Jahrgang 
1910
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Unterricht liegende freie Zeit nicht zu kurz ſei, geſtattet, den Unterricht am Nachmittage um 2 ½ Uhr zu beginnen. Dieſe Einrichtung hat ſich nach Anſicht der Lehrenden wie Lernenden vortrefflich bewährt. Die Abſicht des Direktors geht deshalb dahin, durch möglichſt weitgehende Heranziehung der Vor⸗ mittagsſtunden im Sommer von 7 bis 12 Uhr die Nachmittage weiter tunlichſt zu entlaſten. Es geſchieht dies vor allem im Intereſſe der auswärtigen Schüler, kommt aber auch den hieſigen zugute.

Vom 29. Januar bis 3. Februar fand die ſchriftliche Reifeprüfung ſtatt, der ſich alle 12 Ober⸗ primaner unterzogen. Das Thema des deutſchen Aufſatzes lautete:Welche Umſtände führten den Sturz Napoleons J. herbei?

Für die mathematiſche Arbeit waren folgende Aufgaben geſtellt:

1. Ein Dreieck zu konſtruieren aus he, u V= d, 0.

2. Die Winkel und die Seiten dieſes Dreiecks zu berechnen für die Werte he= 156 0= 60,67 d= 57,9

3. Eine Handlung bezieht in einem Jahre für 5460 Mk. Fahrräder derſelben Marke. In dem folgenden Jahre vermag die Fabrik Räder gleicher Güte um je 10 Mk. billiger zu liefern, und die Handlung bezieht 10 Räder mehr, im ganzen für 6240 Mk. Wieviel koſtet ein Fahr⸗ rad in dem erſten Lieferungsjahre?

4. Ein gerader Kegelrumpf und ein gerader Kegel haben dieſelbe Grundfläche und Höhe. In welchem Verhältnis ſtehen die Radien der Grund- und der Endfläche des Rumpfes zu einander, wenn dieſer doppelt ſo groß iſt wie der Kegel?

Die mündliche Prüfung fand am 16. Februar unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schul⸗ rates Dr. Waßner ſtatt. Allen Prüflingen konnte das Reifezeugnis erteilt werden; drei wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Die Abiturienten wurden am 18. Februar von dem Direktor entlaſſen.

Zum Zwecke des Rodelns wurde an ceinem Nachmittage der Unterricht ausgeſetzt.

Aus mehreren Gründen hat der Direktor im Einverſtändnis mit dem Lehrerkollegium ſeit Auguſt 1909 folgende Einrichtung getroffen. Es ſoll den Primanern geſtattet ſein, an zwei näher zu be⸗ ſtimmenden Tagen zum Zwecke des Billard- und Kegelſpieles zwiſchen 4 und 8 Uhr hieſige Reſtaurationen zu beſuchen. Es ſoll hierdurch den erwachſenen Schülern der Anſtalt Gelegenheit gegeben werden, ſich an öffentlichen Orten frei bewegen zu lernen. Dieſe Einrichtung hat ſich in dieſem Schuljahre durchaus bewährt. Die jungen Leute haben bewieſen, daß ſie in ihrer übergroßen Mehrzahl das Entgegenkommen des Lehrer⸗Kollegiums zu würdigen wiſſen. Ueberhaupt iſt im allgemeinen erſichtlich, daß die vernünftigen Vorſtellungen über den ſchädlichen Einfluß des Alkohol- und Tabakgenuſſes auf guten Boden gefallen ſind. In Zuſammenhang damit ſteht es wohl, daß geſunde Vereinsbeſtrebungen wieder mehr in den Vordergrund getreten ſind Der Turnverein iſt neu aufgeblüht, ein Wanderverein iſt neu begründet worden. Außerdem beſteht ein Muſik⸗ und ein Stenographenverein, die von Direktor und Lehrerkollegium tunlichſt gefördert werden. Möchten doch ſolche den wirklichen Bedürfniſſen des jugendlichen Geiſtes und Körpers entſprechenden Anſchauungen und Beſtrebungen zum Heile unſerer Jugend immer weitere Fortſchritte machen! Auch im Hinblick darauf hat der Direktor in der Beilage zum Programm die wichtigſten Geſundheitsregeln für Schüler kurz zuſammengeſtellt. Hygieniſche Bildung tut unſerer Jugend, auch unſerem geſamten Volke, vor allem not; hängt doch das Wohl des Volkes und Staates in mannigfachſter Hinſicht davon ab. Ich bitte die Eltern, mich bei der Ver⸗ breitung ſolcher Bildung nach Möglichkeit zu unterſtützen.

Die Baupläne für den Erweiterungsbau werden leider in dieſem Jahre noch nicht zur Aus⸗ führung gelangen können, da die Finanzlage dies nicht geſtattet.