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Eine Turnfahrt, wenn auch in der durch die neueren Verordnungen bedingten Einschrän- kung, wurde am 16. bezw. 17. August unternommen. Die oberen Klassen besuchten Kassel und Wilhelmshöhe, die Tertien Münden und den Reinhardswald, die unteren bestiegen die Plesse, die Vorschule den Meissner.
Am 9. August feierte Herr Organist Heinzerling sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Hatte das Fest auch vorwiegend kirchlichen Charakter, so nahm doch auch die Friedrich-Wilhelms-Real- schule an dem Jubelfeste ihres langjährigen Gesanglehrers, dessen Verdienste u. a. durch Verleihung des K. Kronenordens 4. Kl. anerkannt wurden, gebuührenden herzlichen Anteil.
Nicht unerwähnt darf auch in der Chronik der Friedrich-Wilhelms-Realschule bleiben, dass einem ihrer Schüler der Preis unerschrockener Hilfsbereitschaft zu teil ward. Der Primaner Otto Benning, welcher am 9. Juni mit eigener Lebensgefahr ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet hatte, wurde durch den Herrn Minister des Innern durch Verleihung der Erinnerungsmedaille ausgezeichnet.
Der Sedantag wurde in gewohnter Weise durch eine Festfeier am Fusse des Krieger- denkmals begangen, bei welcher der ord. Lehrer Stendell die Ansprache hielt. Unmittelbar daran schloss sich das Schauturnen in der Turnhalle.
Am 16. Sept. fand die mundliche Entlassungsprüfung an der Realschule unter Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrats Kannegiesser statt. Dem einzigen Abiturienten wurde das Reifezeugnis zuerkannt.
Des Geburtstages Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, nun- mehr Kaiserlichen Majestät, wurde in der Morgenandacht des 18. Okt. mit tiefschmerzlicher Teilnahme gedacht, aber auch mit gottvertrauender Hoffnung. Und nicht nur an jenem Tage, sondern unablässig hat mit der ganzen Nation um das Wohl ihres erhabenen Protektors auch die Friedrich- Wilhelms-Realschule mit lebendigster Teilnahme gesorgt und gebetet— wills Gott nicht ohne Erhörung.
Aufs tiefste erschüttert wurde sie auch durch die Kunde von dem Heimgange des einzig geliebten Kaisers. Die erste sichere Nachricht wurde am Nachmittag des 9. März um 2 Uhr den versammelten Schülern mitgeteilt und die Schule dann geschlossen. Die Wochenschlussandacht des folgenden Tages gestaltete sich zu einer Trauerandacht. An dem Trauergottesdienst am 16. März beteiligte sich die Schule, soweit es die Verhältnisse gestatteten, insbesondere der Gesangchor. Und am 22. März, den sie so oft mit Jubel beging, wird sie auch in ihrem Kreise eine besondere Gedächt- nisfeier abhalten.
Die Entlassungsprüfung des Winterhalbjahres wurde am 1. März unter Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrats Kannegiesser abgeschlossen. Ein Real-Primaner und 2 Gymnasial-Obersekundaner bestanden dieselbe.—
Auch diesmal muss die Chronik mit der Erwähnung eines Verlustes schliessen, welcher der Anstalt bevorsteht. Herr Oberlehrer Wessel tritt mit dem Schlusse des Schuljahres in den Ruhe- stand in Gemässheit seines Antrages, den er wegen zunehmender Schwäche seiner Körperkräfte in vielleicht allzustrenger Selbstbeurteilung stellen zu sollen geglaubt hat. Der verehrte Amtsgenosse ist erst spät, nämlich Ostern 1869, auf eine theologische Laufbahn verzichtend, in den Schuldienst getreten und hat während dieser ganzen Zeit mit seinem reichen Wissen in peinlichster Gewissen- haftigkeit und rastlosem Eifer der Friedrich-Wilhelms-Realschule gedient. Sein Name wird bei der- selben in Ehren bleiben.—


