Jahrgang 
1927
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1922/23.

Die Teilung der OQuinta, die im vorhergehenden Schuljahre vom Gemeinderat abgelehnt worden war, wurde bei der jetzigen Quarta durchgeführt. Auch die diesjährige Quinta war wieder ſo ſtark geworden, daß eine Teilung nicht zu umgehen war. Die Unterbringung von 2 weiteren Klaſſen bei der beſchränkten Anzahl von Lehrſälen machte große Schwierigkeiten.

Mit Beginn des Schuljahres wurden zwei neue Lehrkräfte eingeſtellt, Aſſeſſor Dr. Würten⸗ berger und Aſſeſſor Kaiſer. Mit Dr. Würtenberger bekam die Anſtalt endlich wieder einen Biologen und der geſamte naturkundliche Unterricht wurde nun wieder von einem Fachmann erteilt. Dr. Würten⸗ berger wurde im Laufe des erſten Halbjahres zum Studienrat ernannt. Leider ſollten wir den tüchtigen und gewiſſenhaften Lehrer nicht lange unter uns ſehen. Infolge einer Infektionskrankheit, die er ſich wohl bei der täglichen Fahrt von ſeinem Wohnorte Ober⸗Ramſtadt hierher, bei oft ſehr ſchlechtem Wetter zugezogen hatte, ſtarb er ganz plötzlich am 24. Oktober im Krankenhauſe zu Darmſtadt. An dem Be⸗ gräbnis in Ober⸗Ramſtadt nahmen ſämtliche Kollegen und faſt alle Schüler teil und legten eine große Anzahl Kränze am Grabe nieder. Am offenen Grabe widmete Direktor Krämer im Namen der Anſtalt dem Toten einen ehrenden Nachruf. Aus dem glänzenden Charakterbild, das er darin von dem Verſchiedenen entwarf, ſei hier beſonders ſein gerades, liebenswürdiges Weſen hervorzuheben, das ihm die Zuneigung aller, die ihm näher traten, ſicherte.

An die Stelle des Verſtorbenen trat Anfang November Studienaſſeſſor Paul Bommersheim.

Pfarrer Port war vom 12. 6. bis 8. 7. krankheitshalber beurlaubt. Auch am Ende des Schuljahres mußte er wegen erneuter Erkrankung längere Zeit ſeinen Unterricht ausſetzen. In den Oſterferien ſtarb der Bürgermeiſter der Stadt Dieburg, Herr Rödler. Am Grabe legte der Direktor im Namen der Schule einen Kranz nieder und ſprach Worte des Dankes für das rege Intereſſe, das der Verſtorbene ſtets der Entwicklung der Schule entgegengebracht hatte.

Am 12. November ſtarb Prof. Wilhelm Engelhardt in ſeinem Ruheſitz zu Finthen b. Mainz. In den erſten Jahren der neugegründeten Bürgerſchule ſtellte er in uneigennützigſter Weiſe ſeine ganze Kraft in den Dienſt der guten Sache. Lange Jahre gehörte er dem Lehrkörper der Schule an und arbeitete begeiſtert und unverdroſſen an ihrem weiteren Ausbau. Die Schule war bei dem Begräbnis ihres Mitbegründers durch eine Abordnung von Lehrern und Schülern vertreten. Direktor Krämer widmete dem begeiſterten Freunde der Jugend herzliche Worte treuen Gedenkens. Der Name des verdienſt⸗ vollen Mannes iſt in den Annalen der Anſtalt mit unauslöſchlichen Lettern für alle Zeiten eingeſchrieben.

Die Schülerſpeiſung, die durch die amerikaniſche Geſellſchaft der Freunde(Quäcker) für deutſche Kinder in vielen Städten eingerichtet worden war, wurde bei Beginn des Schuljahres auch 76 Schülern unſerer Anſtalt zuteil und während des ganzen Sommerhalbjahres durchgeführt. Auch an dieſer Stelle ſei dankbar der edlen Geſinnung gedacht, die in dem großangelegten Hilfswerk der Quäcker zum Ausdruck kam.

Gelegentlich der unerhörten Vergewaltigung Deutſchlands durch die Ruhrbeſetzung verſammelte ſich die geſamte Schule zu einer ernſten Feier. Doch ſchlimmer als es damals nur geahnt werden konnte, hat ſich die Vergewaltigung durch den Feind ausgewachſen. Das Meer der Leiden, das über unſere Volksgenoſſen im beſetzten Gebiet zeitweilig faſt zuſammenzuſchlagen drohte, ließ ſeine Wellen auch bis an die Pforten unſerer Anſtalt ſpülen. Bereitwillig nahmen wir eine Anzahl Schüler auf, die von Eltern aus dem Saargebiet oder der Pfalz zur Erziehung ins unbeſetzte Deutſchland gebracht wurden. Auch eine Anzahl von Söhnen Vertriebener hatte bereits Aufnahme gefunden.

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