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Im April schied Herr Bürgermeister Gebhard, indem er in den Ruhestand trat, aus dem Kuratorium der Realschule aus. Die Anstalt kann es nicht unterlassen, dem hochverehrten Herrn auch an dieser Stelle ihren aufrichtigen Dank zu sagen für das freundliche Wohlwollen, welches er ihr allezeit bewährt hat, und die lebhaftesten Wünsche für sein ferneres Wohl auszusprechen.
Der grosse Schmerz des Vaterlandes, als es zum 2. Male in kurzer Zeit an das Grab seines Kaisers sich gestellt sah, wurde auch in der Friedrich-Wilhelms-Realschule tief empfunden, um so tiefer, als sie in Kaiser Friedrich zugleich ihren hohen Protektor verlor, der sie oft wiederholt, zuletzt noch von seinem Schmerzenslager von San Remo aus, durch Zeichen seiner Huld und Gnade zum Danke verpflichtet hatte. Als Zeichen seiner Trauer liess das Lehrerkollegium einen Kranz am Sarge des unvergesslichen Kaisers niederlegen. Eine besondere Trauerfeier wurde am 30. Juni abgehalten, bei der Oberlehrer Dr. Pontani die Gedächtnisrede hielt.
Auch weiter wurde der entschlafenen Kaiser Andenken geehrt in besonderen Gedächtnis- feiern am 18. Okt., am 9. und 22. März durch Ansprachen, welche die Herren Dr. Ritter, Dr. Krull und Dr. Voigt hielten.
Am 25. Juni besuchte eine grössere Anzahl von Schülern der oberen Klassen unter Führung ihrer Lehrer Wilhelmshöhe und Kassel, besonders um der Darstellung des Herrig'schen Lutherfest- spiels in Kassel beizuwohnen. Die unteren Klassen machten unterdessen einen Ausflug nach der Plesse und nach Wanfried. Die Vorschulklassen holten ihren Klassenausflug an einem späteren Tage nach, wo sie den Schlierbach besuchten.
Der Sedantag wurde in hergebrachter Weise gefeiert, die Ansprache am Kriegerdenkmal hatte der ordentl. Lehrer Dr. Flemming übernommen. Unmittelbar daran schloss sich das Schau- turnen in der Turnhalle. 3
Am 15. Sept. verliess uns der wiss. Hilfslehrer Meister, welcher seit Ostern 1887 dem Lehrerkollegium angehört hatte, um eine Vertretung am Realprogymnasium in Biebrich zu über- nehmen.—
Am 28. September unterzog sich nach vorausgegangener schriftlicher Prüfung ein früherer Schüler der Realschule Siegmund Plaut von hier mit gutem Erfolg der mündlichen Reifeprüfung, bei welcher der unterzeichnete Direktor mit dem Vorsitz beauftragt war.
Vom 11.—25. Oktober war der Direktor als Mitglied der hessischen Gesamtsynode in Kassel und dadurch seinem Amte entzogen.
Am 23. Dezember erwarb der wiss. Hilfslehrer Garthe bei der Universität Göttingen den philos. Doktorgrad durch eine Abhandlung, welche diesem Jahresbericht als Beilage beigegeben ist.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde von der Anstalt festlich begangen. Schon am 25. Januar wurde zur Vorfeier das vaterländische Festspiel„Am Kyffhäuser“ von Thouret(Musik von Cebrian) von Schülern zur Darstellung gebracht. In der Hauptfeier des folgenden Tages, die in der hergebrachten Ordnung verlief, hielt der ord. Lehrer Orth die Festrede. Am Abend führte das Trommler- und Pfeifer-Korps den Zapfenstreich aus.
Am 25. März fand die mündliche Entlassungsprüfung unter Vorsitz des Herrn Provinzial- Schulrat Kannegiesser statt; sämtliche Prüflinge erhielten das Reifezeugnis.
Der Gesundheitszustand war bei Lehrern und Schülern ein günstiger, nur bereitete im Winter eine Masernepidemie erhebliche Störungen in den untersten Klassen. Die 3. Vorschulklasse musste sogar im Dezember ganz geschlossen werden, und überdies waren 2 Lehrer, Herr Schmeisser


