außer- ordentlichem Maße zu fördern verstand, als einen opferwilligen, stets hilfsbereiten Kollegen, der sich der Wertschätzung aller seiner Mitarbeiter erfreuen durfte und ihnen ein Vorbild- war, als einen von allen, die Rat brauchten, weit über die Grenzen der nächsten Umgebung der Stadt hinaus aufgesuchten, in allen Wissensgebieten bewanderten Berater, als den lieben Menschen, dessen Freund sich zu nennen ihm eine Freude und eine Ehre sei, und über- reichte ihm im Auftrage des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums den Königlichen Kronenorden III. Klasse. Im Namen des Kuratoriums widmete Herr Landrat v. Keudell dem Abschiednehmenden Worte des Dankes für seine langjährige treue Arbeit für Schule und Stadt; im Namen der Schüler dankte der Primaner Otto Hempfing dem verehrten Lehrer in herzlichen Worten. Der Gefeierte sprach tiefbewegt für alle Zeichen und Worte der Anerkennung, die ihm gegolten hatten, seinen Dank aus und richtete zum Schluß an die Schüler ernste Worte der Mahnung, indem er ihnen ans Herz legte, stets