Jahrgang 
1884
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1 über Brotterode durch das Trusenthal, Liebenstein, nach Besichtigung der Altensteiner Höhle und der Parkanlagen des Altensteiner Schlosses nach dem zweiten Nachtquartier, dem Gasthof von Schloss Altenstein, von wo am dritten Tage der Rückmarsch über Ruhla, den Wachstein, Hirschstein, die Hochwaldsgrotte, Hohesonne nach Eisenach angetreten wurde. Unterwegs brachten gemeinsame Gesänge und Spiele und eine Ansprache des Direktors die durch die mannichfaltigen schönen Ein- drücke gehobene Jugendlust und die durch die geschichtlichen Erinnerungen jener Tage patriotisch gehobene weihevolle Stimmung zum Ausdruck. Auf Station Niederhone vereinigte sich die obere Abteilung mit den Schülern der Quinta und Sexta, welche unter Führung der Lehrer Stendell, Tassius und Troll von Allendorf aus die Teufelskanzel und den Hanstein besucht, und den Schülern der Vorschule, welche von den Lehrern Schmeisser und Salzmann geführt den Tag mit fröôhlichen Spielen in der anmutigen Umgebung von Allendorf zugebracht hatten, und die ganze Schule marschierte unter Trommelschall und Pfeifenklang in spät abendlicher Stunde der Heimat zu, der mit einem schallenden Hoch der Gruss der durch die längere Abwesenheit erfrischten und gestärkten Liebe dargebracht wurde.

Die Turnprüfung wurde am 1. September abgehalten und gestaltete sich bei dem zahlreichen Besuche des Publikums, den wohlgelungenen turnerischen sowie deklamatorischen und Gesanges- leistungen zu einer recht erhebenden Vorfeier des Sedantages, dessen Feier selbst von der Schule gemeinschaftlich mit den übrigen städtischen Schulen und dem hiesigen Kriegerverein durch einen Zug nach dem Kriegerdenkmal begangen wurde, nach dessen Bekränzung der Lehrer Orth einen Ueberblick über die grossen Ereignisse der Jahre 1870 und 71 gab.

Am 22. September, dem letzten Tage des Sommersemesters, sagte der Direktor dem aus mehr als achtjähriger Thätigkeit von der Anstalt scheidenden ordentlichen Lehrer Dr. Anschütz namens der Schule Lebewohl, mit dem Dank für seine hochverdiente Wirksamteit als wissenschaftlicher Lehrer und als Turnlehrer, der Versicherung dauernden Gedenkens an seine den Lehrern und Schülern liebgewordene Persönlichkeit und den innigen Segenswünschen für seinen neuen Wirkungskreis an der Königlichen Ritterakademie zu Liegnitz, wohin er durch einen ehrenden Antrag abgerufen war.

Herbstferien waren vom 22. September bis 6. Oktober.

Mit dem Beginn des Wintersemesters trat an Stelle des Dr. Anschutz der wissenschaftliche Hulfslehrer Edmund Flemming bei der Anstalt ein; der Turnunterricht wurde dem Zeichen- und Turnlehrer bei der hiesigen Bürgerschule Hermann Kemnitz fur die Dauer des Wintersemesters übertragen, während der ordentliche Lehrer Orth mit Genehmigung des Herrn Ministers an dem Kursus der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt in Berlin teilnahm; dessen Unterrichtsstunden wurden durch den Direktor und die Lehrer Dr. Pontani, Stendell, Flemming, Tassius vertreten.

Am 18. Oktober brachten nach der Morgenandacht und einer Ansprache des Direktors die versammelten Lehrer und Schüuler dem geliebten Kronprinzen in einem begeisterten Hoch ihren ehrfurchtsvollen und herzlichen Geburtstagsgruss.

Die Lutherfeier wurde am 9. November durch Teilnahme an der allgemeinen Vorfeier, Fackelzug und Festgottesdienst, und am 10. Nov. durch einen öffentlichen Schulaktus begangen, bei welchem durch Gebet, Gesänge und Deklamationen, und insbesondere durch die von warmer Begeisterung getragene und die Hörer begeisternde Festrede des Oberlehrers Eichenberg das gesegnete Andenken des Reformators erneuert wurde.

Weihnachtsferien waren vom 20. Dezember 1883 bis 5. Januar 1884.