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die Staatsregierung Anteil genommen, der Herr Oberpräſident, das Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium. Von Sr. Maj. dem Kaiſer und König ſind verliehen worden: der Rote Adlerorden 4. Kl. den Herren Gymnaſial⸗Direktor Prof. Dr. Endemann und Prof. Wagner, das Allgemeine Ehrenzeichen den Herren Maurermeiſter Rompf und Dachdeckermeiſter Weber.„Und nun Glückauf dem neuen Hauſe für viele, viele Jahre, will's Gott für Jahrhunderte!“
Der Direktor des Gymnaſiums Herr Prof. Dr. Endemann begrüßte nun den Herrn Provinzial⸗ Schulrat und die Feſtverſammlung mit herzlichem Willkomm. Dank ſagte er allen Vertretern der Behörden und der Bürgerſchaft, Dank den Staatsbehörden, die die Errichtung des Neubaues be⸗ ſchloſſen und gefördert, Dank vor allem Herrn Regierungsbaumeiſter Mahlberg, der den Neubau ausgeführt und ein Schulgebäude errichtet habe, das nach ſeiner geſamten Ausführung als muſter⸗ giltig bezeichnet werden müſſe, Dank dem Magiſtrat der Stadt, ſowie allen früheren Schülern, die durch reiche Beiträge die Beſchaffung einer Orgel für die neue Anſtalt zu ermöglichen geſucht.— Anſchließend an dieſe Dankesworte verbreitete ſich Redner in längeren Ausführungen über die Zwecke, denen das Gymnaſium dienen, und den Geiſt, der in der Schule wohnen ſoll. Sie lehnten ſich namentlich an die alten griechiſchen und römiſchen Klaſſiker an, mit denen die Schüler auf der An— ſtalt bekannt werden. Ganz beſonders will die Schule bedacht ſein, neben wiſſenſchaftlicher und körperlicher Ausbildung auf die Erzielung ſittlicher Reife bei den Schülern. Was nützt alle Schul⸗ vorbildung, wenn der junge Mann bei ſeinem Hinaustreten in's Leben nicht die nötige ſittliche Kraft beſitzt, den ihm drohenden Gefahren ſiegreich entgegen zu treten. Die Schule ſoll echte Bildung verbreiten, nicht Halb⸗ und Scheinbildung, ſie ſoll Aufklärung geben, nicht jene Aufklärung, die Hohes und Heiliges in den Staub zieht, ſondern die auf dem Boden echter Religioſität beruht, ſie ſoll Aufklärung vermitteln, vor allem auf ethiſchem Gebiet. Ferner ſoll der Unterricht der Er⸗ ziehung zum Staatsbürger gewidmet ſein. Möchten die neuen Räume ſtets Zeugnis ablegen von froher und ernſter Arbeit, und möchten in ihnen durch rechte Zucht junge Menſchen heranwachſen zu chriſtlichen Bürgern. Möchte der Friede Gottes allezeit über dem neuen Hauſe ruhen! Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majeſtät den Kaiſer, den Förderer eines guten deutſchen, chriſtlichen Geiſtes, fand die Rede ihren Abſchluß.
Hierauf folgte eine Reihe von Glückwünſchen, zunächſt von ſeiten des Herrn Landrats, des Herrn Bürgermeiſters und des Herrn Seminardirektors. Herr Amtsgerichtsrat Dr. Weber überreichte im Auftrage früherer Schüler eine Summe von 1900 ℳ zum Bau einer Orgel in der Aula.
Mit Dankesworten des Herrn Gymnaſialdirektors und dem gemeinſam unter Muſikbegleitung geſungenen Choral:„Nun danket alle Gott“, der mächtig den Feſtſaal durchbrauſte, fand der er⸗ hebende Weiheakt ſein Ende.
Am Nachmittage beteiligten ſich viele Feſtteilnehmer an einem auf dem Schloßgarten veran⸗ ſtalteten Konzert der Gießener Regiments⸗Kapelle, und abends fand ein Kommers, den die früheren Schüler des Gymnaſiums veranſtalteten, im ſchön dekorierten Kurhaus⸗Saale ſtatt, bei welcher Ge⸗ legenheit die Anweſenden manche heitere und ernſte Erinnerung auffriſchten.
Nun noch einiges über das Gebäude ſelbſt. Ueberaus zweckentſprechend und praktiſch und mit allem Komfort der Gegenwart ausgeſtattet, ſtellt ſich die innere Ausſtattung und Einrichtung des neuen Gebäudes dar. Unter der Leitung des Herrn Regierungsbaumeiſters Mahlberg wurde ein Werk geſchaffen, das vor jeder Kritik beſtehen kann, und unter vorteilhafter Raumausnutzung allen Anforderungen an ein modernes Schulgebäude genügt. Ein geräumiges, vornehm wirkendes Treppen⸗ haus, breite Gänge und hohe, helle, luftige Schulräume,(im ganzen 11 Klaſſenzimmer, ein Zimmer für die naturwiſſenſchaftliche Sammlung und ein Kartenzimmer) mit Zentralheizung und elektriſcher Beleuchtung verſehen. Ein zweckmäßig eingerichteter großer Zeichenſaal, das große Konferenzzimmer, die Arbeitsräume des Herrn Direktors, treten dem Beſchauer äußerſt vorteilhaft entgegen. Ueberall in der Ausſtattung Einfachheit und vornehme, wohltuende Ruhe. Bei der Beſichtigung konnte man wiederholt die Anſicht hören, daß es eine Freude ſein müſſe, in ſolchen Räumen Lehrer und auch Schüler zu ſein.“


