Jahrgang 
1930
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Interesse der Raumgewinnung mehr zur Seite zu schieben oder ganz zu beseitigen und durch einen einfachen Holzbau zu ersetzen, der als Kleiderablage und Unterstellraum bei plötzlich eintretender ungünstiger Witterung zu dienen hätte. Wegen einiger Xenderungen an der Einfriedigung des Spielplatzes, die die Durchführung der Ballspiele erschwert, sind Verhand- lungen mit der zuständigen Baubehörde im Gange. Bei günstiger Witterung wurden die Spielnachmittage während des Sommers oftmals auch zu Luft- und Wassersport in der Städt. Badeanstalt benutzt; dagegen bot der diesjährige milde Winter zum Schnee⸗ und Eissport wenig Gelegenheit. Die verbindlichen Monatswanderungen führten in der Regel in die nähere und weitere Umgebung der Stadt; sie dienten nicht nur der körperlichen Erholung der Schüler, sondern bedeuteten oftmals auch eine Erweiterung und Vertiefung des deutschen, geschicht⸗ lichen, erdkundlichen und naturwissenschaftlichen Unterrichts. Das gilt besonders von drei größeren Fahrten, deren erste die Ober- und Mittelklassen am 3. Juli nach Marburg zum Be⸗ suche der Festspiele(Wilhelm Tell) führte; die zweite bot 14 Schülern der Oberstufe am 20. Oktober Gelegenheit, an der Festaufführung von Aischylos'Persern im Frankfurter Schauspielhaus durch das Friedrichsgymnasium in Kassel teilzunehmen; die dritte führte die Schüler der Ii und lI? am 9. September wieder nach Marburg und galt der religionsgeschicht⸗ lichen Ausstellung daselbst. Besichtigungen der Hauptsehenswürdigkeiten von Marburg(Stadion, Elisabethkirche, Universität) und Frankfurt a. M.(Liebighaus, Goethehaus, Senkenbergianum, Römer) waren mit diesen Fahrten verbunden. Gegen Ende des Schuljahres folgten die Unter⸗ primaner unter Führung ihres griechischen Fachlehrers einer Einladung des Siegener Ober- lyzeums zur Aufführung von Werfels Nachdichtung der Troerinnen des Euripides. Ihren Dank an die Siegenerinnen statteten die Schüler durch folgende anerkennende Kritik in der Dill⸗ Zeitung vom Freitag, den 4. April 1930 ab:

Zum zweitenmal bot sich uns Schülern des Dillenburger Gymnasiums die Gelegenheit, eine der alt- griechischen Tragõdien auf der Bühne zu sehen. Während die griechische Aufführung derPerser von Xischylos im Frankfurter Schauspielhaus in technischer und schauspielerischer Beziehung besser war, wurden uns die Troerinnen zum grôßeren Erlebnis dadurch, daß sie in einer freien deutschen Bearbeitung zum Vortrag kamen. Man mag es vielleicht als cin müßiges Unternehmen betrachten, die volltönenden griechischen Verse in gleich- wertige deutsche zu übertragen. Wenn man dieses Stüdk gehört hat, muß man zu der Ueberzeugung kommen,

daß unsere viel gelästerte Sprache, vom Neister geformt, nicht allzusehr neben der griechischen verblaßt. Nag man zu dem Pazifisten Werſel stehen, wie man will, die Wucht und Kraft seiner Sprache muß man unbedingt anerkennen.

Eine gute Einführung fand das Stück durch die Ouvertüre zuPhädra von Massenet. Leider wurde der Prolog ausgelassen. Wenn auch nicht im Sinne des Euripides, hätte er doch viel zum Verständnis des Stückes beigetragen. Von packender Leidenschaft waren die bis in die kleinsten Feinheiten durchgebildeten Sprech- und Bewegungschöre. Die schwierigste Rolle war wohl die der Hekuba. jenes Weib, das Uebermenschliches dulden muß, dessen Schrei nach Gerechtigkeit ungehôrt verhallt, für das das Leben Unsinn ist, lebenswert nur durch die Tugend, und das es schließlich wagt, diesem unsinnigen Leben Trotz zu bieten mit den Worten:So nehm' ich denn mein Leben an die Brust und trag's zu Ende. Mit einer gegen das Ende hin immer grôßeren Ueberzeugung wurde diese Rolle meisterhaft gespielt. XNuch Andromache konnte sehr gut gefallen. Die sonst sehr wirkungsvoll den Inhalt betonende Begleitmusik wurde etwas störend beim Xuftreten der Kassandra empfunden, da ihre Worte zum grõßten Teil verloren gingen. Doch lag das wohl an der Spielerin, die zu leise sprach. Auch fehlte ihr die letzte Wiedergabe des verzückten Taumels einer Seherin. Die Rolle der Helena lag in guten Händen. Weniger befriedigte der Herold der Griechen, Talthybios, der wegen seiner undeutlichen Xussprache kaum verstanden wurde. Auch Menelaus hätte mehr aus sich herausgehen können.

Xlit einem gewaltigen Geſamteindruck war die Aufführung eine hervorragende Leistung, eine umso grôßere, wenn man bedenkt, daß es durchweg junge Menschen waren, die vielleicht zum erstenmal auf den Brettern gestanden haben. Technische XAufmachung, Bühnenbild und Kostüme zeugen von dem Eifer und der Liebe, mit der die Siegener Schülerinnen unter Leitung des Herrn Dr. Konrad Maria Krug ans Werk gegangen sind. Wir danken ihnen für diese weihevollen Stunden. Kiesewetter II.

Gesundheitliches.

Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen günstig, wenngleich einzelne Fälle von schwerer und langwieriger Erkrankung vorkamen. Zu den vom kreiswohlfahrts- amt eingerichteten Erholungskuren waren seitens der Schule 21 Schüler der unteren Klassen vorgeschlagen, 5 von diesen wurden zu einem sechswöchigen Kuraufenthalt nach Bolten⸗

20.