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V. Chronik des Gymnaſiums.
Das Schuljahr begann Donnerstag, den 3. April mit der Aufnahmeprüfung. Vom 3. April bis zum 20. Mai wurde der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Auell zu einer militäriſchen Dienſtübung eingezogen. Dem Gymnaſium wurde als Probekandidat Joſeph Flock zugewieſen.
Die Pfingſtferien dauerten vom 9. bis 16. Mai. Am 19. Mai fand die Einweihung des Neu⸗ baues ſtatt, über die der Bericht der„Zeitung für das Dilltal“(Redakteur Herr Ludw. Weidenbach) in verkürzter Geſtalt hier Platz finden möge:
Nach faſt zweijähriger Bauzeit wurde am 19. Mai der Neubau des hieſigen Kgl. Gymnaſiums ſeiner Beſtimmung übergeben. Gegen 12 Uhr mittags zogen das Lehrer⸗Kollegium und die Schüler von der alten Anſtalt durch einige Straßen der Stadt zu dem ſtattlichen Neubau, an deſſen Portal die Schlüſſel⸗Uebergabe durch den Erbauer, Herrn Reg⸗Baumeiſter Mahlberg, an den Vertreter der Staatsbehörde, Herrn Prov.⸗Schulrat Kanzow, und durch dieſen an Herrn Direktor Prof. Dr. Endemann erfolgte, der darauf die Pforten öffnete. In der feſtlich geſchmückten Aula fanden ſich außer dem Lehrerkollegium und den Schülern die Vertreter der hieſigen ſtaatlichen und ſtädt. Behörden, die Eltern vieler Schüler, frühere Schüler und Freunde der Anſtalt zu dem Weihe⸗ akt zuſammen, der bei allen tiefe und nachhaltige Eindrücke hinterließ.
Eröffnet wurde die Feier durch den gemeinſam geſungenen Choral„Lobe den Herrn“. Es folgte Weiheſpruch und Gebet des evang. Religionslehrers des Gymnaſiums, Herrn Pfarrer Fremdt, der den Segen des Himmels über das neue Haus herabflehte. Nach dem Vortrag des 23. Pſalms durch den Schüler⸗Chor nahm Herr Prov.⸗Schulrat Kanzow aus Kaſſel das Wort zu etwa folgenden Ausführungen:
„Die Räume wachſen, es dehnt ſich das Haus.“ Wie ſind ſie gewachſen, wie hat ſich das Haus gedehnt, ſeit vor 375 Jahren mit einer beſcheidenen Schule von 1 Klaſſe die Anſtalt begründet wurde, die vor etwa 140 Jahren als Pädagogium mit 4 Klaſſen und vor etwa 43 Jahren als Progymnaſium mit 6 Klaſſen eingerichtet wurde.„Es iſt der Geiſt, der ſich den Körper baut.“ Wenn wir das alte Gebäude vergleichen mit dem neuen Hauſe, ſo wird uns die Beſtätigung: Es iſt der mächtig vorwärts drängende Geiſt, der nach Entwicklung und Erweiterung treibt, deſſen Weſen und Streben wir auch hier erkennen können. Es iſt der Geiſt der Erkenntnis, der Schön⸗ heit und Zweckmäßigkeit, der Geiſt der Pflicht, der die ungenügenden Räume des alten Hauſes geſprengt hat, der das neue ſchöne Haus geſchaffen. Wir wollen nicht undankbar ſein, auch das alte Haus war die Wiege mancher jugendlichen Kraft, der Schaffung manches wachſenden Talentes. Es muß nun Platz machen dem Geiſt der Entwicklung, es muß Platz machen dem neuen Hauſe. Der heutige Tag iſt geeignet, verſchiedene gute Wünſche, Hoffnungen und Erwartungen dem neuen Hauſe mit auf den Weg zu geben. Möge es ernſtem Streben, ernſter Arbeit und Forſchung nach Wahrheit und Erkenntnis dienen, möge es dienen dem Zweck, Ordnung und Geſittung zu pflegen, mögen in ihm Gottesfurcht, Königstreue und Vaterlandsliebe ihre Stätte finden! Doch ich habe noch einen beſonderen Wunſch, möge es ein Haus ſein, in dem allezeit die Freude wohnt, die Freude in der edelſten Geſtalt, die Freude an geiſtiger Arbeit, die Freude an harmloſer Jugend⸗ luſt, die Freude an allem Guten und Schönen, was Natur und Kunſt bietet, die Freude, die aus echter Pflichterfüllung erwächſt, die Freude, die uns hinaufführt in das Reich des Idealen. Dann wird das hellſte Licht dieſe Räume erfüllen, dann wird ihnen gegenüber jenes Gefühl lebendig, das ſich zuſammenſetzt aus Dankbarkeit, Verehrung und Liebe, das Gefühl der Pietät, das heute ſo zahlreich alte Schüler herbeigeführt, das Gefühl, das ſich gründet auf der Liebe zu der Stätte, auf der man ſeine geiſtige Ausbildung empfangen hat.— An dem heutigen frohen Tage hat auch


