1923/24.
Mit Beginn des Schuljahres wurde Studienaſſeſſor Abraham Ehrmann an die Realſchule nach Schotten verſetzt. An ſeiner Stelle wurde uns der von den Franzoſen aus Langen ausgewieſene Studienrat Heinrich Clarius zugewieſen. Da auch in dieſem Jahre eine weitere Klaſſe geteilt werden mußte, erhielten wir noch eine neue Lehrkraft in Aſſeſſor Dr. Schwemmler, der bereits während des Krieges ſchon einmal an unſerer Anſtalt tätig war.
Am 24. September ſtarb nach längerem Leiden der evangeliſche Religionslehrer unſerer Schule, Pfarrer Port. An dem Leichenbegängnis beteiligte ſich die ganze Schule geſchloſſen. Am Grabe ſprach Direktor Krämer Worte des Dankes und der Anerkennung für ſeine opferfreudige, trotz ſchweren Leidens bis zur letzten Stunde unermüdlich durchgeführte Tätigkeit im Dienſte der Schule und der Jugend. Der evangeliſche Religionsunterricht, der bis zum 8. Oktober noch von Pfarrer Scheid von Altheim verſehen worden war, wurde von da ab Pfarramtskandidaten Fernges übertragen.
Kurz hintereinander wurden zwei um die Entwicklung unſerer Schule hochverdiente Männer von einem jähen Tode dahingerafft. Ende November erlag der Oberſtudiendirektor am Gymnaſium Bingen Dr. J. B. Seidenberger einem Herzſchlag in dem Augenblick, als er einem Franzoſen die Räume des Schulgebäudes, das beſchlagnahmt werden ſollte, zeigen wollte. Unter ſeiner Leitung war am 9. Mai 1889 der Unterricht an der neu eingerichteten erweiterten Volksſchule in den Räumen des Biſchöflichen Konvikts begonnen worden. Zehn Jahre wirkte er als Leiter der Schule, die ſich dank ſeiner unermüdlichen Tätigkeit bis zum Jahre 1895 bereits zur Höheren Bürgerſchule mit Realſchul⸗ und Gymnaſialabteilung entwickelte. Sein Mitarbeiter und Nachfolger an unſerer Anſtalt, Oberſtudien⸗ direktor Joſef Diehl, zuletzt am Gymnaſium zu Bensheim, der dem Freunde noch einen zu Herzen gehenden Nachruf gewidmet hatte, folgte ihm wenige Wochen ſpäter durch einen raſchen Tod ins Jenſeits nach. Er hatte am 1. April 1899 die Leitung unſerer Schule übernommen, an der er bereits ſeit Oſtern 1891 als Lehrer gewirkt hatte. An ſeinem Grabe in Bensheim ſtand auch eine Abordnung von Lehrern und Schülern der Dieburger Anſtalt. Direktor Krämer würdigte in der Grabrede ſeine großen Verdienſte um unſere Schule.
Unter großer Beteiligung der Dieburger Bevölkerung fand am Sonntag, den 2. September die Enthüllung des Denkſteines für unſere Gefallenen ſtatt. Bei der Gedenkfeier in der Turnhalle wechſelten nach einem einleitenden Orgelpräludium andachterweckende Weiſen des Schülerorcheſters mit ſtimmungs⸗ vollen Gedichten, worauf Direktor Krämer in ſeiner Gedächtnisrede der Trauer um„ſo viel allzufrüh dahingeſunkenes wertvolles Leben“ Ausdruck verlieh und zur Dankbarkeit und Nacheiferung in Opfer⸗ freudigkeit und Pflichterfüllung mahnte. Das Niederländiſche Dankgebet beſchloß dieſen Teil der Feier, dem die Enthüllung der Ehrentafel im unteren Flur des Schulgebäudes folgte. Nach einem von dem Obertertianer Bomhoff verfaßten und vorgetragenen Vorſpruch fiel unter den Klängen des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden“ die Hülle. Der Vorſitzende des Denkmalausſchuſſes, Prof. Malſy, gab einen Rückblick über das Zuſtandekommen der Gedenktafelſammlung, dankte den Meiſtern, dem Bildhauer Dietrich von Groß⸗Zimmern und dem Maurermeiſter Liller von Dieburg, die für geringes Entgelt die Ausführung der Arbeiten übernommen hatten, und übergab den Stein der Obhut der Schule. Den Schlußworten des Direktors folgte das allgemeine Lied„Deutſchland über alles!“ Im Namen der Hinterbliebenen dankte Pfarrer Scheid von Altheim in warmen, zu Herzen gehenden Worten, die mit einer ernſten Mahnung an die Jugend ſchloſſen.
Es mögen nun an dieſer Stelle unter Wiederholung der im Jahresbericht 1915/16 bereits auf⸗ geführten erſten Kriegsopfer unſerer Anſtalt die Namen aller Lehrer und Schüler genannt werden, die ehemals unſerer Schule angehörten und nunmehr den Heldentod geſtorben ſind:
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