14— Ableistung des pädagogischen Probejahrs, sowie auch Herr Pfarrer Kiel als etatsmässiger katholischer Religionslehrer in das Lehrerkollegium ein.
Eine Pleine Störung erlitt der Schulbetrieb gleich im Anfang dadurch, dass der wissenschaftl. Hilfslehrer Dr. Garthe zu einer militärischen Übung auf 8 Wochen ein- gezogen war.
Am 2. Juli wurde eine Turnfahrt unternommen. Die oberen Klassen besuchten den Bilstein bei Grossalmerode, die Quartaner wanderten über die Halbe Mark nach Sooden, die Quintaner und Sextaner zum Hundsrück, die Vorschulklassen ins Höllenthal.
Am 6. Juli starb unerwartet nach kurzem Krankenlager ein fruherer Lehrer der Anstalt, der Oberlehrer a. D. Eichenberg. Die Wünsche und die Hoffnungen, mit denen wir ihn im Herbst 1886 von uns scheiden sahen, haben sich leider nicht erfüllt. Am 8. Juli gaben wir, soweit es uns die schon eingetretenen Ferien gestatteten, dem hochgeschäzten Kollegen das Geleit zum Grabe. Sein Andenken wird bei uns allezeit in Ehren bleiben.
Während des Monats August war der ordentl. Lehrer Dr. Ritter durch eine 8wöchentliche militärische UÜbung dem Dienste entzogen.
Der Sedantag wurde in hergebrachter Weise gefeiert, die Ansprache am Kriegerdenkmal hatte der ordentl. Lehrer Dr. Krull übernommen. Unmittelbar daran schloss sich das Schau- turnen in der Turnhalle.
Mit Ablauf des Jahres 1889 wurde Herr Organist Heinzerling auf seinen Antrag von dem Amte als Gesanglehrer der Anstalt entbunden. Für die Gewissenhaftigkeit und Treue, mit welcher er dieses an besonderen Schwierigkeiten reiche Nebenamt Jahrzehnte lang verwaltet hat, sprach ihm das Kuratorium seine besondere Anerkennung aus. Von Seiten der Schule aber sei auch an dieser Stelle demselben Gedanken Ausdruck gegeben!
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde von der Anstalt festlich begangen. Schon am 25. Januar wurde zur Vorfeier die melodramatische Kantate„Fürs Vater- land“ von Treller(Musik von Mangold) aufgeführt. In der Hauptfeier des 27. Januar, die in der hergebrachten Ordnung verlief, hielt der ord. Lehrer Stendell die Festrede.
Das Andenken der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich wurde auch in diesem Jahre geehrt in besonderen Gedächtnisfeiern am 25. Juni, am 18. Okt. und 22. März durch Ansprachen, welche Lehrer Schmeisser, der Direktor, Oberl. Dr. Pontani hielten.
Am 24. und 25. Februar wurde die Anstalt, besonders die Realklassen, einer eingehenden Revision durch Herrn Provinzialschulrat Kannegiesser unterzogen.
Am 26. Februar fand unter seinem Vorsitz die erste Entlassungsprüfung am Realprogymnasium statt, mit dem Erfolge, dass beiden Prüflingen das Zeugnis der Reife zuerkannt wurde, welches in- des erst dann ausgefertigt werden wird, wenn die neue Anstalt vom Herrn Minister anerkannt sein wird.
Am 27. Februar wurde unter dem Vorsitz des Direktors die Entlassungsprüfung am Pro- gymnasium abgehalten, wobei ebenfalls sämtlichen— 6— Prüflingen das Zeugnis der Reife zugesprochen wurde.
D)yer Gesundheitszustand war bei Lehrern und Schülern ein günstiger. Doch erkrankte im November Herr Oberlehrer Dr. Mösta wiederholt in solchem Grade, dass er schliesslich den Unterricht ganz aufgeben musste; und während des ganzen Januars war Herr Dr. Krull, im März 8 Tage lang Herr Dr. Garthe, in den letzten Wochen auch der Unterzeichnete durch die Grippe ans Haus gefesselt.


