Bericht
über
das Schuljahr von Ostern 1876 bis Ostern 1877.
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I. Lehrverfassung. A. Uebersicht der Unterrichtsgegenstände.
Prima.
Ordinarius: Gymnasialdirector Professor Spiess.
Religion, a. evangelische. Die christliche Glaubens- und Sittenlehre nach Beck's Hand- buch.(2 St. wöchentlich). Schreiner, Pfarrer.
b. katholische. Im Sommersemester Glaubenslehre, erstes Zeitalter der Kirchengeschichte und Ephesierbrief. Im Wintersemester Sittenlehre, zweites Zeitalter der Kirchengeschichte, Galaterbrief nach freiem Vortrage.(2 St. Combination mit der Quinta.)
Bölke, Pfarrer. Deutsch. Lectüre: Hamburgische Dramaturgie von Lessing mit Auslassung einiger Stücke. Schillers Künstler. Einige Scenen aus Göthes Faust. Aufsätze*) und freie Vorträge.(1 St.)
Literaturgeschichte. Im Sommer: Göthes spätere Dichtungen; romantische Schule; neuere Lyriker. Im Winter: Deutsche Literaturgeschichte im Mittelalter.(1 St.)
Philosophische Propädeutik; Psychologie nach Rumpel.(1 St.)
Spiess, Director. Latein. Lectüre: Cir. or. p. Sestio, Tusculan. I und V, 1— 20(der Rest privatim), Taciti Agri- cola.— Stilistische Uebungen: wöchentlich wechselnd Exercitien und Extemporalien; mündliche
*) Themata der deutschen Aufsätze: 1. Schön ist der Friede, aber der Krieg auch hat seine Ehren. 2. Was hat der Genuss der freien Natur vor andern Genüssen voraus?(Klassenarbeit). 3. Ist das Ungriechische in Göthes„Iphigenie auf Tauris“ als ein Mangel anzusehen? 4. Deutschlands Zustände unter den sächsischen Kaisern (Klassenarbeit). 5. Was hat der Jüngling bei der Wahl seines Berufes zu berücksichtigen? 6. Schön ist nach dem grossen das schlichte Heldenthum. 7. In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne.— Weh denen, die dem Ewig- blinden des Lichtes Himmelsfackel leihn. 8. Ein andres Antlitz, eh' sie geschehen, ein andres zeigt die vollbrachte
That. 9. Tu ne cede malis, sed contra audentior ito. 1


