Jahrgang 
1892
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3. Ueberſicht über die während des abgelaufenen Schuljahres abſolvierten Penſen.

Prima. Ordinarius: Direktor Profeſſor Schmidt.

Religion(wöchentlich 2 St.). a. evangeliſche. Wiederholung der Glaubens⸗ und Sittenlehre an )

der Conf. Auguſt. Römerbrief, Ev. Joh. 110. im Urtext geleſen. Eichhoff. b. katholiſche.(1 St.) Allgemeine und ſpezielle Sittenlehre. Römerbrief und Evangelium des hl. Matthäus. Kirchengeſchichte: das Mittelalter. Bölke.

Deutſch(3 St.) Repetition der Geſchichte der 1. Blüteperiode und Geſchichte der 2. bis zu Goethes Tod. Geleſen und erklärt wurden in der Klaſſe: SchillersWallenſtein und Goethes Iphigenia u. Taſſo. Privatim geleſen: Wahrheit und Dichtung, und die italieniſche Reiſe. Allwöchentlich freie Vorträge.

Die Themata der deutſchen Aufſätze waren: 1) Welche Bedeutung hatte das Mittelmeer für die alte Geſchichte? 2)Des Helden Name iſt in Erz und Marmorſtein ſo wohl nicht aufbewahrt als in des Dichters Liede. 3) a. Iſt der Ausſpruch des Livius berechtigt:Et facere et pati fortiter Romanum est? b. Kurze Inhaltsangabe von Wallenſteins Lager.(Klaſſenarbeit). 4) Siegfried und Achilles. Eine vergleichende Charakteriſtik. 5) Hat der Deutſche ein Recht, auf ſeinen Namen ſtolz zu ſein? 6) a. Welche Verdienſte hat ſich Friedrich Wilhelm, der große Kurfürſt, um den branden⸗ burgiſch⸗preußiſchen Staat erworben? b. Welches waren die Gründe der franzöſiſchen Revolution?(Klaſſenarbeit). 7) a. Iſt der Ausſpruch Niebuhrs richtig:Begeiſterung iſt die Quelle großer Thaten.? b. Trägt Alexander, der König von Macedonien, mit Recht den Beinamender Große? 8) a. Mein Lebenslauf. b. Inwiefern ſind Unterhaltungsbücher unſere Freunde, aber auch unſere Feinde? 9) Welches iſt der weſentlichſte Unterſchied zwiſchen der Iphigenie des Euripides und der Goethes?(Klaſſenarbeit). Reifeprüfung Oſtern 1892: Welche Verdienſte haben ſich die Athener in den Perſerkriegen um das ge⸗ ſamte Griechenland erworben? Schmidt. Thema für die Extraneer: Iſt die Behauptung richtig, daß Schiller der Lieblingsdichter des deutſchen Volkes iſt?

Latein(8 St.). Stiliſtik: mündliche Uebungen und alle 10 Tage ein häusl. Exerzitium oder ein Extemporale. Im Sommer 2 Aufſätze, im Winter lat. Inhaltsangaben(in der Klaſſe).

Lektüre: Cic. Tuscul. I u. V. Taciti Germania, Annal. I mit Auswahl.(Liv. XXIV

u. XXV mit Auswahl priv). Hetzel. Horat. carm. II u. IV, Ausgewählte Epiſteln.(2 St.). Schmidt. Griechiſch(6 St.). Lektüre: Sophocl. Oedipus rex; Platon. Protagoras, Demosth. Olynth I. u. II.

Hetzel. Homer, Ilias 1620; 21(tw.); 22; 24.(2 St.). Ausgewählte Stellen wurden auswendig gelernt. Kegel. Grammatik: Alle 3 Wochen ein Exerzitium nach Böhme oder ein Extemporale nach Diktat. Repetitionen beſonders aus der Syntax des Verbums mit mündlichen Uebungen. Hetzel.

Franzöſiſch(2 St.). Michaud: Histoire des Croisades; Ségur: Histoire de la Grande Armée; Molière: Le Malade Imaginaire; Racine: Athalie. Durchnahme einzelner grammatiſcher Abſchnitte. Spilling. Hebräiſch(fakult.)(2 St.) Beendigung und Wiederholung der Formenlehre. Das Wichtigſte aus der Syntax.(Nach Seffer, Elementarbuch der hebr. Sprache). Geleſen wurden Leſeſtücke aus Seffer und von der Geneſis mehrere Kapitel. Kegel. Geſchichte und Geographie(3 St.). Deutſche Geſchichte von 15551871. Repetition der griechiſchen, römiſchen und mittelalterlichen. Ueberſicht über die Geographie der 5 Erdteile, genauer Mitteleuropa, insbeſondere das deutſche Reich und ſeine Kolonieen. Schmidt. Mathematik(4 St.). Stereometrie nach Lieber und Lühmann. Gleichungen 1. und 2. Grades mit einer und mehreren Unbekannten. Kombinationen. Konſtruktionen und Berechnungen aus der Planimetrie und Trigonometrie. Im Sommer: Sonne, im Winter: Wagner.